Aus den Kommunenzurück

(GZ-15/16-2022)
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► Landkreis Donau-Ries:

 

Internationale Ehrung für Landrat Stefan Rößle

Im Juni besuchten hochrangige politische Vertreter der Botschaft von Burkina Faso den Landkreis Donau-Ries. Anlass des Besuchs war die Auszeichnung von Landrat Stefan Rößle mit dem Chevalier de l‘Ordre des Palmes Académiques burkinabè (Ritter des Ordens Palmes Académiques), mit dem der Einsatz von Rößle für das Bildungswesen in Burkina Faso gewürdigt wurde. Die Auszeichnung fand im Rahmen des Netzwerktreffens Burkina Faso im Landratsamt statt. Engagierte aus dem Landkreis und benachbarten Regionen stellten hier ihr Engagement für Burkina Faso vor, bei dem mit über 700.000 Euro Spendengeldern zehn Schulbauprojekte initiiert werden konnten.

Aus Berlin von der Botschaft von Burkina Faso angereist waren dafür eigens Geschäftsträger Isidore Taro, Erster Botschaftsrat Pema Bationo und Verteidigungsattaché Oberst Jean-Baptiste Kabore. Taro dankte für das Engagement des Landkreises und aller Anwesenden: „Burkina Faso wird immer wieder von Terroranschlägen heimgesucht, was mittlerweile zu fast zwei Mio. Binnenvertriebenen geführt hat. Ich möchte mich daher bei der Bevölkerung des Landkreises für die Solidarität mit unserem Land bedanken, die auch durch die Förderung der Schulbauprojekte zum Ausdruck gebracht wird.“

Beziehungen seit 2018

Die Zusammenarbeit begann 2018, als der Landkreis sein Vorhaben startete, in der Provinz Poni, im Südosten Burkina Fasos, zwei Schulbauprojekte umzusetzen. Die Bürgerinnen und Bürger im Donau-Ries unterstützen die Idee eine Grundschule in Talière und eine Mittelschule in Boussera durch großzügige Spenden von insgesamt 130.000 Euro. Das Besondere: Das Landratsamt war direkt in die Planungs- und Bauphase involviert und in ständigem, engen Kontakt zu den Ansprechpartnern vor Ort. Die Grundschule wurde 2019, die Mittelschule 2020 eröffnet. Die Schülerzahlen sind seitdem stetig angestiegen. Um den Schülerinnen und Schülern das Lernen auch am Abend zu ermöglichen, übernahm die Stadt Rain Anfang 2021 die Finanzierung der Elektrifizierung der Schule in Höhe von 5.000 Euro. Bürgermeister Karl Rehm bekräftigte seinen Wunsch, künftig die Partnerschaft der Stadt Rain mit der Partnergemeinde in Tougan wieder aufleben zu lassen. Auch Landrat Rößle will die Beziehungen, die durch die Projektarbeit entstanden sind, weiter vertiefen und kündigte an, „leider konnten wir bei den Schuleröffnungen nicht anwesend sein, sobald es die politische und wirtschaftliche Situation erlaubt, möchten wir aber mit einer Delegation nach Burkina Faso reisen und die Schulen sowie unsere Partner vor Ort persönlich kennen lernen“.

Eine treibende Kraft im Landkreis für das Engagement in Burkina Faso ist Josef Keller aus Genderkingen. Mit großen persönlichen Einsatz unterstützt Keller seit vielen Jahren Waisenkinder in der Hauptstadt Ouagadougou. Er konnte inzwischen über 70.000 Euro an Spendengeldern für sein Hotel Maternel sammeln. Zusätzlich wurde durch eine Spendenaktion des Landkreises eine Küche für 13.000 Euro errichtet und im Jahr 2018 eingeweiht. Keller betont, dass durch die persönlichen Kontakte, die Spendengelder komplett dem Waisenhaus zu Gute kamen. Beratend unterstützt er die Stadt Rain in ihrer Partnerschaftsarbeit mit der Stadt Tougan und den Dachauer Verein „Perspektiven für Burkina Faso“. Dessen Aktivitäten wurden von Irmgard Hetzinger-Heinrici präsentiert. Gemeinsam mit Keller war sie Anfang Juni nach Burkina Faso gereist um sich vor Ort ein Bild über die Bedürfnisse für den geplanten Schulkomplex des Vereins zu machen. Ursprünglich sollte eine Schule mit vier Klassenzimmern und Sanitäranlagen für 80.000 Euro gebaut werden. Nach dem Austausch mit den Verantwortlichen in Kogologho wird das Gebäude nun inklusiv gestaltet und zusätzliche Toiletten für Mädchen eingeplant. Die Kosten erhöhen sich damit auf 94.000 Euro, doch der Verein ist zuversichtlich die Gelder in den nächsten Monaten einwerben zu können.

