Gigabitversorgung in Bayern: Flächendeckung bleibt Gemeinschaftsaufgabe
von Constanze von Hassel

Interview mit Finanz- und Heimatminister Albert Füracker zur Gigabitstrategie des Freistaats: Der Minister erläutert Fortschritte beim Glasfaserausbau, Fördermechanismen zwischen Bund, Land und Kommunen und betont, dass Bayern ohne kommunales Engagement keine flächendeckende Versorgung erreichen kann.
Über 73 Prozent der bayerischen Haushalte sind bereits gigabitfähig versorgt – doch bis zur flächendeckenden Glasfaserinfrastruktur ist es noch ein weiter Weg. Im Interview erläutert Staatsminister Albert Füracker, warum der Freistaat Bayern trotz der Bundeszuständigkeit beim Breitbandausbau massiv mit eigenen Mitteln fördert, welche Rolle die Kommunen dabei spielen und wie das Zusammenspiel von Markt, Förderung und kommunalem Engagement funktioniert. Außerdem erklärt der Minister, weshalb gerade ländliche Räume von hohen Fördersätzen profitieren, welche Bedeutung das Siegel „GigabitRegionBayern“ hat und wie Kommunen ihre Chancen auf Bundesmittel verbessern können.
GZ: Die Versorgung mit schnellem Internet schreitet voran. Wie viele Haushalte in Bayern sind mittlerweile gigabitfähig versorgt? Welche Unterschiede gibt es unter den Regierungsbezirken und zwischen Stadt und Land?
Albert Füracker: Derzeit sind 4,75 Mio. Haushalte in Bayern gigabitfähig versorgt, das sind über 73 Prozent. Für weitere 585.000 Haushalte läuft der Ausbau gerade auf Hochtouren. Dabei konzentriert sich der eigenwirtschaftliche Ausbau der Provider überwiegend auf die gewinnbringend auszubauenden städtischen Gebiete. Die Förderung muss besonders in den ländlichen Räumen ergänzen. Auch wenn gewisse Unterschiede zwischen den Bezirken bestehen – Oberbayern und Mittelfranken sind wegen ihrer Ballungsräume überdurchschnittlich versorgt – haben wir selbstverständlich den Ausbau in ganz Bayern im Blick. Einen ausführlichen Überblick gibt der kürzlich veröffentlichte Gigabitbericht 2025 (https://www.schnelles-internet.bayern.de/gigabitbericht). (Anm. der Red.: Siehe auch GZ 18/2025, https://t1p.de/u1kuw.)
GZ: Wieso fördert der Freistaat Bayern den Gigabit-Ausbau? Wie viele Kommunen haben bislang von der Bayerischen Gigabitrichtlinie profitiert?
Füracker: Eigentlich ist der Bund gemäß Grundgesetz für Telekommunikation zuständig. Er fördert aber in der Regel nur zu 50 %. Der Freistaat und die Kommunen springen hier ein und schließen größtenteils die Lücke, die der Bund offenlässt. Anders wäre der Gigabit-Ausbau in einem Flächenland wie Bayern nicht machbar. Wichtig ist aber der enge Schulterschluss von Kommunen und Freistaat in diesen schwierigen Zeiten. Bayern kann und wird Glasfaser nur fördern, wenn auch die Kommunen das wollen. 1.457 Gemeinden sind in die Bayerische Gigabitrichtlinie eingestiegen. Bislang haben 619 Gemeinden Förderbescheide über insgesamt 928 Mio. Euro erhalten. Bis die Richtlinie zum Jahresende ausläuft, werden nur noch wenige Gemeinden dazukommen, weil der Schwerpunkt der Förderung seit 2023 auf dem Bundesprogramm liegt. Zahlreiche Gemeinden haben ins Bundesprogramm gewechselt oder einen Netzbetreiber gefunden, der eigenwirtschaftlich ausbauen will.
GZ: Trotz der teils sehr hohen Fördermittel: Warum sind nach wie vor nicht alle Haushalte in Bayern gigabitfähig versorgt und wo bestehen die größten Versorgungslücken?
Füracker: Der eigenwirtschaftliche Ausbau durch die Provider hat Vorrang! Wir springen mit Steuergeldern immer nur dort ein, wo kein Netzbetreiber auf eigene Rechnung ausbaut. Prinzipbedingt hinkt der geförderte Ausbau deshalb immer hinterher. Dieser ist jedoch notwendig, denn nur mit den Kräften des Marktes erreichen wir keine Flächendeckung. Viele Kommunen mit Versorgungslücken gehen den Ausbau daher auch aktiv an. Inzwischen haben wir 276 Kommunen mit dem Gigabit-Siegel für ihre hohe Versorgungsquote ausgezeichnet.

