Kommunalwahl? Hallo? Jemand zuhause?

GZ Ausgabe GZ-3-2026 vom 29. Januar '26 | Pino
von Pino – The First-Cat
Bild der Kolumne "Pino"

Es läuft eigentlich prima für den Bürgermeister im Wahlkampf. Er ist beliebt und angesehen, seine Wahlhelfer sind motiviert, seine Veranstaltungen gut besucht und das Interesse an seinen Themen rege. Allerdings plagt ihn ein unbestimmtes Gefühl, dass immer weniger Leute sich für die Kommunalpolitik oder besser für die bevorstehende Kommunalwahl interessieren.

Natürlich sind Kommunalwahlen seit jeher die kleine Schwester unter den Wahlen. Wichtig, unverzichtbar, aber wenn es um die öffentliche Wahrnehmung geht, stehlen ihr die großen Brüder Bundestags- und Landtagswahl die Schau. Gut, die Europawahl fristet leider ein einmaliges Schattendasein, sogar attestiert vom Bundesverfassungsgericht, das dieser Wahl nicht einmal eine Sperrklausel zubilligen wollte, um Spaß- und Splitterparteien den Einzug ins Europaparlament (EP) zu verwehren, damit dies ähnlich arbeitsfähig wird, wie der Bundestag oder die Landesparlamente. Man kann nur sehr hoffen, dass sich die Karlsruher Richter das Abstimmungsprotokoll des EP in Sachen Anrufung des Europäischen Gerichtshofs zum Mercosur-Freihandelsabkommen zuschicken lassen. Denn die jetzt zu befürchtende Verzögerung beim Inkrafttreten dieses für die europäische Souveränität und Resilienz so wichtigen Abkommens ist ja nicht nur einer Hufeisenkoalition aus rechts- und linksradikalen Abgeordneten (und ein bisschen falsch verstandenem Agrarnationalismus da und dort) zu verdanken, sondern auch dem Umstand, dass den europäischen Kräften der Mitte einfach Mandate fehlen, die auf Parteien fielen, die zusammen nicht mal fünf Prozent des deutschen Elektorats repräsentieren. Trump, Putin, Xi und Co. freuen sich über Europäer, die sich gerne selbst verstümmeln.

Wenn wundert es angesichts solcher deprimierenden Nachrichten über grassierende geoökonomische und geostrategische Irrlichterei, dass das Phänomen der News Avoidance, gerne auch als Schlagzeilen-Burnout bezeichnet, beängstigend um sich greift. Wer dieses Burnout hat, vermeidet den Kontakt zu Nachrichtensendungen, Nachrichtenseiten im Netz und natürlich zu seriösen Zeitungen und Zeitschriften. Geschätzt 71 Prozent der Internetnutzer vermeiden gelegentlich den Nachrichtenkonsum. Das ist im Prinzip das Verhalten eines kleinen Kindes, das sich die Augen zuhält, weil es glaubt, wenn es selbst nichts mehr sieht, wird es auch von anderen nicht mehr gesehen. Also: Wenn ich all den Irrsinn in der Welt nicht zur Kenntnis nehme, gibt es ihn vielleicht nicht.

Das Gegenteil sind die Informationshungrigen, die sich kaum von den Nachrichten in ihrer Timeline oder den Pushmitteilungen der Zeitungen oder Sender losreißen können. Seien wir ehrlich: Diesen Zeitgenossen wird derzeit viel geboten. Allein Trumps Balztanz um Grönland in allen Facetten, Ausprägungen und Schattierungen vom freiwilligen Anschluss an die USA (Stichwort: Jeder will Bürger eines Landes mit einem so großartigen Präsidenten werden) über Kauf bis hin zu Eroberung werden stündlich andere Säue durchs Dorf getrieben. Dann in Davos ein Deal, der durch altmodische Diplomatie sicher auch hätte erreicht werden können, denn niemand kann die geostrategische und geoökonomische (schon wieder diese beiden Wörter) Bedeutung der Arktis leugnen und ebenso wenig, dass Europa das Gebiet derzeit nicht sichern kann.
Wer das alles über Wochen aktuell verfolgte, hat immens Lebenszeit vergeudet, nur um von einem vorhersehbaren Ergebnis zu erfahren. Meine Frage ist nun: Wen bekommen wir eher dazu, wieder Interesse an Kommunalpolitik zu entwickeln, den Nachrichtenmüden oder den Nachrichtenjunkie?

Die Chance ist, dass im Gegensatz zu denjenigen, denen eh alles immer nur Wurscht ist, beide Typen grundsätzlich Interesse an Politik und deren Gestaltung haben. Den einen ist es halt zu viel, die anderen haben Angst, etwas zu versäumen. Beiden Charakteren kann man aber meines Erachtens klar machen, dass Kommunalpolitik etwas ist, was sie unmittelbar berührt und deshalb für sie relevant ist.
Den Wahlaufruf überlasse ich Thomas Jefferson: „Schlechte Kandidaten werden gewählt von guten Bürgern, die nicht zur Wahl gehen.“

Ihr Pino

Pino

Pino – "The First-Cat" – Pechschwarz, wunderschön und charakterstark!

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