Wilhelm Kirchensteiner, ebenfalls engagiert für das Dachauer Projekt, stellte den Teilnehmenden seinen Solarkoffer vor, der es mit einfachen Mitteln ermöglicht, Strom zu erzeugen und so auch Einsatzmöglichkeiten bei den Schulbauprojekten bietet. Für seine Erfindung wurde Kirchsteiner mit dem Bayerischen Klimaschutzpreis ausgezeichnet.

Auch in weiteren Nachbarlandkreisen ist das Interesse an Burkina Faso groß. So engagiert sich die Gemeinde Buttenwiesen (LK Dillingen) seit 2019 für die Schule in Koudougou. Insgesamt 53. 860 Euro an Spendengeldern konnten für den Bau von drei Klassenzimmern , die Erweiterung des Schulkomplexes um eine Sportanlage sowie eine Solarstrom- und Wasserversorgungsanlage eingeworben werden. Bürgermeister Hans Kaltner hob hervor, dass es der Gemeinde von Anfang an wichtig gewesen sei, die Bevölkerung mit ins Boot zu holen und dass er tief bewegt sei vom großen Rückhalt, welches das Projekt bei den Bürgerinnen und Bürgern genieße. Er hoffe sehr, dass sich durch den Bau künftig weitere Beziehungen zur Schule entwickeln und sich auch ein Besuch in den nächsten Jahren realisieren lasse.

Für den Landkreis Günzburg war Simon Paintner-Frei angereist um die Projekte des Vereins Hilfe für Burkina-Faso vorzustellen. Der Landkreis Günzburg realisiert gemeinsam mit dem Verein sein mittlerweile drittes Projekt in Gofia. Für 2023 ist der Aufbau einer landwirtschaftlichen Schule geplant. Insgesamt wurden für die Projekte des Landkreises Günzburg bereits über 160.000 Euro an Spendengeldern aufgebracht.

Carina Rösch, Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik stellte noch die Projekte der Familie Schmidt aus Asbach-Bäumenheim vor, welche für einen Kindergarten in Tikonti 41.500 Euro gespendet hatte sowie die überregionalen Projekte der Landkreise Karlsruhe (Sorgo/87.300 Euro) und Freudenstadt(Leguema/64.000 Euro) sowie von MdB Martin Patzelt (Kourbo-Mogo/60.000 Euro) aus dem Oder-Spree Kreis vor. Insgesamt flossen im Rahmen der Initiative 1.000 Schulen für unsere Welt in die genannten Schulbauprojekte 708.000 Euro an Spendengelder, dadurch wird über 2.500 Kindern den Zugang zu einer besseren Bildung ermöglicht. „Uns als Landkreis ist neben der finanziellen Unterstützung der Ausbau unserer freundschaftlichen Beziehungen ein wichtiges Anliegen. In unserer Nachhaltigkeitsstrategie haben wir uns vorgenommen, bis 2030 mindestens zehn Schulbauprojekte im Landkreis darin zu unterstützen, persönliche Kontakte in die Projektregionen aufzubauen. Durch das Arbeiten an gemeinsamen Projekten kann das Verständnis kultureller Unterschiede und Gemeinsamkeiten geschärft und gegenseitige Entwicklung angestoßen werden“, fasste Rösch zusammen.

Ehrung für Rößle

Anschließend folgte der feierliche Höhepunkt der Veranstaltung. Isidore Taro zeichnete Landrat Stefan Rößle für seinen Einsatz für das Bildungswesen in Burkina Faso mit dem Chevalier de l‘Ordre des Palmes Académiques burkinabè aus. In seiner abschließenden Dankesrede zeigte sich Rößle geehrt und erklärte „ wir freuen uns sehr, dass wir durch die zahlreichen Spenden viele Projekte in Burkina Faso anstoßen konnten, die vor Ort die Chancen der Kinder auf Bildung und damit auf eine gute Zukunft erhöhen. Genauso freue ich mich aber über die Freundschaft und Herzlichkeit, die uns von unseren Freunden und Partnern aus Burkina Faso immer wieder entgegengebracht wird und von der wir noch viel lernen können. Ich bin überzeugt, dass wir durch eine gemeinsame Zusammenarbeit in den kommenden Jahren noch viel positives bewirken können“.

 

 

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