Zu Gast bei: Jörg Teufel, Erster Bürgermeister der Gemeinde Prebitz

GZ Online, 11. März '26 | GZ zu Gast bei...
von Redaktion
Portrait

Welche Kommune vertreten Sie und wie viele Einwohner zählt sie?
Ich vertrete die Gemeinde Prebitz im Landkreis Bayreuth. Wir haben rund 1.000 Einwohner.

Seit wann sind Sie im Amt (und sind Sie haupt- oder ehrenamtlich tätig)?
Seit November 2024 bin ich ehrenamtlicher Erster Bürgermeister.

Welchen Beruf übten Sie vor Amtsantritt aus?
Ich arbeite noch in Teilzeit als Manager für kommunale Digitalisierung und Kommunikation bei der BayKommun, einer Anstalt des öffentlichen Rechts in Bayern.

Was hat Sie persönlich motiviert in die Kommunalpolitik zu gehen?
Kommunalpolitik ist unmittelbar und greifbar. Entscheidungen wirken direkt im Lebensumfeld der Menschen. Man sieht, was man bewegt oder eben nicht bewegt.
Ich war schon immer stark im Ehrenamt engagiert, viele Jahre unter anderem in verantwortlicher Funktion bei der Freiwilligen Feuerwehr und in verschiedenen Vereinen. Als vor einigen Jahren Kandidaten für den Gemeinderat gesucht wurden, war es für mich selbstverständlich mit anzupacken. Das mich der Weg so schnell ins Bürgermeisteramt führen würde, war nicht geplant. Als sich im November 2024 die Situation ergab, habe ich aber nicht lange gezögert zu kandidieren.

Wie haben Sie sich auf Ihr Amt vorbereitet?
Ich glaube als ehrenamtlicher Bürgermeister kann man sich nicht klassisch vorbereiten. Man wächst viel mehr in die Aufgabe hinein.
Mir kommt zugute, dass ich seit vielen Jahren eng mit Verwaltungen zusammenarbeite. Vor meiner Tätigkeit bei der BayKommun war ich mehrere Jahre als Berater eines kommunalen IT-Dienstleisters tätig. Dadurch kenne ich Abläufe, Strukturen und Entscheidungsprozesse sehr gut. Diese berufliche Erfahrung hat natürlich auch dabei geholfen, Zusammenhänge und Herausforderungen besser einzuordnen.

Welche Herausforderungen standen zu Beginn Ihrer Amtszeit im Vordergrund?
Zunächst ging es darum, sich einzuarbeiten und Projekte klar zu priorisieren. Als gelernter Betriebswirt habe ich mir zuerst die finanzielle Situation sehr genau angesehen.
Wie viele andere Kommunen auch müssen wir derzeit jeden Euro sorgfältig einsetzen. Die Herausforderung besteht darin, Pflichtaufgaben zu erfüllen, gleichzeitig Vereine und soziale Strukturen zu stärken und dennoch Entwicklungsperspektiven offen zu halten. Konsolidierung und Gestaltung müssen Hand in Hand gehen.

Auf welches Projekt oder welche Entscheidung Ihrer Amtszeit sind Sie besonders stolz?
Nach eineinhalb Jahren im Amt sind es weniger einzelne Leuchtturmprojekte, sondern vielmehr die Art der Zusammenarbeit in der Gemeinde, auf die ich stolz bin.
Wir haben begonnen, Themen strukturiert und langfristig anzugehen. Ganz aktuell zum Beispiel mit der Entwicklung eines klaren Maßnahmenplan zur Kanalsanierung über die nächsten zehn Jahre. Darüber hinaus gibt es natürlich auch Projekte, die für mich persönlich eine besondere Bedeutung haben.
Ein Herzensprojekt ist unser künftiges Gemeindewappen. Prebitz ist eine von nur vier Gemeinden in Bayern ohne eigenes Wappen. Wir haben uns intensiv mit der Geschichte und den gestalterischen Grundlagen auseinandergesetzt. Auf Basis der heraldischen Regeln habe ich das Wappen selbst entwickelt. Das war fachlich spannend und zugleich ein Stück Identitätsarbeit für unsere Gemeinde. Wir sind jetzt schon ziemlich weit und planen es in den nächsten Monaten offiziell einzuführen. Die Resonanz in der Bevölkerung ist bereits jetzt sehr positiv.
Ein weiteres zentrales Thema ist der Ausbau der erneuerbaren Energien in der Gemeinde. Bereits in meiner Zeit als zweiter Bürgermeister habe ich gemeinsam mit dem Gemeinderat Strategien für langfristige Planungen entwickelt. Heute produzieren wir bereits mehr als das Zehnfache unseres eigenen Stromverbrauchs, mit weiteren Projekten in Vorbereitung bzw. Umsetzung, die diese Menge nochmals deutlich steigern werden. Uns war dabei wichtig, dass nicht nur die Gemeinde profitiert, sondern dass auch die Gemeinschaft vor Ort daran teilhat. Wenn es gelingt, bei einem sensiblen Thema wie den erneuerbaren Energien alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen und tragfähige Lösungen zu entwickeln, dann ist das für mich nachhaltige Kommunalpolitik.

