Wettbewerb „Klimaaktive Kommune 2025“: Sechs Kommunen ausgezeichnet
von Redaktion

Landkreis Neumarkt i.d.OPf. setzt bayerisches Zeichen: Sechs Kommunen aus ganz Deutschland wurden im Rahmen der Kommunalen Klimakonferenz 2025 in Berlin für vorbildliche Klimaschutzprojekte ausgezeichnet. Der Wettbewerb „Klimaaktive Kommune 2025“ soll erfolgreiche Strategien sichtbar machen und andere Kommunen dazu ermutigen, eigene Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen voranzutreiben. Insgesamt standen 240.000 Euro Preisgeld zur Verfügung. Die Auszeichnung wird jährlich vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) mit Förderung der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums vergeben.
Kommunen spielen seit Jahren eine Schlüsselrolle in der praktischen Umsetzung von Klimaschutz. Sie gestalten Energieversorgung, Infrastruktur und Planungshoheit vor Ort und setzen damit zentrale Impulse für die Transformation. Entsprechend vielfältig waren die 133 eingereichten Bewerbungen aus allen Bundesländern. Die Jury – bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern des Bundesumweltministeriums, des Umweltbundesamtes sowie der kommunalen Spitzenverbände – zeichnete sechs Projekte aus, verteilt auf drei Kategorien.
In der Kategorie der Großstädte wurden Stuttgart für das Projekt „Klimaneutrale Eiswelt“ sowie Kiel für das Vorhaben „Serielle Kerndämmung in einer Denkmal-Siedlung“ geehrt. In der Kategorie Mittel- und Kleinstädte gingen die Preise an Eisenach für die energetische Sanierung einer Grundschule im Plattenbau sowie an Greven für die Entwicklung einer energieautarken Kläranlage. In der Kategorie Landkreise und kleine Gemeinden wurden zwei Projekte ausgezeichnet – eines davon aus Bayern.
Der Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz erhält die Auszeichnung für sein Projekt „Kümmerer für die Umsetzung von Wärmenetzen“, das sich gezielt an kleinere Kommunen ohne eigene Stadtwerke richtet. Ziel ist es, wohnortnahe, wirtschaftlich tragfähige und klimafreundliche Wärmeversorgungsstrukturen aufzubauen – ein wichtiger Baustein der kommunalen Wärmewende in Bayern.
Landrat Willibald Gailler zeigte sich sehr erfreut über die Auszeichnung, die in Berlin von Susanne Hierl, MdB und stv. Landrätin in Neumarkt, entgegengenommen wurde. Das Preisgeld von 40.000 Euro soll in bestehende Klimaschutzmaßnahmen investiert werden. „Wir werden unsere erfolgreiche Arbeit fortsetzen und bewährte Projekte wie die Grüne Hausnummer, das Solardachkataster, aber auch Beratungs- und Informationsangebote stärken“, so der Landrat.
Der prämierte Ansatz setzt auf einen kontinuierlichen, transparenten Prozess, der die Kommunen von der ersten Entscheidung bis zur Antragsreife begleitet. Ausgangspunkt ist jeweils das Gespräch mit den Bürgermeistern vor Ort, gefolgt von Informationssitzungen der Gemeindegremien und Befragungen der Bürgerinnen und Bürger. Auf Basis der Rückmeldungen definiert das Klimaschutzmanagement geeignete Fokusgebiete. Danach folgen technische Vorprüfungen, die Identifikation eines Betreibermodells sowie die Wirtschaftlichkeitsanalyse durch externe Fachbüros. Bei ausreichendem Interesse werden konkrete Preisrahmen kommuniziert, verbindliche Anschlusszusagen eingeholt und BEW-Förderanträge vorbereitet.
Beispielhafte Governance-Struktur
Die fachliche Koordination liegt beim Klimaschutzmanagement des Landkreises, das bei der Regionalen Innovationsagentur Landkreis Neumarkt i.d.OPf. (REGINA) angesiedelt ist. Die Beteiligung der Bürgermeister aller 19 Landkreisgemeinden als Gesellschafter schafft dabei eine für ländliche Regionen beispielhafte Governance-Struktur.
Mit den ersten beiden geplanten Netzen in Lauterhofen-Pettenhofen und Seubersdorf könnten künftig über 650 Tonnen CO? pro Jahr eingespart werden. „Aktuell sind fünf Kommunen mit acht Projekten aktiv eingebunden, weitere Gemeinden prüfen ihre Teilnahme. Je nach Bedarf kommen unterschiedliche Betreibermodelle infrage – von privaten Unternehmen bis hin zu Bürgergenossenschaften. In Freystadt-Thannhausen wurde jüngst die erste Wärmenetz-Genossenschaft im Landkreis gegründet“, erläutert Kathrin Kimmich, Klimaschutzmanagerin des Landkreises Neumarkt, das Konzept.
Die Fördermittel für die Umsetzung kommen zu 60 Prozent über das Regionalmanagement Bayern. Die jährlichen Kosten liegen bei rund 48.000 Euro, wovon der Landkreis derzeit etwa 19.000 Euro trägt. Ab Mai 2026 übernimmt er die Finanzierung vollständig. „Die langfristige Ausrichtung ist wesentlich: Wärmenetze benötigen Planungssicherheit, technische Kontinuität und regionale Verankerung“, so Kimmich.
Für Gemeinden in Bayern, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen, zeigt das Neumarkter Modell, dass Wärmewende im ländlichen Raum realisierbar ist – sofern Kommunen und Landkreis gemeinsam handeln, Bürger frühzeitig einbezogen werden und Förderprogramme strategisch genutzt werden.