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(GZ-14-2023 - 20. Juli)
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► Verleihung des Heimatpreises Südbayern:

 

Traditionen leben und teilen

 

Sechs vorbildliche Heimatprojekte wurden bei einer Festveranstaltung in München von Finanz- und Heimatminister Albert Füracker mit dem Heimatpreis Südbayern ausgezeichnet. „Die Preisträgerinnen und Preisträger setzen langjährige und wertvolle Impulse für unsere bayerische Heimat. Sie fungieren durch ihre vielseitige und einzigartige Arbeit als Stütze Bayerns“, unterstrich Füracker.

Finanz- und Heimatminister Albert Füracker verlieh den „Heimatpreis Südbayern“ auch an das Schulprojekt „Chiemgauer Mund-ART Weg“ in Oberbayern. Bild: StMFH/Christian Blaschka
Finanz- und Heimatminister Albert Füracker verlieh den „Heimatpreis Südbayern“ auch an das Schulprojekt „Chiemgauer Mund-ART Weg“ in Oberbayern. Bild: StMFH/Christian Blaschka

Mit dem Heimatpreis Südbayern geehrt wurde der Straubinger Kalender, der als ältester Heimatkalender Deutschlands gilt. 2020 erschien er zum 425. Mal – das älteste erhaltene Exemplar stammt aus dem Jahr 1765. Wenngleich er früher als Kalendarium, für astronomische Daten, Bauernregeln und Wettervorhersagen gedacht war, enthält er seit dem 19. Jahrhundert vermehrt Geschichten, Gedichte, Anekdoten, Rätsel, Bilder und Gesundheitsratschläge. Für die Inhalte zeichnen einheimische Schriftsteller, Volkskundler, Historiker und Bürger der Stadt Straubing verantwortlich. Der Straubinger Kalender wird zum Teil sogar weltweit verschickt und ist dort für viele eine Brücke in die alte Heimat.

Abbau von Vorurteilen

Einen weiteren Heimatpreis erhielt der Volksmusikverein im Landkreis Landshut. Der in Postau ansässige „Verein für bairische Kultur“ besteht seit 25 Jahren. Ziele seiner Gründung waren der Abbau von Vorurteilen gegenüber der Volksmusik sowie die Bündelung von Kräften, um Hilfe und Zuarbeit für die Volksmusikpflege zu sichern. Dies erreicht der Verein durch das Abhalten von Seminaren für Interessierte und Gleichgesinnte, eine Fachbetreuung für Familien und Kinder, den Erhalt von Noten, Tänzen, Bild- und Tondokumenten, der Veröffentlichung mehrerer CDs sowie der vierteljährlichen Herausgabe der Zeitschrift „Postillion“. Dabei steht die Vermittlung von Wissen um Volksmusik und Brauchtum im Mittelpunkt.

Miteinander ohne jedwede gesellschaftliche Grenze

Ein weit über Landsberg am Lech hinaus bekanntes Kinderfest ist das Ruethenfest, das bereits seit 1647 gefeiert wird. Bei den Festlichkeiten mit Tanz, Umzügen, Lagerleben, musikalischen Darbietungen und Gastronomieangeboten in der gesamten Innenstadt wird die Landsberger Vergangenheit alle vier Jahre wiederbelebt. Höhepunkt der ehrenamtlich organisierten Veranstaltung ist der historische Festumzug mit Pferdegespann und stilvoll geschmückten Wägen. Das Ruethenfest ermöglicht über 1.000 Kindern ein Miteinander ohne jedwede gesellschaftliche Grenze, schafft Verbundenheit und macht die Landsberger Geschichte kindgerecht erleb- und nachspielbar.

Beim Schulprojekt „Chiemgauer Mund-ART Weg“ engagieren sich Schülerinnen und Schüler für den Erhalt ihres Chiemgauer Dialekts. Nach vielfältigem Einsatz durch Singen, Dichten und Schreiben kleiner Geschichten, der Aufnahme von Hördateien und eines Jingles sowie Online- und Bücherrecherchen zur bairischen Sprache, wurde der Chiemgauer Mund-ART Weg im Oktober 2022 eröffnet. Auf sieben Themenwegen verraten über 60 Schilder abwechslungsreiche Begriffe und Redewendungen der heimischen Mundart. QR-Codes liefern die richtige Aussprache und weitere interessante Fakten.

Alter Pfarrhof für gemeinschaftliche Nutzung

Ein weiterer Preisträger ist der schwäbische Förderverein Gempfinger Pfarrhof. Den Pfarrhof prägt eine wechselvolle Geschichte mit fast 20 Pfarrherren. Als sein Vorgängerbau vermutlich zerstört wurde, erfolgte 1709 ein Neubau in barockem Stil, der mehrfach als Militärunterkunft diente. Ab 2002 war der Pfarrhof vollständig unbewohnt, nachdem er im 20. Jahrhundert sehr heruntergekommen war. Daraus entstand der Entschluss zur Sanierung mit dem Ziel der gemeinschaftlichen Nutzung. Der Förderverein hat damit ein vorbildliches Zentrum des gesellschaftlichen Lebens geschaffen und bringt Menschen bei Ausstellungen, Konzerten, Vorträgen und Lesungen zusammen. Nur durch dieses tatkräftige Engagement waren der Erhalt und die Wiederbelebung des Gempfinger Pfarrhofes als geistig-kulturelles Zentrum des Dorfes möglich.

Forum im Dienst der Geschichte

Bereits im Jahr 1882 wurde der Historische Verein Memmingen gegründet. Seitdem unterstützt er die städtische Heimatpflege in verschiedenen Bereichen. Der Verein bewahrt geschichtliche Zeugnisse aller Art und ist Herausgeber diverser Publikationen zur Vermittlung historischer Fakten. Weiter veranstaltet er Vorträge, Führungen und Ausstellungen und engagiert sich in der Denkmalpflege, indem er sich kritisch mit modernen städtebaulichen Veränderungen und der Stadtentwicklung auseinandersetzt. Als Plattform und Gesprächsforum zur Weckung und Aufrechterhaltung des Bevölkerungsinteresses für die geschichtliche Vergangenheit, stellt sich der Verein in den Dienst von Geschichte und Kultur.

DK

 

 

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