Zukunftsforum Ländliche Entwicklung in Berlin: „Land: Raum für Zukunft“

GZ Ausgabe GZ-4-2026 vom 12. Februar '26 | Landes-, Bundes- und Europapolitik, Verbände
von Doris Kirchner
Foto von Redenern am Pult mit Publikum
V.l. : Heike Zeller, Moderatorin, Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer, Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB), Ralph Spiegler, und der Vizepräsident des Deutschen Landkreistages (DLT), Götz Ulrich, bei der Eröffnung des Zukunftsforums. Quelle: BMLEH/Photothek

Mit dem Zukunftsforum Ländliche Entwicklung präsentierte das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) während der Grünen Woche in Berlin erneut die zentrale nationale Plattform zur Zukunftsgestaltung der ländlichen Räume. Unter dem Motto „Land: Raum für Zukunft“ kamen mehr als 2.000 Teilnehmer aus Kommunen, Verbänden, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um gemeinsam Wege für eine nachhaltige und lebenswerte Entwicklung der ländlichen Regionen zu diskutieren.

Im Mittelpunkt standen Fragen der Flächennutzung, der Entwicklung von Wohn- und Arbeitsräumen sowie der Stärkung von Begegnung, Zusammenhalt und regionaler Wertschöpfung. In 31 Fachforen und auf dem „Markt der Möglichkeiten“ wurden konkrete Lösungsansätze und Best-Practice-Beispiele vorgestellt, die zeigen, wie raumbezogene Entscheidungen vor Ort zu mehr Lebensqualität, Handlungsfähigkeit und Zukunftsperspektiven beitragen können.

Identitätsanker

Ergänzend boten eine Jobbörse, ein Treffpunkt mit den Impulsgebern der Fachforen sowie vielfältige Vernetzungsformate Raum für Austausch und Kooperation.

Gemeinsam mit der DB InfraGO veranstaltete der DStGB ein eigenes Fachforum zu Landbahnhöfen als Mobilitäts- und Identitätsanker in ländlichen Räumen. Im Mittelpunkt standen Ansätze und Beispiele, wie Bahnhöfe gemeinsam mit der Deutschen Bahn, Kommunen und weiteren Akteuren, etwa aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Planung, modernisiert, historische Gebäude revitalisiert und neue attraktive Zentren rund um den Bahnhof geschaffen werden können. Hierzu standen u.a. Alexandra Gauß, Bürgermeisterin der Gemeinde Windeck und DStGB-Präsidiumsmitglied, sowie Marco Waschkowski, Bürgermeister der Stadt Königsee Rede und Antwort.

Mobilitätsdrehscheibe

Deutlich wurde, dass Bahnhöfe im ländlichen Raum als Mobilitätsdrehscheiben und Orte kommunaler Identität wichtige Impulse für Ortsentwicklung, soziale Teilhabe und nachhaltige Mobilität setzen können. So auch der kleine grüne Bahnhof Zorneding, vorgestellt von Philipp Luy, Projektleiter, DB InfraGO. Die Deutsche Bahn hat in Zorneding bei München ihren ersten Bahnhof vollständig aus Holzmodulen eröffnet.

Regionale Baustoffe

Das 200 Quadratmeter große Gebäude wurde mit regionalem Holz errichtet und steht ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. Dank standardisierter Module können ähnliche Bahnhöfe künftig schnell, flexibel und umweltfreundlich gebaut werden. Der Bau kostete rund 2,2 Millionen Euro und wurde von Bund, Land Bayern und der Gemeinde Zorneding mitfinanziert.

Pilotprojekt mit ServiceStore

Der Bahnhof nutzt moderne Technik wie eine Photovoltaikanlage, eine Wärmepumpe und einen Batteriespeicher aus recycelten E-Auto-Akkus. Fahrgäste profitieren von einem modernen Warteraum, einem ServiceStore, barrierefreien WC-Anlagen und verbesserten Fahrradabstellmöglichkeiten. Zorneding gilt als Pilotprojekt für viele weitere „kleine grüne Bahnhöfe“, darunter der nächste Standort in Haar bei München. Mit diesem Konzept will die DB Nachhaltigkeit, Effizienz und Reisekomfort in Einklang bringen und mehr Menschen für klimafreundliches Bahnfahren gewinnen.

