Jahrespressekonferenz: Rekordjahr für Bayerns Tourismus
von Doris Kirchner

Bayerns Tourismus hat 2025 erneut einen Höchststand erreicht. Trotz eines angespannten konjunkturellen Umfelds und spürbarer Konsumzurückhaltung zog Tourismusministerin Michaela Kaniber auf der Jahrespressekonferenz in München eine positive Bilanz. Nach ihren Worten war 2025 bereits das zweite Rekordjahr in Folge. Die Reiselust sei ungebrochen, Bayern stehe bei vielen Urlaubsgästen weiterhin ganz oben auf der Liste. Gesucht würden Authentizität, Charakter und Lebensfreude: Qualitäten, die Bayern mit lebendigen Städten, starken Regionen und ausgeprägter Gastfreundschaft biete.
Die Zahl der Gästeankünfte und Übernachtungen legte im Vergleich zum Vorjahr erneut zu. Insgesamt reisten knapp 41,0 Millionen Gäste nach Bayern, ein Plus von 0,9 Prozent gegenüber 2024. Die Übernachtungszahlen stiegen leicht auf rund 102,9 Millionen und lagen damit um 0,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Kaniber verwies darauf, dass bereits 2024 ein außergewöhnliches Rekordjahr gewesen sei, geprägt von zahlreichen Großveranstaltungen, die 2025 nicht in gleicher Form stattfanden. Umso bemerkenswerter sei, dass das weitere Wachstum nun aus dem klassischen touristischen Segment heraus erzielt worden sei. Dies unterstreiche die Attraktivität des Freistaats.
Branche bleibt robust
Regional zeigte sich die Branche insgesamt robust. Beliebtestes Reiseziel blieb mit großem Abstand Oberbayern mit 19,6 Millionen Gästen, gefolgt von Schwaben mit rund sechs Millionen Gästen, wo mit Schloss Neuschwanstein Bayerns international bekanntestes Baudenkmal liegt. Dahinter rangierten Mittelfranken (4,7 Mio.), Niederbayern (3,2 Mio.), Unterfranken (2,9 Mio.), die Oberpfalz (2,2 Mio.) und Oberfranken (2,1 Mio.).
Auch bei den Wachstumsraten zeigte sich ein differenziertes Bild. In nahezu allen bayerischen Gemeinden stieg die Gästezahl. Besonders Niederbayern (plus 2,4 Prozent) und die Oberpfalz (plus 2,7 Prozent) verzeichneten deutliche Zuwächse. Lediglich Oberfranken meldete einen leichten Rückgang von 0,3 Prozent.
Fränkischer Hauptanziehungspunkt bleibt Nürnberg mit seinem Christkindlesmarkt und zahlreichen Messegästen, gefolgt vom fränkischen Weinland sowie der Region Romantisches Franken mit historischen Städten wie Ansbach, Rothenburg ob der Tauber und Dinkelsbühl. Angelika Schäffer, Geschäftsführerin des fränkischen Tourismusverbandes, erklärte, Ziel müsse es sein, Gäste länger in der Region zu halten. Der durchschnittliche Übernachtungsgast verbringt derzeit 2,3 Tage in Franken.
Die drei beliebtesten Städte und Gemeinden im Jahr 2025 waren München, Nürnberg und der niederbayerische Kurort Bad Füssing. Insgesamt profitierten vor allem Kurorte und ländliche Kommunen von einem Aufschwung, während größere Städte häufiger rückläufige Gästezahlen meldeten. München und Augsburg verzeichneten jeweils ein deutliches Minus, Nürnberg und Würzburg konnten hingegen zulegen. Den stärksten Zuwachs meldete der Skiort Garmisch-Partenkirchen.
Zentrale Wachstumstreiber
Wie Peter Berek, Vorsitzender des Bayerischen Heilbäder-Verbandes darlegte, bleibe der Gesundheits- und Präventionstourismus ein zentraler Wachstumstreiber des Bayerntourismus. Rund 23,3 Millionen Übernachtungen, beinahe jede vierte Nächtigung in Bayern, und 5,6 Millionen Gästeankünfte entfielen 2025 auf Bayerns Heilbäder und Kurorte. Besonders erfreulich: „Sowohl Gästeankünfte als auch Übernachtungen liegen rund ein Prozent über den Werten von 2024. Damit sind die Kur- und Heilbäder stärker gewachsen als der bayerische Tourismus insgesamt“, so Berek.
„Gesundheitsurlaub ist gerade in Bayern ein Zukunftsmarkt und ein stabiler Motor für Tourismus, Wirtschaftskraft und Beschäftigung - insbesondere im ländlichen Raum“, fuhr der Präsident fort. Die prädikatisierten Heilbäder und Kurorte seien ein unverzichtbarer Bestandteil des bayerischen Gesundheitswesens und zugleich ein starker Faktor für die touristische Entwicklung. „Bei uns verbindet sich klassischer Tourismus mit Prävention, Rehabilitation und Gesundheitskompetenz – das macht unsere Orte besonders wertvoll und zukunftssicher.“ Parallel treiben Bayerns Heilbäder und Kurorte ihre Weiterentwicklung voran. Schwerpunkte liegen auf Prävention, Resilienz und Longevity, auf wissenschaftsbasierten Naturheilverfahren, Waldgesundheit sowie auf neuen Workation-Modellen, die Arbeiten und gesundheitsorientierte Auszeiten verbinden.
