Ein leiser Hoffnungsschimmer

GZ Ausgabe GZ-24-2025 vom 18. Dezember '25 | Pino
von Pino – The First-Cat
Bild der Kolumne "Pino"

Sind Sie auch wie ich in der Flut der täglichen Nachrichtenmeldungen auf der verzweifelten Suche nach der guten Nachricht, die zwischen Krieg, Umweltkatstrophen, Wirtschaftsdepression und politischer Radikalisierung den Hoffnungsschimmer aufleuchten lässt, den wir uns in der Zeit der Erwartung, dem Advent, so herzlich herbeisehnen?

Tatsächlich bin ich auf eine gestoßen. Es geht um den See Genezareth, Schauplatz und Kulisse vieler auf uns als Gewissheit gekommener Episoden aus dem Leben des Mannes, dessen Geburt wir in ein paar Tagen feiern. Wahrscheinlich hätte Jesus das Gewässer, auf dem er einst wandelte, überhaupt nicht wiedererkannt. Ein breiter toter Streifen aus krümeligem Sand und Kies prägt die früher schilfbestandenen Ufer. Keine Welle kräuselt sich auf den einst größten See des Heiligen Landes, der auch der tiefstgelegene Süßwassersee der Erde ist. Das Ufer zieht sich zurück, Inseln ragen empor, deren Oberflächen bis vor wenigen Jahren noch von tiefem Wasser bedeckt waren. Der Pegel sinkt, weil die Zuflüsse immer spärlicher werden – zu wenig Regen und zu viel Wasserentnahme durch durstige Menschen und durstiges Vieh an den Zu- und Abläufen.

Wassermangel und sinkende Pegel sind in der trockenen Gegend des Nahen Ostens keine isolierten Phänomene. Auch das ikonische Tote Meer leidet unter Wasserverlusten, an anderen Stellen des ehemals fruchtbaren Halbmonds wird sogar das Risiko gesehen, dass sich kriegerische Auseinandersetzungen um Wasserrechte und Staudammprojekte entspinnen könnten. Wasser statt Land als Kriegsgrund.

Dem See Genezareth wird allerdings geholfen. Israel hat ein Projekt „Reverse Carrier“ gestartet, das eine jahrzehntelange Entwicklung umkehrt: Statt wie früher das Wasser des Sees in den trockenen Süden des Landes zu pumpen, wird jetzt Wasser aus ultramodernen Meerwasserentsalzungsanlagen vom Mittelmeer nach Galiläa geleitet.

Damit wird nicht nur eine ökologisch höchst bedenkliche Entwicklung umgekehrt, nämlich die Austrocknung großer Süßwasserseen, die auch in anderen Weltgegenden zu verzeichnen ist. Israel sichert sich gleichzeitig langfristig ein riesiges Trinkwasserreservoir. Denn Prognosen gehen von weiter zurückgehenden Niederschlägen im Norden des Landes aus, was die natürlichen Zuflüsse zum See Genezareth weiter schwächt.

Die Nutzung von Meerwasser als Trinkwasser nach der Entsalzung in modernen Anlagen ist übrigens ein verbindendes Element aller Staaten auf der arabischen Halbinsel. Israel verwandelt die Wüste in Gärten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate lassen ihre Städte erblühen, die in ansonsten wasserlosen Gegenden gebaut wurden.

Wäre das nicht eine tolle Weihnachtsvision: Araber und Israeli vergessen ihre Konflikte, einigen sich auf ein „Leben und Leben lassen“ und entwickeln die Entsalzungs- und Transporttechnik so weiter, dass noch mehr trocknende oder vertrocknende Landstriche zum Leben erweckt werden können. Schwerter zu Wasserpumpen sozusagen. Die Phantasie geht mit einem durch: Die besten Ingenieure Russlands und Irans, die jetzt daran arbeiten, Kinder und Alte im Schlaf durch Raketen und Drohen zu töten, bringen ihre Brillanz ein, dem Aralsee Wasser zukommen zu lassen – um ihn wieder herzustellen und damit eine große Umweltkatastrophe in Mittelasien zu heilen.

Aber Wunder sind, glaube ich, von der Welt verschwunden und auch die Menschen guten Willens sind mittlerweile rar gesät. Wir alle können uns aber den Leitspruch Theodor Heuss‘ zu eigen machen: „Jeder Tag in unserem Leben sollte ein Weihnachtstag sein, wo wir Frieden und Freude empfangen und austeilen.“

Verehrte Leserin, geneigter Leser,

das Jahr neigt sich dem Ende zu und im nächsten Jahr warten auf viele von Ihnen anstrengende Tage im Kommunalwahlkampf. Ich hoffe, Sie können die festlichen Tage, an denen wir der Ankunft des Herrn auf der Erde gedenken, nutzen, um Kraft und Gelassenheit zu tanken. Denn nicht das Amt macht den Menschen, sondern wie er im Geiste Christi lebt und wirkt.

Gesegnete Weihnachten für Sie und ein friedliches, hoffnungsvolles Neues Jahr!

Ihr Pino

Pino

Pino – "The First-Cat" – Pechschwarz, wunderschön und charakterstark!

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