Bayerischer Ministerrat: Unterfränkische Perspektiven

GZ Ausgabe GZ-6-2026 vom 12. März '26 | Landes-, Bundes- und Europapolitik, Verbände
von Doris Kirchner
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Die Lage und Entwicklung Unterfrankens stand im Zentrum einer Sitzung des Bayerischen Kabinetts in der Kunsthalle Schweinfurt im Beisein der Regierungspräsidentin von Unterfranken, Dr. Susanne Weizendörfer, des Bezirkstagspräsidenten Stefan Funk sowie der Oberbürgermeister und Landräte aus der Region. Im Rahmen einer Pressekonferenz berichteten Ministerpräsident Dr. Markus Söder, Gesundheitsministerin Judith Gerlach und Kultusministerin Anna Stolz über die Ergebnisse der Beratungen.

Die Kommunen in Unterfranken zeigen nach Angaben der Staatsregierung eine positive finanzielle Entwicklung. Die Steuerkraft je Einwohner stieg im vergangenen Jahr um gut zehn Prozent – der zweitstärkste Zuwachs in Bayern. Auch die Umlagekraft hat sich seit 2017 deutlich erhöht. Gleichzeitig bleibt die Pro-Kopf-Verschuldung der unterfränkischen Kommunen die niedrigste im Freistaat und liegt 39 Prozent unter dem bayerischen Durchschnitt. Der Bezirksumlagesatz bleibt mit 20,69 Prozent erneut der niedrigste in Bayern. Aus Schlüsselzuweisungen erhält Unterfranken 2026 über 648 Millionen Euro, was pro Kopf rund 491 Euro entspricht.

Regionale Unterstützung durch den Freistaat

Auch wirtschaftlich ist die Region gut aufgestellt. Rund ein Viertel der Beschäftigten arbeitet im verarbeitenden Gewerbe, insbesondere in Maschinenbau, Fahrzeugindustrie und Elektrotechnik. Diese Branchen bilden das Rückgrat der regionalen Wirtschaft und sorgen für eine hohe Wertschöpfung. Die Arbeitslosenquote lag 2025 bei 4,0 Prozent und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Zwar stieg sie leicht gegenüber dem Vorjahr, spiegelt jedoch die konjunkturelle Entwicklung auf nationaler Ebene wider.

Der Freistaat unterstützt Unternehmen durch Regionalfördermittel in Höhe von 21,3 Millionen Euro. Diese Mittel fließen in Investitionen, Modernisierung und Innovationsprojekte. Auch die Start-up- und Gründerlandschaft entwickelt sich positiv. Der Ausbau digitaler Infrastruktur und die Vernetzung von Wirtschaft und Forschung sollen zusätzliche Impulse setzen.

Unterfranken zählt zu den führenden Wissenschaftsregionen Bayerns. Die Julius-Maximilians-Universität Würzburg ist mit mehr als 25.000 Studierenden eine der traditionsreichsten Universitäten Deutschlands. Zwei Exzellenzcluster in den Bereichen Quantenmaterialien und Nukleinsäureforschung machen sie zu einem international anerkannten Forschungsstandort. Ein geplantes Max-Planck-Institut im Bereich Biomedizin soll die Spitzenforschung weiter stärken und neue Kooperationen ermöglichen.

Innovationskraft durch Wissenschaft und neue Technologien

Die Hochschule für angewandte Wissenschaften trägt ebenfalls zur Innovationskraft der Region bei. Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt und die Technische Hochschule Aschaffenburg entwickeln praxisnahe Studienangebote und Forschungsprojekte. Schwerpunkte liegen in Digitalisierung, Robotik, Gesundheitswissenschaften und nachhaltiger Produktion.

Ein zentraler Akteur im Innovationsnetzwerk ist die Bayern Innovativ GmbH. Das Unternehmen vernetzt Forschung, Wirtschaft und öffentliche Akteure, um neue Technologien und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Projekte reichen von Industrie 4.0 über Nachhaltigkeit bis hin zu Digitalisierung. Ergänzt wird das Netzwerk durch den Umweltcluster Bayern, der Unternehmen bei umweltfreundlichen Innovationen unterstützt – etwa im Recycling und in der Elektromobilität.

