Dialogreihe endet mit Würdigung Hans-Jochen Vogels: Markt Schwabener Sonntagsbegegnungen
von Doris Kirchner

Mit der 125. Sonntagsbegegnung am 1. Februar 2026 ist eine über mehr als drei Jahrzehnte gewachsene, außergewöhnliche Dialogreihe zu Ende gegangen. Initiator der Sonntagsbegegnungen war der Psychotherapeut und frühere Markt Schwabener Bürgermeister Bernhard Winter. Über 34 Jahre hinweg brachte er bei insgesamt 125 Veranstaltungen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kirche, Wissenschaft und Kultur zusammen. Rund 25.000 Besucherinnen und Besucher nahmen teil, 257 Dialogpartnerinnen und -partner gestalteten die Gespräche. Ziel war stets der überparteiliche gesellschaftliche Austausch.
Innenminister Joachim Herrmann dankte Bernhard Winter für mehr als drei Jahrzehnte Engagement für den demokratischen Dialog. Eine Besonderheit der Sonntagsbegegnungen war, dass alle Referentinnen und Referenten auf Honorare verzichteten. Die verbleibenden Einnahmen wurden gespendet. Insgesamt flossen mehr als 40.000 Euro in soziale und internationale Hilfsprojekte, unter anderem nach Tschernobyl, Indien und Sri Lanka sowie in regionale Initiativen wie einen Spielplatz in Markt Schwaben, den Münchner Blaulicht-Verein und ein Behindertenprojekt.
Im Mittelpunkt der Abschlussveranstaltung stand die Würdigung Hans-Jochen Vogels, einer prägenden Figur der deutschen Nachkriegspolitik. Der Schirmherr der Markt Schwabener Sonntagsbegegnungen hätte am 3. Februar 2026 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Joachim Herrmann erinnerte an Vogels Laufbahn als Oberbürgermeister von München und Berlin, Bundesminister, Kanzlerkandidat sowie Partei- und Fraktionsvorsitzender der SPD. Vogel habe Verantwortung auf kommunaler, Landes- und Bundesebene übernommen und dabei Maßstäbe gesetzt. Herrmann hob insbesondere Vogels Werteorientierung, sein politisches Ethos und seine klare Haltung in Zeiten des RAF-Terrors hervor. Über Parteigrenzen hinweg habe Vogel aufgrund seiner Bescheidenheit und seines christlichen Glaubens hohes Ansehen genossen.
Weitere Redebeiträge würdigten Vogels persönliche Integrität und gesellschaftliche Wirkung. Der frühere EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm bezeichnete Vogel als „Influencer“ im besten Sinne – als jemanden, der durch Haltung und Vorbild gewirkt habe. Der ehemalige SPD-Vorsitzende und Verteidigungsminister Rudolf Scharping erinnerte an Vogels letzte Bundestagsrede, in der dieser zu einem gemeinsamen Einsatz aller demokratischen Kräfte gegen Rechtsextremismus und für mehr soziale Gerechtigkeit aufgerufen hatte.
Persönliche Erinnerungen
Zahlreiche Weggefährten und frühere Gäste der Sonntagsbegegnungen teilten persönliche Erinnerungen, darunter der ehemalige Regierungspräsident von Oberbayern Werner-Hans Böhm, Ex-Staatsministerin Christa Stewens, der ehemalige SPD-Fraktionssprecher im Bayerischen Landtag Franz Maget, MdL Thomas Huber sowie die Ex-Staatsministerin Prof. Ursula Männle. Der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude wartete mit einem humorvollen Rückblick auf politische Auseinandersetzungen der vergangenen Jahrzehnte auf. Er berichtete von einem jahrzehntelangen Konflikt mit seinem Parteifreund. Inhaltlich ging es um die Höhe der MVV-Tarife, die Vogel schon 1970 zu hoch erschienen. Das postume Loblied auf das SPD-Urgestein durfte schließlich dessen Sohn Bernd abrunden, der u.a. von diversen Bergtouren mit seinem Vater erzählte.
Mit dem Ende der Sonntagsbegegnungen schließt in Markt Schwaben ein Kapitel gelebter Gesprächskultur. Die Reihe hinterlässt nicht nur Erinnerungen an prominente Gäste, sondern auch ein Vermächtnis des respektvollen Dialogs und bürgerschaftlichen Engagements.