Bayerisches Kabinett: „Schmuckstück“ Niederbayern
von Doris Kirchner

Kabinett vor Ort: Der Bayerische Ministerrat befasste sich in seiner auswärtigen Sitzung im Herzogschloss Straubing intensiv mit der Entwicklung Niederbayerns. Im Anschluss an die Beratungen stellten Ministerpräsident Dr. Markus Söder, der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Bauminister Christian Bernreiter die aktuellen Maßnahmen und strategischen Vorhaben der Staatsregierung für die Region vor.
„Niederbayern ist ein Schmuckstück in der bayerischen Landschaft und ganz wichtig sowohl für die Identität und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Bayerns“, hob Ministerpräsident Söder eingangs hervor. Der Regierungsbezirk profitiere überdurchschnittlich von der kommunalen Finanzausstattung. Die Kommunen erhielten höhere Schlüsselzuweisungen je Einwohner als im bayerischen Durchschnitt sowie rund 211 Millionen Euro aus dem kommunalen Investitionsbudget. Zugleich verwies Söder auf die vergleichsweise solide Finanzlage der niederbayerischen Kommunen, deren Pro-Kopf-Verschuldung deutlich unter dem Landesdurchschnitt liegt.
Robuste Wirtschaftsstruktur
Wirtschaftlich zeigt sich die Region weiterhin robust. Sie ist stark industriell geprägt, fast jeder dritte Beschäftigte arbeitet im Verarbeitenden Gewerbe. Wichtige Branchen sind die Fahrzeugindustrie, der Maschinenbau und die Metallverarbeitung, ergänzt durch leistungsfähiges Handwerk, Landwirtschaft und Tourismus. Die Arbeitslosenquote lag 2025 bei 4,0 Prozent und damit auf bayerischem Niveau sowie deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Der Freistaat unterstützt Investitionen der Unternehmen durch Regionalförderprogramme und setzt zugleich auf Innovationsförderung. Programme der Hightech Agenda Bayern, der Transformationsfonds sowie Technologie- und Gründerzentren in Straubing, Deggendorf, Landshut und Passau sollen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig sichern.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau von Zukunftstechnologien. In Niederbayern sind mehrere Fraunhofer-Einrichtungen und Forschungszentren angesiedelt, die sich unter anderem mit Biotechnologie, nachhaltigen Rohstoffen, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz befassen. Ziel ist es, den Transfer von Forschungsergebnissen in den Mittelstand zu beschleunigen und neue Wertschöpfung in der Region zu ermöglichen.
Auch die Energiewende war Thema der Kabinettssitzung. Der Regierungsbezirk zählt bayernweit zu den Regionen mit dem stärksten Ausbau erneuerbarer Energien. Bereits heute sind Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von rund sechs Gigawatt in Betrieb. Damit leistet Niederbayern einen wesentlichen Beitrag zur Stromerzeugung aus Sonnenenergie im Freistaat. Ergänzt wird dies durch Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von rund 35 Megawatt sowie durch Biogasanlagen mit insgesamt rund 206 Megawatt. Im Rahmen der BioWärme Bayern wurden seit Mai 2023 Biomasseheizwerke und zugehörige Wärmenetze mit rund 4,9 Mio. Euro gefördert. So können rechnerisch pro Jahr rund 7.600 Tonnen Kohlendioxidäquivalente eingespart werden.
Von zentraler Bedeutung für die Stabilität des Energiesystems ist das geplante Pumpspeicherkraftwerk Riedl im Landkreis Passau. Das Projekt soll in den kommenden Jahren fertiggestellt werden und eine installierte Leistung von rund 300 Megawatt erreichen. Mit einer Speicherkapazität von mehreren Millionen Kilowattstunden kann das Kraftwerk überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien aufnehmen und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen. Gerade angesichts der wachsenden Einspeisung aus Photovoltaik und Windkraft kommt dem Pumpspeicher eine Schlüsselrolle bei der Netzstabilität und Versorgungssicherheit zu. Für die Staatsregierung stellt das Projekt einen zentralen Baustein für den Umbau der Energieversorgung in Bayern dar.
Große Bedeutung wird auch dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur beigemessen. Niederbayern nimmt als Transitregion Richtung Österreich und Osteuropa eine wichtige Rolle ein. Entsprechend hoch sind die Investitionen in Straßen, Schienen und Wasserstraßen. Zu den bedeutenden Projekten zählen der sechsstreifige Ausbau der Autobahn A3 zwischen Deggendorf und Hengersberg, laufende Maßnahmen auf der A92 und A93 sowie der weitere Ausbau der A94. Darüber hinaus investiert der Freistaat in Bundes- und Staatsstraßen, Ortsumgehungen und den Ausbau des Radwegenetzes.
