Pino und der Sommer, der keiner war
von Pino – The First-Cat

Er ist bald vorbei, der heißeste und belastendste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Also jedenfalls wenn man die Prognosen der Klimabewegten von Anfang des Jahres nachliest. Aber es wird sich sicherlich in Potsdam oder einer anderen Hauptstadt der linken Rechtgläubigkeit ein Forschungsinstitut finden, das sowohl den vielen Regen der letzten Monate zur Auswirkung des menschengemachten Klimawandels erklärt, als auch die Tatsache, dass es immer dann in Strömen goss, wenn ich mal vor der Tür strawanzen wollte.
Solchermaßen an die Wohnung gefesselt habe ich mich meiner Lektüre hingegeben. Anders als deutsche Studenten, von denen laut einer Allensbach-Studie nur noch 17 Prozent jeden Tag zu einem Buch greifen, lese ich alles Gedruckte mit Begeisterung. Lesen bildet ja nicht nur (von dieser Stelle ein Gruß an die deutschen Hochschulen), sondern mit etwas Lektüreglück erhält man wieder eine optimistische Sicht auf die Dinge.
So habe ich von einer Studie gelesen, wonach die Emissionen von Umweltschadstoffen bei der Warenproduktion, aber auch beim Heizen und anderen Arten des Energieverbrauchs gemessen am Wirtschaftswachstum einer Gesellschaft kontinuierlich ansteigen, bis sie zu einem „Kipppunkt“ kommen. Ab einem durch Wirtschaftswachstum erreichten Optimierungsgrad des Wohlstands gehen die Emissionen bei weiter wachsendem Pro-Kopf-Einkommen in relativ gleichem Maße zurück, wie sie vorher gestiegen sind. Erklärt wird dies damit, dass der Sinn für Ressourcenschonung und allgemein das Umweltbewusstsein in dem Maße wächst, in dem die Einzelnen und/oder ganze Gesellschaften ihre Grundbedürfnisse sicher durch die Wirtschaftskraft gedeckt sehen. Platt gesagt: Wer sich keine Sorgen ums tägliche Überleben machen muss, kann sich Gedanken über Umweltfaktoren wie saubere Luft, sauberes Wasser oder ausreichende Waldflächen machen.
In westlichen Staaten jedenfalls wurde der Höhepunkt der Landnutzung in den 1970er Jahren erreicht. Seither ist die Ackerfläche um ein Sechstel kleiner geworden, nur zwei Prozent der Landfläche wird für Siedlungen und Verkehrswege benötigt und es gibt heute mehr Bäume als vor 100 Jahren. Positiv: Auch in Indien, China und Vietnam, deren Wohlstand seit Jahren wächst, wachsen auch die Waldflächen wieder. Entwaldung und Raubbau gibt es aber leider immer noch in Afrika und Teilen Lateinamerikas, die auch Wachstumsschlusslichter sind.
Noch eine interessante Erkenntnis: Drei Millionen Menschen sterben pro Jahr an den Folgen schlechter Innenraumluft, weil in ihren Haushalten z. B. mit Holz, getrockneten Ernteabfällen, getrocknetem Dung oder Kohle auf offenen Feuerstellen gekocht oder geheizt wird. Für 1990 hat man die Zahl der Toten aus diesen Gründen auf noch fünf Millionen geschätzt. Die Ursache dieses Rückgangs? Fortschritt! Auch hier gilt, dass je wohlhabender und aufgeklärter eine Gesellschaft wird, je stärker wird andererseits das Verlangen nach Komfort und Sozialprestige durch den Ersatz der Feuerstelle durch einen Ofen oder durch den Zugang zu saubereren Energiequellen. Aber laut einer UN-Organisation hat in Ländern mit einer Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung von unter 2.000 US-Dollar nur jeder zehnte Haushalt Zugang zu sauberer Energie.
Welchen Schluss ich aus diesen Lesefrüchten ziehe? Erstens, dass wir bei uns Wirtschaftswachstum nicht nur zur Stabilisierung unserer Sozialsysteme brauchen, sondern auch um unsere natürlichen Lebensgrundlagen weiter zu schützen. Wer Deindustrialisierung oder Nullwachstum für die Umwelt fordert, ist auf dem Holzweg. Zweitens: Wenn wir den Klimawandel ernsthaft bekämpfen wollen, müssen wir nicht nur bei uns, sondern global ansetzen. Wenn wir für jeden Euro, den wir etwa in die E-Auto- oder Wärmepumpenförderung geben, zusätzlich fünfzig Cent z.B. für einen Solarkoffer zur dezentralen Stromerzeugung mit Sonne drauflegen würden (den bayerische Berufsschulen schon länger in Afrika testen), könnte in sonnenreichen Ländern mehr mit Strom gekocht und die Räume beleuchtet werden – zum Wohle der Menschen und des Klimas.
Deshalb sollten wir auch über einen Satz des Philosophen Baruch de Spinoza nachdenken: „Solange ich mir einbilde, etwas nicht tun zu können, solange ist es mir unmöglich, es zu tun.“
Ihr Pino