Weiterhin gut aufgestellt ist die Krankenhausversorgung: Allein von 2020 bis 2024 flossen rund 246 Millionen Euro für notwendige Investitionen in die unterfränkischen Plankrankenhäuser, davon rund 100 Millionen Euro für bauliche Verbesserungs- und Konzentrationsmaßnahmen. Mit derzeit 34 Krankenhausstandorten, rund 7.700 Betten und einem ausgewogenen Versorgungsangebot von der wohnortnahen Grundversorgung über leistungsfähige Häuser der Schwerpunktversorgung bis zur Spitzenmedizin am Universitätsklinikum Würzburg ist die medizinische Versorgung der Bevölkerung auf hohem Niveau gesichert.

Energiewende schreitet voran

Die Energiewende schreitet zügig voran. Insbesondere beim Ausbau der Windenergie leistet Unterfranken zusammen mit Oberfranken den größten Beitrag in Bayern. Die installierte Leistung der Windkraftanlagen in Unterfranken beträgt 674 MW, dies entspricht rund einem Viertel der in Bayern installierten Anlagenleistung bei der Windenergie. Zudem sind Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von 3,6 GW in Betrieb. Die installierte Leistung der Biogasanlagen liegt derzeit bei rund 92 MW. Im Rahmen des Förderprogramms BioWärme Bayern wurden seit Mai 2023 Biomasseheizwerke und zugehörige Wärmenetze mit rund 0,5 Millionen Euro gefördert. So können rechnerisch pro Jahr rund 846 Tonnen Kohlendioxidäquivalente eingespart werden.

Verkehrsdrehscheibe

Unterfranken liegt an zentralen europäischen Verkehrsachsen und spielt eine wichtige Rolle im nationalen und internationalen Verkehr. Der sechsstreifige Ausbau der Autobahn A3 zwischen Nürnberg und Frankfurt steht kurz vor dem Abschluss und soll den Verkehrsfluss verbessern. Zahlreiche Brückenprojekte an der A7 erhöhen die Sicherheit und Modernität der Infrastruktur.

Auch im Bereich der Bundes- und Staatsstraßen wird kontinuierlich investiert. Die Staatlichen Bauämter betreuen ein umfangreiches Straßennetz von mehr als 700 Kilometern Bundesstraßen und fast 2.000 Kilometern Staatsstraßen. Neubau- und Ausbauprojekte, darunter Ortsumgehungen, sollen den Verkehrsfluss verbessern und Ortskerne entlasten. Ein Beispiel sind die Planungen zur Ortsumfahrung Arnstein. Investitionen in kommunale Straßen ergänzen diese Maßnahmen.

Zudem wird der öffentliche Nahverkehr ausgebaut. Mit dem Verkehrsverbund Mainfranken ist ganz Franken in leistungsfähige Tarifstrukturen integriert, die den Zugang zum ÖPNV erleichtern.

Förderprogramme unterstützen zudem On-Demand-Angebote und innovative Mobilitätskonzepte.

Neue Radwege

Mit mehr als 110 Kilometern neuen Radwegen an Bundes- und Staatsstraßen sollen alternative Verkehrsmittel gefördert und der motorisierte Individualverkehr entlastet werden. Projekte wie Radschnellverbindungen zwischen Aschaffenburg und Hanau oder innerregionale Radwege schaffen attraktive Angebote für Pendler und Freizeitverkehr.

Projekte wie die Elektrifizierung von Bahnstrecken und der Ausbau barrierefreier Bahnhöfe sollen den Schienenverkehr attraktiver machen. Unterfranken profitiert zudem von der Bedeutung des Mains als Bundeswasserstraße.

Vielfältige Kulturlandschaft

Unterfranken verfügt über eine vielfältige Kulturlandschaft, die weit über die Region hinaus ausstrahlt. Die geplante Neukonzeption des Museums für Franken auf der Festung Marienberg soll die historische und kulturelle Bedeutung der Region stärker sichtbar machen.

Ein kulturelles Highlight ist die Musiklandschaft Unterfrankens. Die Hochschule für Musik Würzburg verbindet Tradition und Innovation und bildet Musiker auf internationalem Niveau aus. Festivals wie das Mozartfest Würzburg und der Kissinger Sommer ziehen Künstler und Besucher aus aller Welt an.

Das Mainfranken Theater Würzburg entwickelt sich zu einem kulturellen Leuchtturm mit Schauspiel, Musiktheater und Ballett. Die geplante Umwandlung in ein Staatstheater soll die institutionelle Basis stärken und langfristige Planungssicherheit schaffen.

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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