GZ: Wie wird sichergestellt, dass die geförderten Glasfaseranschlüsse auch tatsächlich von den Bürgerinnen und Bürgern genutzt werden, angesichts der bislang eher zögerlichen Nachfrage nach Gigabitprodukten?
Füracker: Wir fördern nur dort, wo es keine leistungsfähige Alternative gibt – also in meist ländlichen Gebieten. Hier ist, beziehungsweise war, der Ausbau für Firmen nicht rentabel. Mangels Alternativen sind die dort aufgebauten geförderten Glasfasernetze meist besser ausgelastet als solche in großen Städten, wo oftmals günstigere Alternativen wie Fernsehkabel- und DSL-Anschlüsse parallel verfügbar sind. Wir würden uns wünschen, dass Bürgerinnen und Bürger tatsächlich den Umstieg auf die neue Glasfasertechnologie rasch vornehmen, wollen und können allerdings auch niemand dazu zwingen. Es ist die Krux jeder Infrastruktur, dass man immer im Vorgriff auf zukünftige Nutzungszahlen ausbauen muss. Wir sind aber sicher, dass eine erhöhte Nachfrage seitens Bürgerinnen und Bürger schon bald kommen wird. Haben ist besser als dringend brauchen!
GZ: Wie geht es mit den bayerischen Förderprogrammen weiter? Stehen noch genügend Mittel zur Verfügung, wenn eine Kommune jetzt in ein Förderverfahren einsteigen möchte?
Füracker: Die Glasfaser/WLAN-Richtlinie und die Bayerische Gigabitrichtlinie wurden von Kommunen und Planungsbüros wegen ihres unkomplizierten und schlanken Ansatzes sehr geschätzt. Sie laufen planmäßig zum Jahresende aus. Seit 2023 fokussieren wir unsere Förderung auf das Bundesprogramm, weil nur dort der Bund zumindest teilweise seiner Zuständigkeit nachkommt und immerhin die Hälfte der Kosten übernimmt. Wir wollen auch weiterhin jedes Projekt kofinanzieren, das sich erfolgreich um eine Förderung des Bundes bemüht und machen da – anders als andere Länder – keine Abstriche. Wir setzen uns auch kontinuierlich dafür ein, dass möglichst viele Bundesmittel in den Glasfaserausbau in Bayern fließen und dass der Bund seine Förderrichtlinien möglichst entschlackt. Dass dies gelingen kann, haben wir in Bayern gezeigt. Unterm Strich setzen wir uns weiter dafür ein, dass die bayerischen Gemeinden bestmöglich vom Bundesprogramm profitieren.
Digitalisierung im Alltag
GZ: Wie werden öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser und Rathäuser in Bayern gigabitfähig erschlossen und wie hoch ist der Versorgungsgrad in Bayern? Wie können Kommunen in ein Förderprogramm einsteigen und wie hoch ist die jeweilige Förderung?
Füracker: Der Ausbau dieser Einrichtungen ist praktisch abgeschlossen. Das Förderprogramm wurde 2018 gestartet und läuft Ende 2025 planmäßig aus. Zuletzt gingen nur noch sehr wenige Förderanträge ein. 97 % der öffentlichen Schulen sind gigabitfähig angebunden, 93 % sogar mit Glasfaser bis ins Haus. Bei 4 % ist der Glasfaseranschluss aktuell im Bau.
GZ: Wie wird das BayernWLAN-Angebot allgemein von den Bürgerinnen und Bürgern angenommen? An welchen Orten lohnt sich der Aufbau neuer Hotspots für Kommunen besonders?
Füracker: An den über 50.000 BayernWLAN-Hotspots in öffentlichen Einrichtungen, an touristischen Attraktionen, Hochschulen oder im ÖPNV werden monatlich über 11 Millionen Zugriffe registriert. Die Nutzer übertragen monatlich mehr als 2,5 Petabyte Daten, das sind 2,5 Millionen Gigabyte. Das Angebot wird also gut angenommen – insbesondere an stark frequentierten Orten.
GZ: Vielen Dank für das Gespräch!
Weitere Informationen
Der Bericht „Digitale Infrastruktur in Bayern 2025“ (Gigabitbericht 2025) ist arufbar unter https://www.schnelles-internet.bayern.de/gigabitbericht.