Bayerische Innen- und Sicherheitspolitik 2026: Mehr Videoüberwachung und Drohnenabwehr
von Doris Kirchner

Mehr Sicherheit an Kriminalitätsbrennpunkten, eine personell und technisch besser aufgestellte Polizei sowie neue Strategien zur Erkennung und Abwehr von Drohnen: Für das neue Jahr hat sich der Freistaat Bayern in der Innen- und Sicherheitspolitik viel vorgenommen. „Sicherheit durch Stärke heißt unsere Strategie“, erklärte Innenminister Joachim Herrmann mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen.
Nach Angaben des Ministers hat die bayerische Polizei mit mehr als 45.700 Beschäftigten inzwischen eine Höchstmarke beim Stellenbestand erreicht. Auch in den kommenden Jahren soll weiter aufgestockt werden. Für 2026 kündigte Herrmann die Einstellung von mindestens 1.400 zusätzlichen Kräften an. Zudem ist geplant, die Sicherheitswacht weiter auszubauen. Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl der Ehrenamtlichen von derzeit rund 1.500 auf 2.000 steigen.
Kampf gegen Kriminalität
Einen besonderen Schwerpunkt sieht Herrmann im Kampf gegen Kriminalität an Bahnhöfen und in Innenstädten. Dabei gehe es nicht nur um die objektive Sicherheitslage, sondern auch um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung, das noch verbesserungswürdig sei. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen Landes- und Bundespolizei künftig enger zusammenarbeiten, unter anderem durch häufigere gemeinsame Streifen. Darüber hinaus prüft das Innenministerium die Einrichtung von Verbotszonen für Cannabis.
Eine wichtige Rolle in der Sicherheitsstrategie des Freistaats spielt nach den Worten Herrmanns auch die Videoüberwachung. An Kriminalitätsbrennpunkten soll diese weiter ausgebaut werden. Geplant ist die Anschaffung neuer Kameras, die Erneuerung bestehender Anlagen sowie die Anpassung der technischen Infrastruktur an die fortschreitende Digitalisierung. Nach Angaben des Innenministers investiert der Freistaat dafür derzeit rund 3,8 Millionen Euro.
Neues Landesamt für Bevölkerungsschutz
Konkretere Formen soll in den kommenden Monaten auch das neue Landesamt für Bevölkerungsschutz annehmen. Unter seinem Dach sollen künftig „klare Führungsstrukturen für den Katastrophen- und Zivilschutz“ festgelegt werden. Einen entsprechenden Plan kündigte Herrmann bis spätestens Ende März an. In diesem Zusammenhang misst der Minister auch der Zusammenarbeit von Polizei und Bundeswehr große Bedeutung bei. Bereits im März wollen sich beide im Rahmen einer bundesweiten Übung gemeinsam auf einen möglichen Ernstfall vorbereiten.
Aufbau eines Kompetenz- und Abwehrzentrums
Um sich gegen mögliche Übergriffe durch Drohnen zu wappnen, plant der Freistaat zudem den Aufbau eines Kompetenz- und Abwehrzentrums. Dieses soll bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei angesiedelt und von einer eigenen Task Force betrieben werden. Ziel sei es, modernste Technik mit praxisnaher Einsatzkompetenz zu verbinden. Vorgesehen ist eine enge Zusammenarbeit mit Polizei, Bundeswehr, weiteren Sicherheitsbehörden und Technologiepartnern. Geplant ist, die Möglichkeiten zum Aufspüren und zur Abwehr von Drohnen zunächst an den Flughäfen in München, Nürnberg und Memmingen auszubauen.
Migrationswende
Zufrieden zeigte sich der Innenminister schließlich mit der Entwicklung im Bereich Migration. „Die Migrationswende ist im vollen Gange“, unterstrich Herrmann. Der Neuzugang von Asylbewerbern habe sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert. Als ein zentrales Instrument nannte er das europäische Ein- und Ausreisesystem, das die Sicherheit an den Außengrenzen der Europäischen Union erhöhen soll. Dieses soll ab Ende Januar an den Flughäfen in Memmingen und Nürnberg in Betrieb gehen. Am Münchner Flughafen wurde es bereits im November an den Terminals 1 und 2 eingeführt.
Nach Angaben der Bundespolizei sind 2025 (Stichtag 31. Oktober) 12.207 Menschen unerlaubt nach Bayern eingereist. 2024 waren es 16.306. Das ist ein drastischer Rückgang im Vergleich zu den ersten zehn Monaten des Jahres 2023, als noch 30.154 illegal Eingereiste gezählt wurden. Die drei häufigsten Herkunftsländer waren 2025 Ukraine, Syrien und Afghanistan.
Zudem wurden laut Bundespolizei bis 31. Oktober 633 Schleuser gefasst, zehn Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum (703). Auch hier setzt sich der Rückgang fort: 2023 waren es bis Oktober noch 1.223 Schleuser.
Stark zurück gegangen ist auch die Zahl der Geschleusten unter den unerlaubt Eingereisten: Machte im Jahr 2024 die Zahl mit 3.382 Geschleusten etwas mehr als ein Fünftel aus, waren es 2025 nur 1.035 Geschleuste. Ein Sprecher der Bundespolizei erläuterte: „Nicht jede unerlaubt eingereiste Person wurde auch geschleust, aber jede geschleuste Person ist unerlaubt eingereist.“
Weniger unerlaubte Einreisen
Eine Verschiebung gab es laut Bundespolizei bei der Art der Einreise: Die Zahl der unerlaubten Einreisen zu Fuß ging um 80 Prozent zurück und macht lediglich noch ein Prozent aus. Ebenfalls bei einem Prozent liegt der Anteil der Einreisen per Lastwagen (Rückgang um 44 Prozent) und bei drei Prozent die per Kleinbus und Transporter (Rückgang um 40 Prozent).
Den Hauptanteil machen mit 29 Prozent beziehungsweise 3.556 Fällen die illegalen Einreisen mit dem Auto aus, gefolgt von Reisebus (etwa 25 Prozent/3.041 Fälle), Zug (etwa 25 Prozent/3.011 Fälle) und Flugzeug (15 Prozent/1.771 Fälle).
Bürger aus der EU können in der Regel nicht unerlaubt einreisen, wie ein Sprecher erläuterte. Als unerlaubt Eingereiste gelten Menschen von außerhalb der EU, die beispielsweise nicht die erforderlichen Visums- und Grenzübertrittsdokumente oder keine finanziellen Sicherheiten vorweisen können.
Mehr Abschiebungen und Ausreisen
Unterdessen stieg die Zahl der Abschiebungen und freiwilligen Ausreisen deutlich. „Wir haben in den ersten elf Monaten des Jahres 2025 3.413 Rückführungen durchgeführt; schon jetzt deutlich mehr als im gesamten Jahr zuvor mit 3010. Das ist ein Plus von rund 24 Prozent“, teilte Herrmann mit. Zugleich wurden bis Ende November 14.705 freiwillige Ausreisen gezählt - ein Plus von knapp fünf Prozent im Vergleich zu den ersten elf Monaten des Vorjahres. Damit setze sich die Tendenz der letzten Monate weiter fort. „Mehr ausreisepflichtige Ausländer verlassen Bayern als Asylbewerber neu ankommen“, bilanzierte der Innenminister.