DStGB-Positionen zur kommunalen Kulturpolitik: Kulturelle Vielfalt sichern, Teilhabe fördern
von Doris Kirchner

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) hat ein neues Positionspapier zur Rolle der Kommunen in der Kulturpolitik veröffentlicht. Unter dem Titel „Kultur gestalten – Lebensqualität sichern“ betont der Verband die Verantwortung von Städten und Gemeinden, eine vielfältige kulturelle Infrastruktur zu erhalten und kulturelle Teilhabe für alle Bürgerinnen und Bürger zu ermöglichen.
Laut DStGB trägt Kultur erheblich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Sie schafft Begegnungsräume zwischen Generationen und sozialen Gruppen, stiftet Identität und Gemeinschaft und leistet einen Beitrag zur Demokratieförderung durch kulturelle Bildung. Städte und Gemeinden seien daher verpflichtet, Kulturangebote von Bibliotheken und Musikschulen über Theater, Museen und Konzerte bis hin zu Kinos als festen Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge zu fördern.
Die Digitalisierung schreitet auch in den Kommunen voran und hat insbesondere während der Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen. Viele Kulturinstitutionen entwickelten kurzfristig digitale Formate, darunter Livestreams, virtuelle Ausstellungen und Online-Ticketing. Diese Entwicklungen zeigen das Potenzial digitaler Kulturarbeit, stoßen jedoch insbesondere in kleineren Kommunen an strukturelle Grenzen. Nach Einschätzung des DStGB erfordert nachhaltige Digitalisierung klare Strategien, gezielte Qualifizierung, Investitionen und eine bessere Koordination, um digitale Angebote langfristig zu sichern und kulturelle Teilhabe zu stärken.
Rund 40 Prozent der öffentlichen Ausgaben für Kultur stammen von den Kommunen. Finanzielle Engpässe bedrohen nicht nur große Kulturzentren, Theater oder Museen, sondern auch Einrichtungen der kulturellen Bildung. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund verweist jedoch darauf, dass Haushaltsnotlagen auch Chancen bieten: Sie könnten dazu genutzt werden, Strukturen zu prüfen, Synergien zu nutzen und Kooperationen zwischen Kultureinrichtungen zu stärken.
Regionale Kultur
Interkommunale Zusammenarbeit gilt als zentral, um kulturelle Angebote regional zu erhalten. So können etwa Theater oder Museen gemeinsam betrieben und ein attraktives Kulturprofil in der Region geschaffen werden. Der DStGB verweist auf den „kooperativen Kulturföderalismus“ zwischen Bund, Ländern und Kommunen, der sich als erfolgreich erwiesen habe. Kulturpolitische Spitzengespräche und Initiativen wie die Kulturstiftung des Bundes unterstützen seit Jahren innovative Projekte in den Kommunen, darunter Programme wie „LOKAL – Programm für Kultur und Engagement“ oder „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“.
Kulturelle Vielfalt sei ein zentrales Merkmal der deutschen Kulturlandschaft. In Städten und Gemeinden fördere man sowohl „Hochkultur“ als auch „Breitenkultur“, die sich ergänzen. Die Angebote reichen von Opern, Theatern und Museen über Heimatmuseen, Musikschulen, Bibliotheken und Jugendkunstschulen bis hin zu Laienchören, Orchestern, Spielmannszügen oder Theatergruppen. In ländlichen Regionen kommt der Soziokultur eine besondere Bedeutung zu, etwa durch Musikevents, Skulpturenparks oder Theaterprojekte, die den Regionen ein überregionales Profil verleihen können.
Insbesondere in ländlichen oder strukturschwachen Räumen sind kreative Konzepte für die kulturelle Infrastruktur gefragt. Förderprogramme sollen die Entwicklung von sogenannten Dritten Orten ermöglichen – zentrale Kulturknotenpunkte, in denen Bürgerinnen und Bürger aktiv teilhaben können. Diese Orte kombinieren Bibliotheken, Cafés, Kinovorstellungen und kulturelle Veranstaltungen und fördern die gesellschaftliche Teilhabe.
Kulturelle Bildung ist laut DStGB eine tragende Säule der kommunalen Kulturpolitik. Besonders Kinder und Jugendliche sollten frühzeitig Zugang zu kulturellen Angeboten erhalten. Schulen und kulturelle Einrichtungen arbeiten zunehmend vernetzt zusammen: Bibliotheken unterstützen Leseförderung, Museen bieten Lernprojekte, Musikschulen ermöglichen musikalische Ausdrucksmöglichkeiten, und Theater oder Tanzprojekte werden in die Ganztagsbildung integriert. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Milieus niedrigschwellig an Kultur heranzuführen und langfristig gesellschaftliche Teilhabe zu fördern. Digitale Formate erhöhen die Reichweite kommunaler Kulturangebote. Bibliotheken setzen eBooks ein, Volkshochschulen entwickeln eLearning-Angebote, Musikschulen nutzen Lern-Apps, Museen digitalisieren Kulturgut, und Theater greifen digitale Elemente in ihre Programme ein. Über Kulturplattformen können Angebote zudem einem größeren Publikum bekannt gemacht werden.
Kulturwirtschaft und Kulturtourismus seien wichtige Standortfaktoren, betont der DStGB. Kreativwirtschaftliche Aktivitäten und regionale Kulturprojekte könnten zur Wirtschaftsförderung beitragen, etwa durch Kooperationen zwischen Kultur, Tourismus, Hotellerie und Gastronomie.
Ein weiteres Anliegen ist die Provenienzforschung zur NS-Raubkunst. Viele Kommunen stehen hier weiterhin vor großen Herausforderungen, da sowohl Personal als auch finanzielle Mittel erforderlich sind. Das 2015 gegründete Deutsche Zentrum für Kulturgutverluste unterstützt Kommunen fachlich und finanziell. Bund, Länder und Kommunen haben zudem die Beratende Kommission reformiert, die seit 2026 als echte Schiedsgerichtsbarkeit arbeitet.