Fasten zwischen Spiritualität und Selbstoptimierung

GZ Ausgabe GZ-5-2026 vom 26. Februar '26 | Pino
von Pino – The First-Cat
Bild der Kolumne "Pino"

Fasten ist jetzt wieder in aller Munde. Gut, das mag sich nach einem etwas schrägen Sprachbild anhören (ist es vielleicht auch), aber tatsächlich ist das Fasten sowohl in seiner religiösen wie physiologischen Ausformung derzeit eines der gefragtesten Gesprächsthemen.

In der Sphäre der Religion sind es nicht nur die alljährlich zum Aschermittwoch hin lancierten Vorschläge, auf was man als Christ alles verzichten könnte, um sich auch als Vegetarier oder Veganer, für den der Verzicht auf Fleisch zum Alltagsleben gehört, für Ostern zu rüsten. Da kommen dann Klassiker wie Süßigkeiten oder Alkohol (schon wieder nach dem DryJanuary) auf die Empfehlungsliste, aber auch der Verzicht aufs Auto fahren, auf Nutzung sozialer Medien oder das Smartphone soll (Stichwort Handyfasten) gleich ganz für 40 Tage in die Schublade wandern. Letzteres dürfte aber aus dem Selbstkasteiungskatalog bald verschwinden, nachdem das Mobiltelefon etwa beim Bürgermeister Terminkalender, Adressbuch und Geldbeutel in einem ist. Bald sollen ja auch noch Ausweisfunktionen dazukommen. Natürlich könnte man sich am Mittelalter ein Beispiel nehmen, das den Biber als Fisch deklarierte, um ihn in der fleischlosen Zeit essen zu dürfen oder so starkes Bier braute, dass es nicht nur rauschig, sondern auch satt machte. Man könnte also 40 Tage den Flugmodus einschalten und den dann nur zum Bezahlen deaktivieren oder so was.

Die heurige Fastenzeit ist auch deshalb etwas ganz besonderes, weil die christliche Fastenzeit und der muslimische Ramadan gleichzeitig ihren Anfang nahmen. Allerdings ist das islamische Fastengebot etwas härter als nur etwas nice-to-have wegzulassen. Ein Gläubiger isst und trinkt nichts von Morgendämmerung bis Sonnenuntergang, unerbittlich, auch wenn die Zeitspanne, in der es in Mitteleuropa hell ist, sich Tag für Tag verlängert. Ganz schön hart und definitiv nichts für einen Kater wie mich, auch wenn nach Sonnenuntergang wieder geschmaust werden darf. Ob es wirklich hilft, diese Zeit besser durchzustehen, wenn der Fastende die neuerdings in immer mehr Städten aufgehängten Ramadan-Lichterketten anschaut?

Wenn das religiöse Fasten den Geist reinigen und die Seele stärken soll, so ist Ziel des physiologischen Fastens den Körper zu reinigen und allerlei Schädliches wie Bluthochdruck, Blutzucker oder schlicht den Wohlstandsranzen und andere Körperfettpolster zu bekämpfen. Auch hier gilt: Fasten ist nichts für Weicheier. Ob das Intervallfasten, wenn man 16 Stunden nichts zu sich nimmt und die Nahrungsaufnahme sich nur in einem Zeitfenster von acht Stunden am Tag abspielen darf, oder das Heilfasten über mehrere Tage (letzthin war von einem Horrortrip zu lesen, bei dem 14 Tage nur Wasser getrunken wird), ohne strenge Selbstdisziplin hält man das nicht durch.

Kein Wunder, dass die Sehnsucht nach einer leichten Art abzunehmen so alt ist wie die Erkenntnis, dass beim Körperbau sich „rund“ nicht auf „gesund“ reimt. Abnehmspritzen oder noch besser, Abnehmpillen beflügeln die Träume all derer, die ohne Anstrengungen abnehmen wollen und die Phantasie von Anlegern, denn der Wert der Aktien von Pharmafirmen, die an sowas forschen oder es sogar auf den Markt bringen, gehen regelmäßig (kurzfristig) durch die Decke.

Doch anders als beim religiös motivierten Fasten, bei dem der Glaube bekanntlich nicht nur Berge versetzen kann, sondern auch Härten geduldig ertragen lässt, ist beim Thema Abnehmen so gut wie alles umstritten. Welche Fastenmethode wirklich hilft, wird mit streng wissenschaftlichen Methoden analysiert, artet aber gleichwohl zur Glaubensfrage aus. Intervallfasten gut oder schlecht? Für beide Seiten gibt es Studien. Heilfasten segensreich oder belastend? Suchen Sie es sich aus. Die einen verzichten auf Kohlehydrate (ist angeblich schlecht für den Nachtschlaf), andere essen nur Fleisch und Fett (verursacht angeblich Gicht), wieder andere schwören auf die Apfeldiät (normal essen und einen Apfel pro Tag verzehren) – keine Gewissheiten, nirgends. Und nicht mal die Abnehmpille ist der Rettungsanker, da man die Langzeitfolgen nicht kennt.

Gewissheit strahlen allein die Worte des Heiligen Johannes Chrysostomos aus:

„Das Fasten ist die Speise der Seele“.

Heiliger Johannes Chrysostomos

Pino

Pino – "The First-Cat" – Pechschwarz, wunderschön und charakterstark!

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