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(GZ-17-2025 - 11. September)
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► Curricular Summit 2025 in Haar:

Gemeinsam Kreisläufe gestalten

Weg von der Wegwerfgesellschaft hin zu gesunden Produktionsverfahren und Verhaltensweisen, bei denen keine unwiederbringlichen Rohstoffe verschwendet und entsorgt, sondern sinnvoll wieder verwertet werden: Das ist die Idee einer konsequenten Kreislaufwirtschaft. Aktiver Treiber ist hier die Stadt Haar, Gastgeber des diesjährigen Circular Summit mit über 180 Teilnehmern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verbänden.

GZ 2025 17 14 Stadt Haar Dr Andreas Bukowski 0018 1Bürgermeister Dr. Andreas Bukowski. Bild: Stadt Haar

Laut Bürgermeister Dr. Andreas Bukowski ist Bauen in Haar ein wesentlicher Faktor für den CO2-Ausstoß, ebenso die Mobilität. Auf beiden Feldern nutze die Stadt ihren Gestaltungsspielraum. So sei das Bewahren von Bausubstanz seit vielen Jahren gesetzt. Beispiele sind das Rathaus, die alte Schule, die Kita Casinostraße oder das alte Maria-Stadler-Haus, das saniert wurde.

Künftig sollen beim Bauen verstärkt heimische und nachhaltige Materialien eingesetzt und Ressourcen geschont werden, um die sogenannte graue Energie zu sparen. Dahinter verbirgt sich der Gesamtaufwand für die Errichtung eines Gebäudes, auch Kosten für Transport und Materialherstellung sowie Entsorgung. Ein zirkuläres Gebäude würde dagegen die benötigte Energie selbst erzeugen, Regenwasser nutzen, natürlich belichtet und belüftet sein. Ein erstes C2C-Leuchtturmprojekt wird der Neubau des Jugendfreizeitheims DINO, der derzeit in Planung ist.

Stichwort Erneuerbare Energien. Wie der erneuerbare Anteil am Haarer Strommix gesteigert werden kann, darum kümmert sich eine Arbeitsgruppe des Stadtrates mit den Stadtwerken. Nach dem C2C-Grundverständnis werden bestmöglich Erneuerbare Energien genutzt. Auf vielen kommunalen Dächern gibt es bereits Photovoltaikanlagen. Zuletzt ist eine 90 KWp starke Anlage auf dem Dach der Grundschule St. Konrad entstanden, an der sich die Bürger über eine Einlage beteiligen können. Und auch auf dem Aufstockungsbau des Ernst-Mach-Gymnasiums wird eine PV-Anlage errichtet.

Auch beim Thema Mobilität legt die oberbayerische Stadt, Mitglied bei der C2C NGO und beim Klimabündnis, nach. Viele Ihrer Anregungen aus der Bürgerbeteiligungsrunde des Mobilitätskonzepts werden aufgegriffen, Fuß- und Radwege verbessert und alle Bushaltestellen barrierefrei ausgebaut. Die Stadtwerke ergänzen fortlaufend das Angebot an öffentlichen E-Ladesäulen. Auch die Stadt hat E-Fahrzeuge im Einsatz: am Bauhof, im Sportpark und für ihren Fahrservice.

Haar unterstützt Sharing-Angebote wie den neuen Haarer Autoteiler und stellt zwei kostenlose Lastenräder zur Verfügung. MVG-Mieträder erleichtern die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel abseits von Hauptverbindungsachsen. Auch das spart CO2. Das Hauptproblem, der Durchfahrtsverkehr, kann nicht auf die Schnelle gelöst werden, aber auch hier gibt es Ansätze: den Radschnellweg oder die Tram an der B 304. Digitale Unterstützung leistet der Stadt ein „Digitaler Zwilling“, der die Verkehrsflüsse in der Ortsmitte simuliert und analysiert.

Innovation, wirtschaftliche Chancen und ökologische Verantwortung

Wie Rathauschef Bukowski beim Circular Summit betonte, wolle Haar etwas verändern – „und wir tun es gemeinsam mit starken Partnern“. Im Zentrum der Veranstaltung stand die zentrale Botschaft: Kreislaufwirtschaft bedeutet Innovation, wirtschaftliche Chancen und ökologische Verantwortung zugleich. Unternehmerische Vorreiter wie Sebastian Kuhlen (DIBAG Industriebau AG), Andreas Striegel (IBCOL GmbH), Sarah Harbarth (Kuori GmbH), Klaus Roewekamp (TRILUX GmbH & Co. KG), Cedric Bardenhagen (Siemens AG) und Wilhelm Mauß (Lorenz GmbH & Co. KG) präsentierten erfolgreiche Praxisbeispiele – von biobasierten Materialien über innovative Geschäftsmodelle bis hin zu digitalen Produktpässen.

Nora Sophie Griefahn, Gründerin der NGO Cradle to Cradle, brachte es auf den Punkt: „Wirtschaftlichkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen schließen sich nicht aus.“

Die Transformation hin zu einer zirkulären Wirtschaft erfordert jedoch mehr als Technologie – sie braucht ein Umdenken. „Vom Egosystem zum Ökosystem“ lautete der Appell von Anna Reiner (Circular Blackforest) und Dr. Christoph Soukup (Steinbeis Beratungszentrum). Netzwerke, Partnerschaften und geteilte Kompetenzen seien der Schlüssel zum Erfolg.

Auch auf politischer und regulatorischer Ebene wurde Handlungsbedarf aufgezeigt. Alfred Mayr (Umweltcluster Bayern) forderte mehr Zusammenarbeit für eine enkeltaugliche Zukunft auf einem lebenswerten Planeten, während sich Landtagsabgeordneter Maximilian Böltl, Christine Fischer (Verband der bayerischen Wohnungswirtschaft) und Dr. Philipp Sprau (Bayerisches Umweltministerium) für gezielte intrinsische Anreize und kluge Rahmenbedingungen stark machten.

Dr. Andrea Büttner (Fraunhofer IVV Freising) mahnte zum Perspektivwechsel. „Grundsätzlich gilt: Rethink vor Reuse. Kreislaufwirtschaft ist mehr als Recycling – es geht um neue Materialien, neue Denkweisen und Geschäftsmodelle.“ Man spreche immer noch viel zu wenig von Inspiration und Innovation. Auch Künstliche Intelligenz kann nach Auffassung von Dr. Anne Ixmeier (LMU München) dabei eine Schlüsselrolle spielen: als Enabler für datenbasierte, effiziente Nutzungskonzepte.

DK

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