Kommunale 2025 in Nürnberg: Fachmesse setzt neue Maßstäbe
von Constanze von Hassel

Die Kommunale, bundesweite Fachmesse mit begleitendem Kongress, hat 2025 ihre Erfolgsgeschichte fortgeschrieben. Über 8.000 Fachbesucherinnen und -besucher strömten in erstmals drei (voll belegte) Messehallen, um sich bei 624 Ausstellern aus zehn Ländern über Produktneuheiten, Dienstleistungen und aktuelle Trends rund um den kommunalen Bedarf zu informieren. Damit wurden die Rekordzahlen aus 2023 deutlich übertroffen.
Digital-Trio mit Kongress, Talk und Award
Ein Messerundgang mit Umweltminister Thorsten Glauber widmete sich dem Thema Nachhaltigkeit. Die Besucher konnten sich über umweltfreundliche Technologien und bewährte Verfahren in der kommunalen Wirtschaft informieren. Zudem boten in drei Fachforen insgesamt 75 Vorträge Einblicke in aktuelle Entwicklungen – von Stadtentwicklung über Verwaltungsdigitalisierung bis hin zu Ressourcenmanagement.
Ergänzt wurde das umfangreiche Messeprogramm durch das Digital-Trio mit Kongress, Talk und Award, das innovative Projekte und digitale Lösungen in den Mittelpunkt stellte. Bereits zum vierten Mal würdigte der Digital-Award herausragende Digitalisierungsprojekte in Kommunen, Landkreisen und Behörden.
Digitalisierte Verwaltungsabläufe
In der Kategorie „bis 20.000 Einwohnende“ zeichnete Digitalminister Dr. Fabian Mehring die Gemeinde Kloster Lehnin in Brandenburg aus. Sie überzeugte mit einer digitalen Plattform für die An- und Abmeldung von Hunden. Bürgerinnen und Bürger können Anträge rund um die Uhr mobil einreichen. Die Lösung integriert die Prozesse direkt in die Verwaltung, automatisiert Abläufe und reduziert Bearbeitungszeiten. Auch Veranstaltungsanmeldungen wurden erfolgreich digitalisiert.
Platz 2 ging an den Markt Weisendorf (Landkreis Erlangen-Höchstadt), der Jury und Publikum mit seinem innovativen Ansatz im Rahmen des Projekts TwinBy – Digitale Zwillinge für Bayern, das vom Bayerischen Staatsministerium für Digitales gefördert wurde, überzeugte. Mit dem Aufbau eines digitalen Zwillings schafft Weisendorf ein datenbasiertes Abbild seiner kommunalen Infrastruktur und ermöglicht so fundierte Entscheidungen etwa in den Bereichen Energie, Mobilität und Klimaanpassung.
Platz 3 belegte die Stadt Bad Soden-Salmünster (Main-Kinzig-Kreis), die ein KI-Tool zur Analyse von Verwaltungsprozessen entwickelte. Dieses zeigt auf, wo künstliche Intelligenz sinnvoll eingesetzt werden kann, um Mitarbeiter zu entlasten und Verwaltungsleistungen effizienter zu gestalten. Perspektivisch soll das Tool auch anderen Kommunen als Software-as-a-Service zur Verfügung stehen.
Den Höhepunkt des Kongresses im Rahmen der Fachmesse Kommunale 2025 bildete das „Politische Podium“ des Bayerischen Gemeindetags. Vertreter aus Bund, Ländern und Kommunen diskutierten dort über Wege, die Handlungsfähigkeit der Städte und Gemeinden zu sichern und zu stärken. Weitere Kongressforen widmeten sich den Themen Baurecht, Fachkräftemangel, Digitales Rathaus, Kommunalwahlen 2026, Frauen in die Politik, Kommunalfinanzen und Kita-Finanzierung.
Mehr Mitsprache bei Gesetzgebungsverfahren
Dr. Uwe Brandl, Präsident des Bayerischen Gemeindetags, forderte eine stärkere Einbindung der kommunalen Ebene in Gesetzgebungsverfahren, klare Prioritäten in der sozialen Infrastruktur und mehr Mut zu politischen Kurskorrekturen. Symbolpolitik und zusätzliche Berichtspflichten bezeichnete er als wenig hilfreich, da sie aus seiner Sicht Ressourcen binden, ohne den Bürgerinnen und Bürgern zu nutzen. Für bundesrechtliche Aufgaben verlangte Brandl eine echte Konnexität sowie direktere Beziehungen zwischen Bund und kommunaler Ebene.