Um die Anbindung Niederbayerns auf der Schiene zu verbessern, stehen mehrere Projekte an, etwa die Elektrifizierung der Strecken Landshut – Mühldorf und Mühldorf – Simbach, außerdem der Ausbau der Strecke Landshut – Plattling. Gemäß Grundgesetz ist der Bund bzw. die Deutsche Bahn für Ausbau und Erhalt der Schieneninfrastruktur zuständig. Der Freistaat setzt sich mit Nachdruck dafür ein, dass die Maßnahmen ohne Verzögerung durchgeführt werden.
Darüber hinaus engagiert sich der Freistaat Bayern im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten freiwillig, um Infrastrukturprojekte des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) voranzutreiben. Dazu zählen etwa Ausbaumaßnahmen zwischen Landshut und Plattling, ein neuer Begegnungsbahnhof auf der Rottalbahn zwischen Mühldorf und Passau, die Umstellung des Netzes „Bayerwald“ auf Akku-Züge und der Ausbau der Gäubodenbahn von Neufahrn über Straubing nach Bogen.
Niederbayern entwickelt sich darüber hinaus zu einer starken Wissenschaftsregion. Rund 25.000 Studenten sind an den Hochschulen der Region eingeschrieben. Die Technische Hochschule Deggendorf gilt als zentraler Innovationsanker mit internationaler Ausrichtung, ergänzt durch die Hochschule Landshut und die Universität Passau. Der Campus Straubing der Technischen Universität München hat sich zu einem wichtigen Zentrum für Bioökonomie und Nachhaltigkeit entwickelt. Mit dem Medizincampus Niederbayern soll zudem die medizinische Versorgung im ländlichen Raum langfristig gestärkt werden.
Kulturelle Vielfalt
Stichwort kulturelle Vielfalt: Niederbayern verfügt über ein dichtes Netz an Theatern, Museen, Bibliotheken und Festivals. Gerade das musikalische Angebot besticht durch ein vielfältiges Repertoire, erstklassige Darbietungen und einzigartige Spielorte: Musikalische Höhepunkte sind etwa die Festspiele Europäische Wochen Passau, das „Musikfest Niederbayern – ein schöner Land“ der Sinfonietta Essenbach, das Young Classic Europe in Passau oder das Internationale Musikfestival Bluval in Straubing. Überregional von hoher künstlerischer Bedeutung sind zudem die alle zwei Jahre stattfindenden Landshuter Hofmusiktage. Dazu kommt ein leistungsstarkes Musikschulangebot sowie die fest im gesellschaftlichen Leben verwurzelte lebendige Laienmusikszene.
Der Tourismus bleibt ein zentraler Wirtschaftsfaktor für Niederbayern. Im Jahr 2024 erzielte die Branche einen Bruttoumsatz von rund 3,15 Milliarden Euro. Besonders der Gesundheits- und Thermentourismus spielt eine tragende Rolle. Der Freistaat unterstützt die touristische Entwicklung durch Förderprogramme, Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung und nachhaltige Angebote sowie durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Österreich und Tschechien.
Mit Blick auf die Rolle der Landwirtschaft und der Entwicklung des ländlichen Raums unterstrich die Staatsregierung die Bedeutung der Ernährungssouveränität als Bestandteil staatlicher Krisenvorsorge. Voraussetzung dafür sei eine leistungsfähige und wirtschaftlich tragfähige Landwirtschaft sowie eine weiterhin angemessen ausgestattete Gemeinsame Agrarpolitik der EU.
Zugleich setzt der Freistaat auf eine strategische Ausrichtung der Agrarexporte, um bestehende Märkte zu sichern und neue Absatzmärkte zu erschließen. Die Digitalisierung gilt dabei als zentraler Hebel für Effizienz, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Moderne Technologien sollen Landwirte entlasten und Ressourcen schonen.
Auch der ländliche Raum soll von der digitalen Transformation profitieren. Mit gezielten Förderprogrammen unterstützt die Staatsregierung Kommunen bei der Entwicklung digitaler Strategien, um regionale Wertschöpfung zu sichern, die Lebensqualität zu verbessern und gleichwertige Lebensverhältnisse im Freistaat zu stärken.