Hanns‑Seidel‑Stiftung im Gespräch: Langjähriger Bürgermeister, langfristige Wirkung - Parsbergs Entwicklung unter Josef Bauer
von Constanze von Hassel

In der Online‑Reihe „Kommunalpolitik persönlich“ der Hanns‑Seidel‑Stiftung sprach Ramona Fruhner mit Josef Bauer, seit 2002 Erster Bürgermeister der Stadt Parsberg (Landkreis Neumarkt i.d.OPf.). Das Gespräch zeichnete das Bild eines Kommunalpolitikers, der langfristige Entwicklungsstrategien mit persönlichem Einsatz verbindet und dabei auch dort Verantwortung übernimmt, wo kommunale Handlungsspielräume eigentlich enden.
Parsberg, eine Stadt mit rund 8.000 Einwohnern, hat sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt. Unter der Führung von Josef Bauer wurden zentrale Weichen in Bildung, Forschung, Digitalisierung und Gesundheitsversorgung gestellt. Ein herausragendes Beispiel ist der Technologiecampus Parsberg, der in Kooperation mit der OTH Regensburg und der TH Deggendorf entstanden ist. Die Stadt investierte rund 6,3 Mio. Euro in Bau und Betriebskosten und übernahm in den ersten fünf Jahren bewusst eine Vorleistung, um Hochschulbildung und angewandte Forschung in den ländlichen Raum zu holen.
Diese Entscheidung erforderte politische Überzeugungsarbeit – auch im Stadtrat –, erwies sich jedoch als nachhaltig richtig: Nach erfolgreicher Evaluation trägt der Freistaat Bayern inzwischen Miete und Betriebskosten. Der Campus stärkt nicht nur den Hochschulstandort außerhalb der Metropolen, sondern bietet mittelständischen Unternehmen konkrete Vorteile, insbesondere dort, wo eigene Forschungsabteilungen fehlen. Ziel war und ist es, junge Fachkräfte frühzeitig an die Region zu binden. Passend dazu wurde ein Digitales Gründerzentrum eingerichtet, das Start‑ups bei der Umsetzung ihrer Geschäftsideen begleitet.
Entstanden sind unter anderem Gründungen in den Bereichen Mobilität, Sensorik und Agrartechnik. Bauer versteht solche Strukturen ausdrücklich als Angebot: Nicht jede Idee werde ein Unternehmen, entscheidend sei jedoch, Räume, Netzwerke und Unterstützung bereitzustellen.
Ein weiteres Großprojekt mit überregionaler Bedeutung ist der kommunale Glasfaserausbau. Parsberg ist Teil eines Zweckverbands von 47 Gemeinden und dem Landkreis Regensburg, die den Breitbandausbau eigenständig realisieren. Mit einem Investitionsvolumen von rund 500 Mio. Euro entsteht ein flächendeckendes Glasfasernetz, das langfristig im Eigentum der Kommunen bleibt. Finanziert wird es zu 90 Prozent durch Fördermittel von Bund und Freistaat. Für Bauer ist dies ein Beispiel kommunaler Eigenverantwortung: Dort, wo private Anbieter aus wirtschaftlichen Gründen nicht investieren, haben sich Kommunen zusammengeschlossen und selbst gehandelt.
Auch in der medizinischen Versorgung stellte sich Parsberg frühzeitig auf veränderte Rahmenbedingungen ein. Nach der Schließung des früheren 30‑Betten‑Krankenhauses wurde ein umfassender Gesundheitscampus entwickelt: Ein Ärztehaus mit Radiologie, ein Haus der Pflege und Soziales mit stationärer und ambulanter Versorgung sowie eine neue psychosomatische Klinik des Bezirks Oberpfalz sichern heute die regionale Versorgung. Insgesamt flossen hier Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe. Bauer betonte im Gespräch die Bedeutung von Kurzzeitpflege und sektorübergreifenden Angeboten, gerade vor dem Hintergrund demografischer Veränderungen.
Bürger- und Bademeister
Besondere Aufmerksamkeit erlangte zuletzt jedoch ein ganz anderes Thema: das städtische Wellenfreibad „Jura Mare“. Als kurz vor der Saisoneröffnung zwei Badeaufsichten ausfielen und eine Schließung einzelner Becken drohte, entschied sich der Bürgermeister, selbst Verantwortung zu übernehmen. Gemeinsam mit dem Geschäftsleiter und dem Zweiten Bürgermeister absolvierte er die Prüfung zur Badeaufsicht, inklusive Rettungsübungen, Befreiungsgriffen und Wiederbelebung und sprang mehrfach selbst ein.
Der symbolische wie praktische Effekt war bemerkenswert: Das Freibad konnte vollständig geöffnet bleiben, und zugleich meldeten sich im Anschluss mehrere neue Aufsichtskräfte für die kommende Saison. Für Bauer ist dies kein außergewöhnlicher Akt, sondern entspricht seinem Pflichtgefühl der Bevölkerung gegenüber: Wenn Angebote geschaffen und finanziert werden, müsse man im Zweifel auch persönlich dafür einstehen.
Das Gespräch zeigte eindrücklich, was kommunale Führung leisten kann: strategisches Denken, Vernetzung über Ebenen hinweg und die Bereitschaft, im Bedarfsfall selbst mit anzupacken. Parsberg steht damit exemplarisch für eine Kommunalpolitik, die nicht verwaltet, sondern gestaltet.
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