Zu Gast bei Michael Hobmaier, Erster Bürgermeister der Gemeinde Hörgertshausen

GZ Ausgabe GZ-13-2025 vom 3. Juli '25 | GZ zu Gast bei...
von Constanze von Hassel
Porträt
Michael Hobmaier, Erster Bürgermeister der Gemeinde Hörgertshausen.

Welche Kommune und wie viele Einwohner vertreten Sie?
Ich bin Erster Bürgermeister der Gemeinde Hörgertshausen, im nördlichen Landkreis Freising gelegen. Wir sind mit rund 2.000 Einwohnern die drittkleinste Gemeinde des Landkreises. Unsere Verwaltung erfolgt im Rahmen der Verwaltungsgemeinschaft Mauern. Wir gehören noch zum traditionsreichen Hopfenanbaugebiet der Hallertau. Oder wie man bei uns auf Boarisch sagt: „Mia san de Holledauer vo da Sunnaseit’n!“

Wann haben Sie Ihr Amt angetreten und sind Sie hauptamtlich oder ehrenamtlich tätig?
Ich wurde 2014 zum Ersten Bürgermeister gewählt – mit einer Mehrheit von 60 Prozent gegen den damaligen Zweiten Bürgermeister. Es war die erste echte Wahl mit zwei Kandidaten seit über 40 Jahren. Das Amt wird in Hörgertshausen ehrenamtlich ausgeübt, der Arbeitsaufwand ist aber definitiv hauptamtlich.

Welchem Beruf sind Sie vor Amtsantritt nachgegangen bzw. üben Sie diesen nach wie vor aus?
Ich bin von Beruf Schreinermeister und habe über 20 Jahre eine eigene Schreinerei geführt. Nach meiner Wahl habe ich ein Jahr lang versucht, Betrieb und Amt zu verbinden – das war aber schlicht nicht zu schaffen. Ich habe mich dann entschlossen, den Handwerksbetrieb aufzugeben und mich voll auf das Bürgermeisteramt zu konzentrieren.

Was war Ihr persönlicher Anreiz in die Kommunalpolitik zu gehen?
Ich bin seit 1990 kommunalpolitisch aktiv – zunächst als Gemeinderat, dann als Mitglied im Wasserzweckverband. 24 Jahre lang habe ich unter zwei verschiedenen Bürgermeistern mitgearbeitet. Mein Antrieb war immer, Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger zu übernehmen. Als Bürgermeister kann man gestalten, Weichen stellen und Entwicklungen voranbringen – gemeinsam mit dem Gemeinderat.

Wie haben Sie sich vorbereitet?
Die langjährige Erfahrung im Gemeinderat und eine gute Zusammenarbeit mit meinem Vorgänger haben mir Sicherheit gegeben. Auch meine Zeit als selbstständiger Unternehmer hat mich geprägt. Ich habe zahlreiche Fortbildungen besucht, etwa beim Bayerischen Gemeindetag oder an der Schule für Dorf- und Landesentwicklung Thierhaupten. Es ist wichtig, solche Angebote auch anzunehmen.

Wo lagen bei Ihrem Amtsantritt die Herausforderungen?
Eines der zentralen Themen war – und ist – das Kinderhaus, das viele Anforderungen mit sich bringt. Als erster Bürgermeister ohne landwirtschaftlichen Hintergrund hatte ich einen anderen Blick auf viele Themen. Wichtige Projekte waren der Erwerb von Grundstücken, das Schaffen von Bauplätzen und die Erweiterung des Gewerbegebiets.

Welche Themen beschäftigen Sie momentan?
Ganz oben steht der gesetzlich geforderte Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Schule ab 2026 – an 48 Wochen im Jahr. Eine riesige Herausforderung für kleine Gemeinden.
Ein weiteres großes Thema ist die Wasserversorgung. Als Vorsitzender des Wasserzweckverbands Hörgertshausen kümmere ich mich auch um die Verlängerung der Wasserrechte und viele technische wie organisatorische Aufgaben rund ums Wasser – das ist auch bei uns ein sensibles und arbeitsintensives Feld.

Womit werden Sie sich noch auseinandersetzen müssen/wollen?
Die Entwicklung der Dorfmitte, aber auch der funktionierende Betrieb aller Einrichtungen: Kinderhaus, Schule, Feuerwehren, Kläranlage und Bauhof. Diese Infrastruktur muss gepflegt, modernisiert und dauerhaft leistungsfähig gehalten werden – das ist tägliche Arbeit, die oft wenig sichtbar, aber unverzichtbar ist.

Haben Sie einen wichtigen Ratschlag für junge Kolleginnen und Kollegen?
Man muss konsequent und gradlinig bleiben – auch wenn es unbequem wird. Nicht jeder, der am lautesten schreit, hat recht. Ich habe auch schon Morddrohungen und Polizeischutz erlebt – aber ich habe mich nicht einschüchtern lassen. Das ist wichtig: Mut, Haltung und Standfestigkeit gehören zu diesem Amt.

Wie beziehen Sie Kolleginnen und Kollegen, Bürgerinnen und Bürger, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ihre Arbeit und in Ihre Entscheidungsfindung ein?
Ich bin direkt in der Ansprache und habe diesen Stil nie verloren. Mein Grundsatz: Wenn’s was gibt, muss man miteinander reden – offen und ehrlich. Der Gemeinderat ist ein wichtiges Gremium, um Entscheidungen abzustimmen und die Bürgerbeteiligung sicherzustellen.

Wieviel Einfluss wird die Digitalisierung auf die künftige Kommunalpolitik haben?
Einen sehr großen. Klassische Medien wie Zeitungen verlieren an Bedeutung – viele Menschen, vor allem Jüngere, informieren sich heute über Apps, Instagram oder Facebook. Auch bei den Vereinen läuft fast alles digital. Das verändert unsere Kommunikationskultur und stellt Gemeinden vor neue Herausforderungen.

Gibt es ein Lebensmotto, das Sie begleitet?
Ja: „Nicht ärgern, nur wundern – und Wunder geschehen jeden Tag.“

Wie wollen Sie in Erinnerung bleiben?
Ob man gut oder schlecht in Erinnerung bleibt, entscheiden die Nachfolger. Ich hoffe, dass man mir positive Spuren zuschreibt – etwa die Erweiterung des Sportgeländes, die Kommunalisierung des Kinderhauses, den Schulanbau (nach meinem eigenen Plan gezeichnet), die Sanierung der Turnhalle und die Umstrukturierung des Wasserzweckverbands. Das sind bleibende Projekte. Ob sie reichen, wird die Zeit zeigen.

Constanze von Hassel

Constanze von Hassel, Chefredakteurin

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