Wo Dankbarkeit auf die Straße geht

GZ Ausgabe GZ-19-2025 vom 9. Oktober '25 | Pino
von Pino – The First-Cat
Bild der Kolumne "Pino"

Ich gebe zu, dass ich die heutige Kolumne trotz bescheidenen Wetters in bester Laune verfasse. Gerade bin ich vom Fensterbrett des Amtszimmers des Bürgermeisters gesprungen, wo ich es mir so richtig gemütlich gemacht habe und mich von der Leistungsfähigkeit des städtischen Fernwärmenetzes überzeugen ließ.

Dabei habe ich den traditionellen Vorbeizug zum Erntedank-Gottesdienst beobachtet. Gefühlt keiner hat sich von der Kälte und dem ab und zu einsetzenden Nieselregen von der Teilnahme abbringen lassen. Vorneweg der Bürgermeister und die hohe Geistlichkeit, die Stadträtinnen und Stadträte überparteilich vereint. Dann die einzelnen Vereine – vorneweg die Musikkapelle, dann die Fahnenabordnung, dann das Fußvolk, teils in wunderschönen Trachten. Jede Musikkapelle hat ein anderes Stück einstudiert, das mit schwankender Virtuosität zum Besten gegeben wurde. Die Länge des Zuges vollbringt das Wunder, dass es nicht dissonant klingt, sondern eines nach dem anderen in das Ohr der Zuschauer dringt. Die Freiwillige Feuerwehr ist ebenso dabei wie eine Abordnung des THW.

Der absolute Höhepunkt ist aber natürlich die Erntekrone, sorgfältig und hingebungsvoll gebunden, von gleich vier Rössern gezogen. Dass es überhaupt noch Zugtiere in unserer Gegend gibt? Weitere Wagen mit Feldfrüchten und Produkten, die im Laufe des Gottesdienstes gesegnet werden sollen, wurden dann etwas realitätsnäher mit Traktoren Richtung Kirche verbracht. Den Abschluss bildeten Zuschauerinnen und Zuschauer, darunter viele Kinder, die sich spontan dem Zug anschlossen und ihn lebendig machten, wo er streckenweise vielleicht etwas zu sehr nach Erhalt von Volksbräuchen gewirkt hat.

Dieses Brauchtum jedenfalls ist bei uns quicklebendig und es ist einfach schön zu sehen, dass es so viele Menschen gibt, die sich noch des Wertes bewusst sind, die Nahrungsmittel haben. Gott dafür zu danken, dass er den Menschen wieder eine Ernte geschenkt hat und damit eine ihrer Lebensgrundlagen sichert, bedeutet zu wissen, dass es nicht selbstverständlich ist, jeden Tag auf das reiche Angebot an Lebensmitteln zugreifen zu können, wie wir es gewohnt sind.

Der Brauch des Erntedankfestes richtet mindestens einmal im Jahr den Blick auch der Städter auf den Berufsstand, der es ermöglicht, dass wir all das, was auf den Erntewagen präsentiert wird, auch täglich genießen können. Denn das, was wir wahlweise als Proteinlieferanten, Vitaminversorger, Spurenelementspender oder Dickmacher täglich zu uns nehmen, wird in Bayern jedenfalls noch zum größten Teil in Betrieben der bäuerlichen Landwirtschaft erzeugt. Dabei ist es doch seltsam: Einer der wichtigsten Berufsstände in unserem Land ist nur ganz selten wirklich im Fokus der Öffentlichkeit. Gut, wenn die Bauern für ihre berechtigten Anliegen mobil machen und die Straßen mit Traktoren blockieren, dann regen sich alle auf. Wenn es aber mal darum geht, die Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen der bäuerlichen Landwirtschaft in den Blick zu nehmen, werden diese als Randthemen wahrgenommen.

Oder gleich wieder zum Anlass für Polemik genommen. Eigentlich sind sich doch alle einig, dass unsere Wirtschaft insgesamt an hohen Energiekosten leidet, die die Erzeugung verteuern und die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere des Mittelstandes beeinträchtigen. Deshalb werden Maßnahmen, die die Energiekosten senken allseits begrüßt, sei dies die Senkung der Stromsteuer für energieintensive Produktionsbetriebe, die Senkung der Netzentgelte oder der Wegfall der Gasspeicherumlage. Alles Beiträge zur Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Nur die Rücknahme der Verschlechterungen bei der Rückvergütung der Mineralölsteuer für Diesel in landwirtschaftlichen Betrieben wird als Sündenfall gegen die Konsolidierungsbemühungen im Staatshaushalt und als üble Klientelpolitik gegeißelt.

Dabei folgte die Politik bei der Fehlerkorrektur in Sachen Agrardiesel doch nur der Maxime Gottfried Kellers: „Der Staatsmann wie der Bauer muss jeden Morgen die Erfahrungen von gestern sammeln, das Verbrauchte umwenden und erneuern“.

Ihr Pino

Pino

Pino – "The First-Cat" – Pechschwarz, wunderschön und charakterstark!

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