Welche Themen beschäftigen Sie aktuell?
Die Haushaltslage bleibt ein zentrales Thema. Solide Finanzen sind die Grundlage für alles Weitere. Zusätzlich belastet die steigende Kreisumlage unseren Haushalt erheblich. Diese Entwicklung schränkt unseren finanziellen Handlungsspielraum spürbar ein und zwingt uns dazu, noch genauer zu priorisieren.
Gleichzeitig stehen klassische Pflichtaufgaben, wie die langfristig angelegte Kanalsanierung, ganz oben auf unserer Agenda.
Ein weiteres wichtiges Projekt ist die Modernisierung und Sanierung unseres Kindergartens. Wir gehen hier bewusst einen unkonventionellen Weg: keine aufwendige Förderarchitektur mit externer Großplanung, sondern eine pragmatische Sanierung mit regionalen Unternehmen, wo immer möglich. Schritt für Schritt, wirtschaftlich vertretbar und mit gesundem Menschenverstand.
Zudem entwickeln wir unser Veranstaltungs- und Gemeindezentrum strategisch weiter. Das Gebäude war über Jahre hinweg stark defizitär. Bereits in meinem ersten Jahr ist es gelungen, die Zuschussbelastung zu halbieren. Jetzt geht es darum, Nutzungskonzepte weiterzuentwickeln, neue Veranstaltungsformate zu etablieren und die Attraktivität gezielt zu steigern. Wirtschaftlichkeit entsteht durch Auslastung und durch klare Strukturen.

Mit welchen Themen möchten oder müssen Sie sich künftig auseinandersetzen?
Konsolidierung bleibt eine Daueraufgabe. Laufende Kosten, die in finanziell besseren Zeiten entstanden sind, müssen regelmäßig überprüft werden. Aber bei all dem Sparen ist wichtig: Konsolidierung schafft auch wieder Spielräume für Investitionen.
Ein Thema mit dem wir uns auseinandersetzen wollen ist unser gemeindliches Marketing und der Tourismus. Kleine Gemeinden sollten sich nicht klein machen. Wir haben bei uns eine herrliche Landschaft, starke Dorfgemeinschaften und eine hohe Lebensqualität. Gerade in einer Zeit, in der vieles schnell und überladen wirkt, dürfen wir selbstbewusst zeigen, dass es Orte gibt, an denen die Dinge etwas ruhiger und bodenständiger sind. Das müssen keine Millionenprojekte sein. Oft reicht es, kleine Oasen zu schaffen sowie vorhandene Stärken klar zu benennen und professionell zu präsentieren.

Wie beziehen Sie Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft in Ihre Arbeit und Entscheidungsprozesse ein?
Transparenz ist für mich entscheidend. Sowohl bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung, im Gemeinderat oder den Bürgern. Wir informieren über verschiedene Kanäle, klassisch und digital. Bei Themen, die Bürger direkt betreffen oder finanziell belasten, setzen wir bewusst auf Bürgerversammlungen und einen offenen Austausch. Zusätzlich biete ich regelmäßige Bürgersprechstunden an. Ich habe von Anfang an gesagt: Ich bin immer erreichbar. Das hat manchmal auch Telefonate spät Nachts oder in aller „Herrgott‘s“ Früh zur Folge aber Offenheit schafft auch Vertrauen und Akzeptanz für Entscheidungen. So wird es mir zumindest wieder gespiegelt.

Welchen Einfluss wird die Digitalisierung auf die künftige Kommunalpolitik haben?
Digitalisierung ist keine Zusatzaufgabe, sondern wird eine Grundvoraussetzung für handlungsfähige Kommunen sein. Der Fachkräftemangel trifft vor allem unsere Verwaltungen, das sehen wir bereits heute ganz massiv. Digital gut abgebildete Prozesse können helfen, Ressourcen effizient einzusetzen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spürbar zu entlasten. Gleichzeitig erwarten Bürgerinnen und Bürger, Verwaltungsleistungen online und medienbruchfrei nutzen zu können. Genau so wie sie es in nahezu allen anderen Lebensbereichen längst gewohnt sind. Hier haben wir noch Hausaufgaben zu erledigen. Aber wir kommen nicht darum herum. Für mich ist digitale Verwaltung ein Teil der kommunalen Grundversorgung. Wer Digitalisierung nicht strategisch und langfristig angeht, wird die Folgen unmittelbar spüren. In ineffizienten Abläufen, wachsender Unzufriedenheit und einem spürbaren Rückstand bei Servicequalität und Bürgernähe.

Welchen Rat geben Sie jungen Kolleginnen und Kollegen?
Man muss sich trauen. Natürlich braucht es Erfahrung und Augenmaß. Aber neue Wege entstehen nicht dadurch, dass man sagt: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Wer Verantwortung übernimmt, sollte bereit sein, Dinge auszuprobieren und sich auch einmal aus der eigenen Komfortzone zu bewegen.
Am Ende bewegt nur der etwas, der ins Handeln kommt.

Redaktion

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