Ländliche Räume zentrale Pfeiler für Zukunftsfähigkeit

Eröffnet hatten das Zukunftsforum der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, der Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB), Ralph Spiegler, und der Vizepräsident des Deutschen Landkreistages (DLT), Götz Ulrich. Laut Minister Rainer „sind unsere ländlichen Räume ein zentraler Pfeiler für den Zusammenhalt und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Gerade deshalb ist es entscheidend, ihre Stärken sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln. Dazu haben wir unsere ländlichen Regionen wieder in das Zentrum der Politik gerückt. Wir wollen sie als Lebensraum stärken, ihre Wirtschaftskraft fördern und sie als Heimat lebendig halten, ohne dabei aber eine Stadt-gegen-Land-Debatte zu führen. Stadt ist genauso Heimat wie der ländliche Raum.“

Ernährungsvorsorge und Krisensicherung

Die ländlichen Räume in Deutschland sind aus Rainers Sicht „gut aufgestellt mit ihren Flächen für die Landwirtschaft als Grundlage der Ernährungsvorsorge und der Krisensicherung, als elementare Basis für unsere mittelständische Wirtschaftskraft und für die Erzeugung erneuerbarer Energie“. Ganz entscheidend seien die Menschen, die mit viel Herzblut, Ideen und großem Engagement tagtäglich ihr Lebensumfeld gestalten. All das halte die Heimat stark und zukunftsfähig.

Kommunen koordinieren unterschiedliche Interessen

Wie DStGB-Präsident Spiegler ausführte, „bringen Kommunen die Interessen von Landwirtschaft, Energie, Wirtschaft, Wohnen, Infrastruktur, Erholung und Naturschutz im Wettbewerb um Flächen miteinander in Einklang. Für einen fairen Ausgleich und idealerweise für tragfähige Kompromisse wie beispielsweise durch Mehrfachnutzungen bei Agri-PV ist ihre Steuerungskompetenz unverzichtbar. Statt weiterer pauschaler Flächenziele, Privilegierungen oder übergeordneter Planungsvorgaben benötigen die Kommunen mehr Flexibilität und Vertrauen für ihre Tätigkeiten vor Ort. Denn es sind Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie die kommunalen Gremien, die die örtlichen Entwicklungen, ihre Wertschöpfungs- und Nutzungspotenziale und ihre Bedarfe für die Infrastruktur von morgen am besten kennen.“

Schlüsselrohstoff Fläche

DLT-Vizepräsident Götz Ulrich ergänzte: „Fläche ist im ländlichen Raum der Schlüsselrohstoff und die Ansprüche daran sind in den letzten Jahren spürbar gewachsen. Ernährungssicherung und Landwirtschaft, Energieerzeugung, Natur- und Erholungsräume, Biodiversität, Hochwasserschutz sowie Wohnen, Verkehr und wirtschaftliche Entwicklung: Diese Nutzungskonkurrenzen lassen sich nicht per Federstrich auflösen. Entscheidend ist, dass Ausgleich und Akzeptanz möglichst vor Ort gelingen und durch die Landkreise und Gemeinden gesteuert werden. Gebäude im ländlichen Raum kommunal zu nutzen, heißt immer auch, dort Begegnungsorte zu schaffen. Wenn Menschen durch die digitale Informationsflut von zwischenmenschlichen Kontakten ferngehalten werden und schlimmstenfalls vereinsamen, sind Räume wichtig, in denen sich die Dorfgemeinschaft begegnet. Wir Landkreise nutzen hierfür zum Beispiel die Volkshochschulen, die wir mit Begegnungscafés ausstatten oder mit Schulen oder Bibliotheken verknüpfen, damit sich dort Menschen jeden Alters treffen können.“

LEADER-Strukturen als tragende Säule

Im Rahmen eines Bühnengesprächs machte Ralph Spiegler deutlich, dass ländliche Räume dauerhaft auf verlässlich abgesicherte Mittel angewiesen seien. Sowohl im kommenden EU-Finanzrahmen als auch in der Gemeinschaftsaufgabe GAK müsse die Strukturförderung ländlicher Räume ausreichend berücksichtigt werden. Die LEADER-Strukturen seien eine tragende Säule der partizipativen Regionalentwicklung und unverzichtbar für starke Kommunen und demokratische Beteiligung vor Ort. Alois Rainer sagte daraufhin zu, sich für die Fortsetzung von LEADER sowie für ein klar abgegrenztes Budget für die ländliche Entwicklung im EU-Haushalt einzusetzen.

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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