Bavaria ruft – die Realität antwortet

GZ Ausgabe GZ-6-2026 vom 12. März '26 | Pino
von Pino – The First-Cat
Bild der Kolumne "Pino"

Bavaria ruft – mal schauen, ob es geholfen hat. Denn es war eine bemerkenswerte Kampagne, die da schon weit vor den Kommunalwahlen für mehr Beteiligung von Frauen an der Kommunalpolitik geworben hat. Ob es half, werden wir erst nach den Stichwahlen ganz genau wissen. Jedenfalls war es interessant zu sehen, wie hier engagierte Frauen aus praktisch allen politischen Lagern, Bürgermeisterinnen wie Landtagsabgeordnete, zusammen mit vielen Verbandsvertreterinnen dafür getrommelt haben, dass sich mehr Frauen für die Übernahme kommunaler Mandate zur Verfügung stellen.

Bei den Kandidaturen für die Ämter der Ersten Bürgermeister hat das nicht so gut geklappt: Nur 178 Kandidatinnen bei insgesamt 883 sich Bewerbenden. Ähnlich bei den Landräten; von den 313 Kandidierenden waren nur 69 weiblich. Zusammengezählt wird wie gesagt erst übernächsten Sonntag, ob davon verhältnismäßig viele Frauen auch mandatiert wurden oder Bayerns Rathäuser und Landratsämter weiterhin trotz einiger Leuchtturmstädte eher männliche Domänen bleiben.
Also wird Bavaria auch noch in den kommenden sechs Jahren provozierend in der typischen „Uncle Sam: I want you for U.S. Army“-Pose präsent sein müssen, um Frauen für die Übernahme von kommunalen Mandaten zu animieren.

Wobei der Anteil von Frauen in öffentlichen Ämtern und an führenden Stellen der Wirtschaft ja immer noch generell weit unterhalb ihres Anteils an der Gesamtbevölkerung liegt. Das sieht man an der Zahl der Ministerpräsidentinnen (zwei von 16), der Zahl von weiblichen Abgeordneten in Landtagen und Bundestag oder der Zahl von Ministerinnen. Wobei das Stichwort Ministerinnen auch zeigt, wie sehr die Fixierung auf das Geschlecht zu Lasten der Kompetenz ins Auge gehen kann. So hatte der frühere Kanzler Scholz in seinem Bemühen, die Riege der SPD-Minister in seinem Kabinett geschlechtlich auszugleichen mit Innenministerin Faeser und Verteidigungsministerin Lambrecht zwei so krasse Fehlbesetzungen zu verantworten, dass das ganze Konzept der Geschlechterparität arg in Verruf geriet.

Auch andere Ideen in Bezug auf eine adäquatere Balance zwischen den Geschlechtern haben so ihre realen oder rechtlichen Schwächen. Zum Beispiel ist das Modell einer gesetzlichen Geschlechterparität in Parlamenten schlicht verfassungswidrig, da ein Gesetz weder den Parteien vorschreiben darf, wen sie aufstellen, noch dem Wahlvolk, wen es zu wählen hat. Ganz zu schweigen von etwas, das alle in Parteien oder Wählervereinigungen Engagierten kennen: Mehr Frauen als Männer, die man für eine Kandidatur gewinnt, wollen „hinten“ auf die Liste, um nur ja nicht in den Rat zu kommen.

Für mich ist das alles keine Frage einer gesetzlichen Vorschrift oder einer verbandlichen Vorgabe, sondern hängt mit der rauen Wirklichkeit unserer Gesellschaft zusammen. Man wacht ja nicht eines Tages auf und denkt sich: Ach so eine Bürgermeister-Kandidatur wär doch was für mich. Da braucht es Vorarbeit, Einsatz und Engagement. Nachdem wir es als Gesellschaft den Frauen aber schon schwer machen, eine adäquate Erwerbsbeteiligung zu stemmen – Stichwort Vereinbarkeit von Sorgearbeit und Beruf – brauchen wir keine großen Frauenförderprogramme für die Politik aufzulegen.

Ebenso in der Unternehmenswelt. Beim Geschlechterverhältnis in den Führungsetagen von großen Unternehmen ist uns Frankreich sowohl im Bereich Management als auch in Aufsichtsräten deutlich überlegen (Funfact: Frankreich hatte 2024 ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent, während Deutschland schrumpfte). Das liegt sicher auch an regulatorischen Vorgaben, vor allem aber daran, dass der Erwerbsanteil der Frauen westlich des Rheins aufgrund besserer Kinderbetreuungsmöglichkeiten seit langem deutlich höher ist.

Also, Bavaria, in den nächsten sechs Jahren auch kräftig für Kitas, Grundschulkindbetreuung und ambulante Pflege im Alter trommeln! Dann klappts auch mit den Kandidaturen. Schließlich ist der Satz von Marie von Ebner-Eschenbach doch wohl veraltet: „Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde, nämlich alle dummen Männer“.

Allen, die am letzten Sonntag ihr angestrebtes kommunales Mandat errungen haben, gratuliere ich herzlich. Und viel Glück denen, die in die Stichwahl müssen!

Pino

Pino – "The First-Cat" – Pechschwarz, wunderschön und charakterstark!

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