Beitritt der Kommunalen Spitzenverbände: Bayern-Allianz gegen Desinformation

GZ Ausgabe GZ-4-2026 vom 12. Februar '26 | Landes-, Bundes- und Europapolitik, Verbände
von Doris Kirchner
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Kurz vor der Kommunalwahl am 8. März 2026 wächst die Bayern-Allianz gegen Desinformation: Bayerischer Gemeindetag, Bayerischer Städtetag, Bayerischer Landkreistag und Bayerischer Bezirketag sind dem Bündnis beigetreten. Das teilten Innen- und Kommunalstaatssekretär Sandro Kirchner und Digitalminister Dr. Fabian Mehring im Innenministerium mit.

Ziel sei, Kommunen als „erste Ebene von Politik“ gegen gezielte Falschinformationen im Netz zu stärken – mit Aufklärung, Workshops und Materialangeboten für Mandatsträger und Verwaltungen.

Kein Wahrheitsministerium

Mehring betonte, der Freistaat wolle „kein Wahrheitsministerium“ sein. Maßstab seien die Grenzen der Verfassung: „Alles, was innerhalb dessen stattfindet, ist normaler politischer Diskurs.“ Das Bündnis richte sich gegen gezielt verbreitete, wissentlich falsche Inhalte, die darauf abzielten, „öffentliche Meinungsbildung zu manipulieren, Einfluss auf Gesellschaft zu nehmen, Wirtschaft zu schädigen“.

Kirchner verwies auf ein „besorgniserregendes Gefährdungsstadium“: Desinformation werde „gezielt, breit angelegt und orchestriert“ verbreitet, um Vertrauen in Staat und Demokratie zu schwächen. Er nannte als Beispiele u. a. gefälschte Medienseiten („Doppelgänger“-Kampagnen) und manipulierte Inhalte rund um Wahlvorgänge oder Ereignisse, die anschließend von Faktenchecks klassischer Medien eingeordnet wurden.

Kommunen als Schlüssel: Nähe, Multiplikatoren, schnelle Richtigstellung

Mit dem Beitritt der kommunalen Spitzenverbände soll die Allianz „noch näher an die Menschen“ rücken. Mehring argumentierte, das Bild des Staates entstehe weniger in Talkshows als im Kontakt „in den Rathäusern und Landratsämtern“. Gerade dort wirkten Angriffe auf Vertrauen besonders stark – zugleich seien die Chancen groß, durch persönliche Ansprache gegenzusteuern.

Franz Löffler, Präsident des Bayerischen Bezirketags, unterstrich die Bedeutung persönlicher Begegnungen für Vertrauen: Kommunalpolitiker seien präsent „bei Feuerwehrveranstaltungen, Sportvereinen“ – Nähe schaffe Glaubwürdigkeit. Gleichzeitig brauche es Erklärfähigkeit: Auch unpopuläre Entscheidungen (etwa Energieprojekte) ließen sich tragen, wenn sie „sauber“ erläutert würden.

Strategische Waffe

Thomas Habermann (Landkreistag; stellvertretend auch für Städtetag und Gemeindetag) zeichnete den Wandel nach: Desinformation sei „kein Stammtischgerücht mehr“, sondern werde durch digitale Verbreitungsgeschwindigkeit, KI-Tools und orchestrierte Kampagnen zur strategischen Waffe – mit Risiken für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Wahlprozesse. Kommunen spürten dies besonders, etwa bei Gerüchten über Flüchtlingsunterkünfte, Kliniken/Krankenhausstandorte oder Windkraft- und Photovoltaikprojekte. Häufig müssten Rathäuser „hinterherlaufen“ und richtigstellen.

Maßnahmen: Aufklärung, Workshops, Materialpakete – und politische Debatten

Beide Ministerien stellten die Allianz als Kombination aus Prävention und Reaktion dar: Einerseits sollen Bürgerinnen und Bürger lernen, Inhalte zu prüfen; andererseits sollen Behörden und Partnerkampagnen Desinformation sichtbar machen und kontern.

Portal des Innenministeriums

Kirchner verwies auf das Innenministeriums-Portal „_GELOGEN?! Lass dich nicht manipulieren“, das Beispiele, Erkennungsmerkmale und Verifikationshinweise bündelt. Die Kampagne werde auch über Online-Werbung verbreitet; genannt wurden Reichweiten in Millionenhöhe.

Mehring hob die Rolle der Tech-Unternehmen innerhalb der Allianz hervor – „Lösungen und Probleme zugleich“. Er verwies auf gemeinsame technische Ansätze zur Erkennung und Kennzeichnung manipulierter Inhalte (u. a. über „Credentials“) sowie auf Sensibilisierungskampagnen. Zugleich kündigte er an, politische Debatten aus dem Bündnis heraus weiter zu treiben – etwa zu Transparenz über Finanzströme, Verantwortlichkeiten der Plattformen und Regeln im digitalen Raum.

Schulungen und Workshops vor Ort

Ein Schwerpunkt liegt auf kommunalen Multiplikatoren: In Workshops vor Ort sollen Mandatsträger, Verwaltungsmitarbeitende und weitere Akteure praxisnah geschult werden – auch mit Blick auf KI-basierte Fälschungen. Ergänzend soll ein vom JFF – Institut für Medienpädagogik erarbeitetes Material- und Toolset („Fakefrei“) in die Fläche kommen: Künftig sollen es nicht nur Mitglieder aus Zivilgesellschaft und Partnernetzwerken erhalten, sondern auch alle bayerischen Kommunen. Für die Wochen vor der Kommunalwahl kündigte Mehring zudem eine landesweite Sensibilisierungskampagne an.

„Demokratie beginnt vor Ort“

In der Pressemitteilung werten Staatsregierung und Spitzenverbände den Beitritt als „kraftvolles Signal“: Die Allianz wachse auf „mehr als 40 Akteure“. Kirchner betonte, Kommunen seien „zentrale Orte demokratischer Teilhabe“ und müssten als erste Anlaufstellen für Bürgerinnen und Bürger geschützt werden. Mehring nannte den Schulterschluss mit der kommunalen Familie einen Zugewinn an Schlagkraft „gemeinsam, föderal und digital“.

Für die kommunalen Spitzenverbände steht die praktische Dimension im Mittelpunkt: Die digitale Resilienz von Mandatsträgern und Verwaltungen soll steigen – damit Falschinformationen vor Ort schneller erkannt, eingeordnet und, wo nötig, unmittelbar richtiggestellt werden können.

Hintergrund: Die Bayern-Allianz gegen Desinformation wurde im Frühjahr 2024 von Innen- und Digitalministerium gegründet und baut auf Kooperation mit Plattformen/Unternehmen, Medien, Zivilgesellschaft und staatlichen Stellen auf – nun ergänzt um die kommunale Ebene.

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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