Gäste sparen im Urlaub
Nach Einschätzung von Ministerin Kaniber sparen die Gäste nicht am, sondern im Urlaub. Während die Gästezahlen deutlich stiegen, wuchsen die Übernachtungen weniger stark. Besonders gefragt waren Campingplätze (plus 3,3 Prozent) und Ferienwohnungen (plus 2,8 Prozent). Hotels verzeichneten hingegen ein Minus von 0,7 Prozent, stellen mit knapp 80 Prozent aber weiterhin den größten Anteil der Übernachtungen.
Kaniber betonte die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus als zentralen Standortfaktor. Die Entwicklung stehe für regionale Wertschöpfung, Infrastruktur und nicht verlagerbare Arbeitsplätze in Städten wie im ländlichen Raum.
Getragen wurde das Wachstum vor allem vom Binnentourismus. Noch nie zuvor wurden so viele Gäste aus Deutschland gezählt. Urlaub im eigenen Land boome, Bayern profitiere dabei besonders von seiner landschaftlichen Vielfalt und seinem ganzjährigen Angebot – von Wandern und Radfahren bis zu Kultur, Kulinarik und Wellness.
Der internationale Tourismus entwickelte sich dagegen etwas schwächer. Sowohl aus Europa als auch aus Nord- und Südamerika gingen die Gästezahlen leicht zurück. Positiv verlief erneut der asiatische Markt. Die Zahl der Gästeankünfte aus China stieg auf 267.450 und legte damit im Vergleich zu 2024 um 10,7 Prozent zu. Kaniber führte dies auch auf Fortschritte bei den Visaverfahren zurück. Die Bearbeitungszeiten seien gesunken, zugleich kündigte sie an, sich weiter für Erleichterungen insbesondere für chinesische Geschäftsreisende einzusetzen.
Langfristig zeigen sich deutliche Verschiebungen bei Übersee-Gästen. Im Vergleich zum vergangenen Jahrzehnt kommen deutlich weniger Besucher aus Russland, Japan und den arabischen Golfstaaten. Besonders stark brachen die russischen Gästezahlen ein, die im Zehnjahresvergleich um knapp 84 Prozent auf nur noch 33.400 sanken. Gleichzeitig verzeichneten die USA einen deutlichen Zuwachs: Die Zahl der US-Urlauber stieg seit 2015 um gut 41 Prozent auf knapp 1,1 Millionen, trotz eines leichten Rückgangs von 2024 auf 2025.
Lage bleibt angespannt
Trotz der guten Gesamtzahlen bleibt die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe angespannt. Steigende Kosten, Personalmangel und Konsumzurückhaltung belasten insbesondere das Gastgewerbe. Kaniber verwies darauf, dass die Herausforderungen größer seien, als es die Gästezahlen vermuten lassen. Die dauerhaft gesenkte Mehrwertsteuer in der Gastronomie wertete sie als wichtigen Schritt, der finanzielle Spielräume für Investitionen in Qualität, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit eröffne.
Um den Tourismus langfristig stabil aufzustellen, startet Bayern die Initiative Bayern.Vision.Tourismus. In einem breit angelegten Dialogprozess sollen gemeinsam mit der Branche Perspektiven erarbeitet werden, unter anderem durch stärkere Synergien zwischen Landwirtschaft, regionalen Lebensmitteln und Tourismus.
Sorge bereitet dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sowohl die Umsatzentwicklung in der Gastronomie als auch die Finanzlage der Kommunen. Angela Inselkammer, Präsidentin des bayerischen Landesverbands, warnte vor Kürzungen bei touristischen Ausgaben. Während Nachbarländer den Tourismus massiv unterstützten, würden viele Kommunen ihre Budgets einschränken.
Trotz der Rekorde bezeichnete Inselkammer das Jahr 2025 für die Gastronomie erneut als schwierig. Bereits im sechsten Jahr in Folge müsse die Branche ein Minus hinnehmen. Besonders der Fachkräftemangel sowie steigende Kosten für Energie, Löhne und Lebensmittel setzten die Betriebe unter Druck. Gleichzeitig wüchsen die Ansprüche der Gäste, etwa an Wellnessangebote, was vor allem kleine ländliche Gasthöfe zunehmend zur Aufgabe zwinge. Neben einer Senkung der Mehrwertsteuer forderte die Dehoga-Chefin von der Bundesregierung die Einführung einer Wochenarbeitszeit, um den Beschäftigten im Gastgewerbe mehr Flexibilität zu ermöglichen.