Kommunalwahlen und Stichwahlen in ganz Bayern: Historische Amtswechsel

GZ Ausgabe GZ-7-2026 vom 26. März 2026 | Wahlergebnisse Bayern
von Doris Kirchner
Kommunalwahl Bayern

Am 8. März 2026 wurden in sämtlichen 25 kreisfreien Städten und in allen 71 Landkreisen des Freistaats Bayern die Stadträte bzw. Kreistage neu gewählt. Von den rund 10,15 Millionen Stimmberechtigten haben 63,4 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Die Wahlbeteiligung lag damit um 4,8 Prozentpunkte über dem Wert von 2020.

Landesweit erhielt die CSU 32,5 Prozent der Stimmen, die Grünen 13,6 Prozent, die SPD 12,3 Prozent, die AfD 12,2 Prozent, und die Freien Wähler 12,1 Prozent (jeweils einschließlich etwaiger gemeinsamer Wahlvorschläge). Die verschiedenen Wählergruppen und übrigen gemeinsamen Wahlvorschläge und übrigen Parteien konnten insgesamt 17,3 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen.

Zahlreiche Stichwahlen

Am 22. März 2026 wurden in 17 kreisfreien Städten, 29 Landkreisen und 243 kreisangehörigen Gemeinden Stichwahlen zur Wahl der Oberbürgermeister, der Landräte und der ersten Bürgermeister durchgeführt. Laut Bayerischem Landesamt für Statistik gewann die CSU in den kreisfreien Städten und in den Landkreisen 16 Stichwahlen, die Freien Wähler 19, die SPD 7, und die Grünen 2. Hinzu kamen zwei siegreiche Wählergruppen (jeweils einschließlich gemeinsamer Wahlvorschläge).

Kommunalwahlen sind Persönlichkeitswahlen

Bei einer allgemein geringeren Wahlbeteiligung als im ersten Durchgang gab es zahlreiche überraschende Ergebnisse.

In einer ersten Stellungnahme sprach Ministerpräsident Dr. Markus Söder von einem „durchwachsenen Wahlergebnis für die CSU bei den Stichwahlen“. Trotzdem stehe fest: „Ohne die CSU geht nichts. Wir stellen rund 1.000 Bürgermeister, sind die Nummer 1 bei allen Kreistagswahlen und es gab einige Höhepunkte. In Nürnberg, Erlangen, Aschaffenburg, Hof, Landshut oder Weiden konnten wir schöne Erfolge feiern. Aber manches Ergebnis schmerzt, gerade bei den Landräten. Das müssen und werden wir sehr ernst nehmen. Die Analyse ist klar: Durch die AfD gab es mehr Stichwahlen und die AfD-Wähler wählen in der Stichwahl tendenziell nicht die CSU. Klar ist: Kommunalwahlen sind Personenwahlen. Das gilt für Stichwahlen ganz besonders. Es gibt keinen Amtsbonus mehr, sondern eher eine Anti-Establishment-Stimmung. Viele Amtsinhaber haben darunter gelitten. Jeder Fehler wird heute härter bestraft als früher. Wir werden nun alle Ergebnisse aufarbeiten.“

Freie Wähler legen zu

„Die Freien Wähler Bayern gehen deutlich gestärkt aus der Kommunalwahl 2026 hervor und bauen ihre kommunale Verankerung weiter konsequent aus“, konstatierte Landesvorsitzender und stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger. Besonders deutlich zeige sich der Erfolg bei den Landratswahlen: So stellten die FW künftig 28 statt aktuell 14 von insgesamt 71 Landräten im Freistaat.

Ergebnisse der großen Städte

Für eine Zäsur sorgten die Wählerinnen und Wähler in der Landeshauptstadt München: Nach 42 Jahren muss die SPD in München den Chefsessel im Rathaus räumen. Dominik Krause (Grüne) gewann mit 56,4 Prozent die Stichwahl gegen Amtsinhaber Dieter Reiter (43,6 Prozent). In Nürnberg dagegen verteidigte Marcus König von der CSU seinen Posten mit 55,5 Prozent gegen seinen SPD-Kontrahenten Dr. Nasser Ahmed, der auf 44,5 Prozent kam.