Laut Steffen Jäger, Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg, sind die Ideen für eine zukunftsfähige Daseinsvorsorge zwar vorhanden, doch passten die finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen oft nicht. Kurzfristige Hilfen des Bundes stabilisierten zwar, lösten aber keine strukturellen Probleme. Jäger sprach sich für eine Staatsreform aus, die klare Prioritäten setzt und auf Ehrlichkeit in der politischen Kommunikation setzt. Zudem forderte er eine verbindliche Frühbeteiligung der Kommunen bei neuen Gesetzen, damit diese von Beginn an praxisgerecht gestaltet werden können.
Impulspapier der „Südschiene“
Im Mittelpunkt der gemeinsamen Linie des Bayerischen Gemeindetags und des Gemeindetags Baden-Württemberg steht das Impulspapier der „Südschiene“. Es sieht eine enge Zusammenarbeit der Kommunalverbände vor und richtet fünf zentrale Forderungen an Bund und Länder: eine faktenbasierte Politik ohne ideologische Scheuklappen, keine neuen Aufgaben ohne Gegenfinanzierung, eine verlässliche Grundfinanzierung insbesondere bei sozialen Ausgaben, praxisgerechte und direkte Mittelvergabe sowie eine Aufgabenkritik auf allen Ebenen. Digitalisierung und Deregulierung bezeichneten Brandl und Jäger als zentrale Hebel, um Verwaltungsprozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen.
Reformfähigkeit Deutschlands
Bundesminister Thorsten Frei, Chef des Bundeskanzleramts, hob per Videoschalte die Reformfähigkeit Deutschlands hervor. Mit dem geplanten Sondervermögen Infrastruktur in Höhe von 500 Milliarden Euro sollen Investitionen in Zukunftsprojekte ermöglicht und Bürokratie abgebaut werden. Neue Bundesgesetze sollen kommunale Folgekosten stärker berücksichtigen. Frei kündigte steuerliche Entlastungen für Kommunen an und unterstrich die Bedeutung des Bürgermeisteramts als „gestaltungsreichstes politisches Amt“.
Nach Angaben von Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker blieben die bayerischen Kommunen trotz wachsender Belastungen überwiegend handlungsfähig. Etwa 29 Prozent des Staatshaushalts flössen in kommunale Aufgaben, die Investitionsquote liege im bundesweiten Vergleich an der Spitze. Füracker sprach sich dafür aus, die Mittel aus dem kommunalen Finanzausgleich und dem Bundessondervermögen als Gesamtpaket zu betrachten und nicht isoliert zu bewerten. Viele Städte und Gemeinden hätten weniger Probleme bei Investitionen als bei der laufenden Finanzierung. Daher müsse der Verwaltungshaushalt stärker entlastet werden. Effizienzsteigerung, Digitalisierung und vereinfachte Förderverfahren seien wichtiger als zusätzliche Mittel.
Uwe Brandl mahnte eine Rückkehr zu realistischen Zielen an. Die Republik sei in vielen Bereichen überfordert, weil sie sich zu viele Aufgaben und zu hohe Erwartungen auferlegt habe. Er forderte eine ehrliche Überprüfung von Standards und Leistungen, um Prioritäten zu setzen und Ressourcen gezielt einzusetzen. Statt kleinteiliger Förderprogramme brauche es mehr pauschale Mittel und Vertrauen in kommunale Entscheidungskompetenz.
Einigkeit bestand unter allen Beteiligten darüber, dass Investitionen notwendig bleiben, gleichzeitig aber die laufenden Haushalte nicht aus dem Blick geraten dürfen. Bürokratieabbau, Standardkritik und eine stärkere Einbindung kommunaler Spitzenverbände auf Bundesebene gelten als gemeinsame Handlungsfelder.
Die Diskussion machte deutlich, dass zusätzliche Finanzmittel zwar Spielräume eröffnen, strukturelle Probleme aber nur durch Reformen bei Zuständigkeiten, Verfahren und Prioritäten gelöst werden können. Kommunen, die Standards hinterfragen, Projekte gezielt priorisieren und Verwaltungsvorgänge vereinfachen, können zusätzliche Mittel am wirkungsvollsten für ihre Bürgerinnen und Bürger einsetzen.