Aus den Kommunenzurück

(GZ-23-2019)
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► Familie Etschel feiert 100-jähriges Firmenjubiläum anlässlich des DVGW Wassertreffs in Hof:

 

Vom Brunnenbau bis zur Ausrüstung von Kläranlagen

 

Die bewegte Geschichte der Hofer Unternehmerfamilie Etschel dreht sich seit hundert Jahren um die Wasserwirtschaft. Unter dem Motto „Familie Etschel – 100 Jahre im Dienst der Wasserwirtschaft“ beging die Familie mit hundert geladenen Gästen anlässlich des DVGW Wassertreffs in Hof ihr Jubiläum. Auch wenn sich das eine oder andere Geschäftsfeld gewandelt hat oder Firmenteile verkauft wurden, ist das Unternehmen mit Gerhard Etschel, dem Urgroßenkel des Firmengründers, und der Etschel Brunnenservice GmbH nach wie vor am Markt aktiv.

Die ETBS-Führungsmannschaft – v.l.: Vertriebsleiter Robert Pietsch, Geschäftsführer Gerhard Etschel und Dipl.Ing. Maik Schmidt. Bild: Etschel Brunnenservice
Die ETBS-Führungsmannschaft – v.l.: Vertriebsleiter Robert Pietsch, Geschäftsführer Gerhard Etschel und Dipl.Ing. Maik Schmidt. Bild: Etschel Brunnenservice

„Unsere Firmengeschichte war bewegt und geprägt von unternehmerischen Entscheidungen“, sagte Etschel, anlässlich der Jubiläumsfeier zum 100. Jahrestag der Firmengründung der Etschel & Meyer Tiefbohrunternehmung (E&M) in Hof. Ende des Jahres 1918 habe sein Urgroßvater Christian Etschel zusammen mit seinem damaligen Geschäftspartner Karl Meyer in einem Wirtshaus die Idee gehabt, ein Brunnenbauunternehmen zu gründen, sagte Etschel.

Im Jahr 1919 wurde aus der Idee Realität. Neben dem eigentlichen Brunnenbau stellte man von Anfang bis heute alle Anlagen und Geräte selber her. 1928 stieg Karl Meyer als Gesellschafter wieder aus, blieb aber noch bis 1934 beschäftigt. Stück für Stück wuchs der Betrieb, bis am Ende des Zweiten Weltkrieges das Geschäft einen jähen Dämpfer erhielt.

Die Firma wurde fast gänzlich enteignet, denn 85 von insgesamt 90 Bohrgeräten, nämlich jene die im Ausland Brunnen bohrten, gingen verloren. Wieder war unternehmerische Risikobereitschaft gefordert, so der stellvertretende Präsident des LFU Bayern, Dr. Richard Fackler in seiner Laudatio zum Festabend. Ein mehrjähriger Bohrauftrag zur Erkundung der Machbarkeit des Dammbaus am Sylvensteinstausee sicherte das Überleben. Mit der Währungsreform kam der Aufschwung.

1949 folgte die Gründung der Etschel&Meyer Unterwasserpumpen GmbH (EMU), die sich im Laufe der Jahrzehnte auf die Herstellung von Unterwasserpumpen, Abwasserpumpen, Kläranlagenausrüstung und Anlagenbau spezialisierte. „Bei allem Pioniergeist hatte die Familie immer im Auge, was Kunden im Rahmen von Megatrends benötigen“, wie Gerhard Etschel sagte.

Historie

Im Zuge der Ölkrise in den 1970er Jahren war E+M gezwungen, Auslandsmärkte für den Brunnenbau in Afrika zu erschließen. EMU meisterte die Krise ohne Probleme. In den 1990er Jahren folgte eine rasante Expansion beider Firmen, bedingt durch die Grenzöffnung, aber auch durch den Ausbau des internationalen Geschäftes.

„Zum 75-jährigen Jubiläum im Jahr 1994 zählte die Etschel-Gruppe rund 900 Mitarbeiter und avancierte damit zum zweitgrößten Arbeitgeber der Stadt Hof“, so Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner anlässlich des 100-jährigen Jubiläums.

Erst 2003 und 2007 warteten wieder größere Veränderungen und Herausforderungen auf das mittlerweile in dritter und vierter Generation familiengeführte Management. Ende der 90er Jahre habe ein starker Wettbewerb um neue Märkte begonnen, erinnert sich Etschel, der damals noch Geschäftsführer von EMU war. Mit Ländern wie Russland, Brasilien, China oder Vietnam, die immer stärker wuchsen.

Um dort den Marktausbau voranzutreiben, hätte es enormer Anstrengungen für das Unternehmen bedurft, schildert Etschel. „Als schuldenfreier Familienbetrieb und bei der durch Basel 2 veränderten Bankenlandschaft überlegt man sich alle Optionen schon sehr genau“, erklärt er den folgenden Verkauf des Unternehmensteils an den Pumpenhersteller WILO – „auch ein deutscher Familienbetrieb mit langer Tradition“, so Etschel.

2007 gliederten Gerhard Etschel und sein mittlerweile verstorbener Bruder Rainer die Dienstleistungen zur Brunneninstandhaltung der E+M in die Etschel Brunnenservice GmbH (ETBS) aus. E+M, das von ihren Cousin Christian Etschel zusammen mit einem Fremdgesellschafter fortgeführt wurde, ging 2013 insolvent. „Das Geschäft mit dem Brunnenbau war hart umkämpft und ist obendrein sehr riskant“, erklärt Gerhard Etschel. Seit der Gründung hatte E+M rund 25.000 Brunnen niedergebracht. Deutschlandweit war man damit einer der Marktführer.

Seither konzentriert sich das mittlerweile in vierter und fünfter Generation inhabergeführte Unternehmen auf die Untersuchung, Instandhaltung und Regenerierung bestehender Brunnen bis zu einer Tiefe von 750 Metern. Je nach geologischen Verhältnissen und der zugehörigen Wasserqualität lagern sich u.a. Eisen, Mangan oder Kalk unterschiedlich schnell und unterschiedlich stark im Brunnen ab und führen somit zu einem schleichenden Leistungsabfall.

Bereits Anfang der 1990er Jahre entwickelten die Hofer ein rein mechanisches Verfahren zur Brunnenregenerierung (JET Master®) weiter, das mithilfe von Druckwellenimpulsen mit Wasserhochdruck die Ablagerungen im Brunnen tiefenwirksam und damit sehr nachhaltig löst. Und das ohne den Einsatz von Chemie.

Das zugehörige Düsenrotationsaggregat haben die Brüder Etschel in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und in vielen Ländern patentieren lassen. Unter dem Namen MAXINOZ® wurde es jahrelang erprobt und seit Patenterteilung in den Markt eingeführt. Damit plant die Familie mittelfristig eine weitere Expansion, wobei man nach Unternehmensangaben mit rund 11.000 regenerierten Brunnen heute schon deutschlandweit zu den Marktführern zählt und in einigen Exportmärkten tätig ist.

In Großbritannien hat das Unternehmen bereits einen Lizenznehmer für seine Technik, in Skandinavien arbeitet man mit einem Partner exklusiv zusammen, aber auch in den asiatischen Raum hat man schon Anlagen geliefert.

In Deutschland sind die Regelwerke (DVGW) weltweit auf höchstem Niveau. „Dieser Made in Germany-Vorteil hilft uns sehr“, führt Etschel weiter aus und betont, „auch der Nordamerikanische Markt ist interessant“. Dorthin könnte die nächste Reise für das mittlerweile in Planegg bei München ansässige Unternehmen gehen.

 

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