Eine herbe Niederlage (43,3 Prozent) kassierte Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) gegen den SPD-Kandidaten Florian Freund (56,6 Prozent). Auch in Regensburg siegte ein Sozialdemokrat: Dr. Thomas Burger gewann mit 53,2 Prozent gegen Dr. Astrid Freudenstein von der CSU (46,8 Prozent).

Siege für die CSU gab es unter anderem in Landshut (Dr. Thomas Haslinger, 52,5 Prozent / Christoph Rabl, Grüne, 47,5 Prozent), Ansbach (Thomas Deffner, 60,6 Prozent / Hans-Jürgen Eff, Die Ansbacher, 39,4 Prozent), Weiden in der Oberpfalz (Dr.Benjamin Zeitler, 65,7 Prozent / Jens Meyer, SPD, 34,3 Prozent), Erlangen (Jörg Volleth, 51,4 Prozent / Dr. Florian Janik, SPD, 48,6 Prozent), Aschaffenburg (Markus Schlemmer, 56,3 Prozent / Jürgen Herzing, SPD, 43,7 Prozent) sowie in Hof (Stefan Schmalfuß, 60,1 Prozent / Eva Döhla, SPD, 39,9 Prozent).

Zum ersten Mal SPD-regiert ist die Stadt Rosenheim: Erdogan Abuzar behielt mit 53,4 Prozent die Oberhand gegen Andreas März (CSU, 46,6 Prozent). In Bamberg siegte Sebastian Niedermaier (SPD, 56,7 Prozent) gegen Jonas Glüsenkamp (Grüne, 43,3 Prozent). In Schwandorf gewann Andreas Feller (BLS, 65,8 Prozent) gegen Andreas Wopperer (CSU, 34,2 Prozent) und in Passau lag Andreas Rother (SPD) mit 65,6 Prozent der Stimmen vor Armin Dickl (CSU, 34,4 Prozent).

In Amberg musste sich Stefan Ott (CSU, 43,7 Prozent) gegen Michael Fritz (FW, 56,3 Prozent) geschlagen geben, ebenso in Bayreuth CSU-Amtsinhaber Thomas Ebersberger (37,2 Prozent) gegen Dr. Andreas Zippel (SPD, 62,8 Prozent). Auch in Schweinfurt regiert mit Ralf Hofmann (67,7 Prozent) künftig ein Sozialdemokrat. Oliver Schulte (CSU) erzielte 32,3 Prozent.

Karmasin siegt deutlich

Spannend verliefen auch etliche Landratswahlen: Im Landkreis Fürstenfeldbruck forderte die grüne Kandidatin Ronja von Wurmb-Seibel den langjährigen CSU-Landrat und Landkreistagspräsidenten Thomas Karmasin in der Stichwahl heraus: Karmasin, seit mittlerweile 30 Jahren im Amt, siegte schließlich mit 56,5 Prozent der Stimmen.

Auch Münchens Landkreischef Christoph Göbel (CSU) verteidigte sein Amt und setzte sich deutlich mit 63,2 Prozent gegen Marion Seitz (Grüne, 36,8 Prozent) durch. Gleiches gilt für Dachaus Landrat Stefan Löwl (CSU), der mit 58,8 Prozent gegen seinen Kontrahenten Alexander Heisler (Grüne) vorne lag. Susanne Hoyer von der CSU wird dagegen neue Landrätin in Freising: Mit 54,4 Prozent ließ sie Amtsinhaber Helmut Petz (Freie Wähler, 45,6 Prozent) deutlich hinter sich.

Eine grüne Landrätin

Bayerns einzige grüne Landrätin regiert künftig im Landkreis Landsberg am Lech: Die Grünen-Politikerin Daniela Groß setzte sich mit 61,5 Prozent gegen Amtsinhaber Thomas Eichinger (38,5 Prozent) durch. Der CSU-Politiker war zwölf Jahre im Amt.

