Industrial AI Cloud in München: Telekom eröffnet KI-Fabrik für Industrie, Forschung und Staat

GZ Ausgabe GZ-4-2026 vom 12. Februar '26 | Verwaltung & Digitalisierung
von Constanze von Hassel
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Systems CEO Ferri Abolhassan, Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, Ministerpräsident Dr. Markus Söder, Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Telekom-Chef Tim Höttges (v.l.) nehmen Deutschlands erste KI-Fabrik ans Netz. Bild: Deutsche Telekom

Mit der offiziellen Inbetriebnahme der „Industrial AI Cloud“ hat die Deutsche Telekom in München ein neues Rechenzentrum für KI-Anwendungen freigeschaltet, das nach Angaben des Konzerns zu den größten KI-Fabriken Europas zählt. Das Projekt wurde in sechs Monaten gemeinsam mit NVIDIA und dem Datacenter-Partner Polarise realisiert und soll „hoch performante, souveräne Rechenleistung“ für Unternehmen, Wissenschaft und öffentliche Einrichtungen bereitstellen. Telekom-Chef Timm Höttges verband die Eröffnung mit einer Standortbotschaft: „Wir investieren in KI, in den deutschen Standort und in Europa. Unsere KI-Fabrik in München ist die Basis für innovative Geschäftsmodelle und für Souveränität.“

In seiner Rede betonte Höttges vor allem die industriepolitische Dimension. Deutschland verfüge über einen besonders starken industriellen Kern und stehe unter Druck, weil sich die globale Wettbewerbslogik durch automatisierte, datengetriebene Produktion verschiebe. Künstliche Intelligenz sei deshalb nicht nur ein Effizienzthema, sondern aus seiner Sicht Voraussetzung, um Wertschöpfung in Europa zu halten.

„KI ist … der Rettungsanker für die deutsche Industrie“, sagte Höttges. Gleichzeitig verwies er auf Akzeptanzfragen in Betrieben und Verwaltungen: Viele Menschen sähen KI primär als Risiko. In der Telekom solle diese Hemmschwelle durch flächendeckenden Zugang und praktische Anwendung sinken, in dem jeder Mitarbeiter Zugang zu einem KI-Tool bekommen wird, unabhängig davon, ob es bereits im Alltag gebraucht werde.

Politisch wurde die Anlage als Signal für Tempo, Infrastruktur und Souveränität interpretiert. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hob hervor, dass Rechenzentren inzwischen zu „Hotspots der Zukunft“ geworden seien und ordnete die Anlage in eine Strategie ein, die Forschung, Start-ups und Industrienutzung stärker verzahnen soll. Zugleich legte Söder den Schwerpunkt auf die energiepolitische Flanke: Der Strombedarf wachsender KI-Infrastrukturen werde zu einem zentralen Standortfaktor. Deshalb brauche es aus seiner Sicht Lösungen, die den Betrieb solcher Anlagen langfristig wirtschaftlich möglich machen.

Technologieführerschaft im Fokus

Lars Klingbeil stellte die Eröffnung in den Kontext der wirtschaftspolitischen Linie der Bundesregierung. Das Projekt zeige, „wie wichtig wirtschaftliche Stärke, Innovationskraft und Souveränität“ zusammenzudenken seien und dass private Investitionen anziehen können. In der Pressemitteilung wird Klingbeil mit dem Satz zitiert: „Technologieführerschaft muss der Kern des künftigen Geschäftsmodell Deutschlands sein.“ Zugleich kündigte er an, der Staat müsse den regulatorischen Rahmen innovationsfreundlicher gestalten, etwa beim Datenzugang, bei Finanzierungsmöglichkeiten für Wachstumsunternehmen und beim Ausbau digitaler Infrastruktur. Von der Bundesregierung werde es zudem „demnächst eine Rechenzentrumsstrategie“ geben.

Für Dieter Reiter war die Anlage auch ein Standortthema auf Stadtebene. Reiter verwies auf die Bedeutung industrieller Arbeitsplätze für München und beschrieb KI als Instrument, das im Alltag längst angekommen sei und nicht als abstrakte Zukunftstechnologie. Er erzählte von einer KI-gestützten Telefon-Auskunft, die ihm schnell und zuverlässig bei einer Paket-Suche geholfen habe, und leitete daraus ab, dass die praktische Leistungsfähigkeit solcher Systeme im „normalen Einsatz“ bereits sichtbar werde. Zugleich formulierte er mit Blick auf politische Entscheidungsprozesse den Wunsch nach mehr Rationalität: Künstliche Intelligenz könne, so Reiter, als „Logik-Check“ helfen, Debatten zu strukturieren und Verwaltung zu entlasten, auch wenn dies vorerst „Fantasie“ bleibe.

Die Telekom positioniert die Anlage als Baustein eines souveränen KI-Stacks. In der Pressemitteilung ist von einem „Deutschland Stack“ die Rede, den die Telekom gemeinsam mit SAP bereitstellen will, von der Infrastruktur bis zu Plattform- und Anwendungsdiensten. Außerdem soll das Rechenzentrum zentrale Projekte aus Wissenschaft und Industrie ermöglichen, darunter das Forschungsprojekt SOOFI (Sovereign Open Source Foundation Models) für ein europäisches Open-Source-Sprachmodell.

KI-Infrastruktur umsetzen

Auffällig ist neben der technologischen Aufrüstung vor allem das Tempo: Sechs Monate von der Idee bis zur Eröffnung sind für einen Standort wie München eine Ausnahme. Aus Sicht von Telekom und Politik ist genau das Teil der Botschaft: KI-Infrastruktur soll nicht nur angekündigt, sondern umgesetzt werden – als Voraussetzung dafür, dass Unternehmen, Forschung und öffentliche Hand Anwendungen entwickeln können, ohne bei Datenhaltung und Betrieb auf außereuropäische Strukturen angewiesen zu sein.

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Quelle: www.tvbayernlive.de
Constanze von Hassel

Constanze von Hassel, Chefredakteurin

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