Der Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm wird auch künftig von Albert Gürtner (FW, 53,7 Prozent) regiert. Andreas Aichele (CSU/JFL/JU) kam auf 46,3 Prozent. Zudem verteidigte Otto Lederer (CSU) in Rosenheim den Landratsposten: Er gewann mit 53,4 Prozent gegen Sepp Hofer (46,6 Prozent) von den Freien Wählern. In Miesbach machte Jens Zangenfeind (FWG, 78,0 Prozent) das Rennen und verwies Franz Schnitzenbaumer (CSU/JU Bayern, 22,0 Prozent) auf Platz 2. Ludwig Schmid (FW, 60,9 Prozent) heißt der Sieger in Bad Tölz-Wolfratshausen. Thomas Holz (CSU) kam auf 39,1 Prozent. In Weilheim-Schongau wird Dr. Johann Bertl (CSU, 65,4 Prozent) neuer Landrat. Falk Sluyterman van Langeweyde (SPD) vereinte 34,6 Prozent der Stimmen auf sich. Im Berchtesgadener Land setzte sich Michael Koller FW/FW BGL) mit 64,6 Prozent gegen Franz Rasp (CSU, 35,4 Prozent) durch.

Michael Dinkelmeier (FW) wird mit 62,3 Prozent der Stimmen Nachfolger des langjährigen Landrats Stefan Rößle (CSU), der nicht mehr zur Wahl antrat. Claudia Marb (CSU, AL/JB) vereinte 37,7 Prozent der Stimmen auf sich. Sowohl im Ostallgäu (Bernd Stapfner, 52,4 Prozent) als auch im Oberallgäu (Christian Wilhelm, 66,3 Prozent) lagen FW-Kandidaten vorn. Sie siegten gegen Andreas Bauer (CSU, 47,6 Prozent) bzw. Thomas Eigstler (CSU, 33,7 Prozent).

Alfred Holzner (FW, 55,8 Prozent) heißt der neue Landshuter Landrat. Claudia Geilersdorfer (CSU) erzielte 44,2 Prozent der Stimmen. In Kelheim verlor der langjährige CSU-Landkreischef Martin Neumeyer (33,4 Prozent) seinen Posten. Nachfolger wird Christian Nerb (FW, 66,6 Prozent). Tobias Beck (FW) setzte sich im Kreis Straubing-Bogen mit 58,4 Prozent gegen Ewald Seifert (CSU, 41,6 Prozent) durch. Dagegen verlor CSU-Amtsinhaber Michael Fahmüller im Kreis Rottal-Inn mit 21,0 Prozent deutlich gegen seinen Rivalen Martin Kopp-mann (FW, 79,0 Prozent). Knapp ging es in Neumarkt i.d. OPf. zu: Martin Meier (FW) behielt mit 50,2 Prozent die Oberhand gegen Dr. Katharina Ziegler (CSU, 49,8 Prozent). In Tirschenreuth löst Hubert Schicker (FW, 51,2 Prozent) Roland Grillmeier (CSU, 48,8 Prozent) ab.

Mit einem hauchdünnen Vorsprung von 22 Stimmen siegte im Kreis Aichach-Friedberg Christoph Vogel (FW) gegen Sabine Sitter (CSU). In Eichstätt gewann Alexander Anetsberger (CSU, 62,4 Prozent) gegen Anton Haunsberger (FW, 37,6 Prozent). In Ansbach wird Marco Meier (FW, 78,4 Prozent) neuer Landkreischef. Er siegte deutlich gegen Dr. Jürgen Ludwig (CSU, 21,6 Prozent). In Erlangen-Höchstadt verlor Karsten Fischkal (FW, 32,2 Prozent) gegen Alexander Tritthart (CSU, 67,8 Prozent). Auch im Landkreis Würzburg setzte sich die CSU mit Thomas Eberth (57,8 Prozent) auf Rang 1 und ließ Sven Winzenhörlein (Grüne, 42,2 Prozent) keine Chance.

Doris Kirchner

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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