DLT-Publikation: Künstliche Intelligenz in der Kommunalverwaltung
von Doris Kirchner

Der Deutsche Landkreistag hat eine umfassende Handreichung zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Automatisierung in Landkreisen vorgelegt. Unter dem Titel „KI & Automatisierung in Landkreisen“ bietet das Papier Landkreisen einen strategischen Orientierungsrahmen für die Einführung und Nutzung KI-gestützter Systeme in der Verwaltung. Ziel ist es, sie dabei zu unterstützen, Potenziale effizient zu nutzen und gleichzeitig rechtliche, organisatorische und kulturelle Herausforderungen zu berücksichtigen.
Die Handreichung sieht KI konsequent als Instrument zur Verbesserung des Bürgerservices, zur Entlastung der Beschäftigten und zur Steigerung der Qualität von Verwaltungsverfahren. „Die öffentliche Verwaltung befindet sich in einem tiefgreifenden digitalen Wandel. Künstliche Intelligenz ist längst keine Zukunftstechnologie mehr, sondern bereits heute in vielen Verwaltungsbereichen Realität“, heißt es in dem Papier. KI könne nicht nur Abläufe automatisieren, sondern auch Datenanalysen verbessern, Verwaltungsmitarbeiter entlasten und Entscheidungsprozesse fundierter gestalten. Die zentrale Frage für Landkreise sei daher nicht mehr, ob KI eingesetzt wird, sondern wie sie optimal integriert werden kann.
Die Handreichung fasst ihre Ergebnisse in vier wesentliche Erkenntnisse zusammen:
- KI ist bereits präsent, ihr systematischer Einsatz steckt jedoch noch in den Anfängen. Eine Umfrage unter deutschen Landkreisen zeige, dass viele Verwaltungen erste Erfahrungen mit KI gesammelt haben, vor allem in den Bereichen Bürgerkommunikation, Prozessautomatisierung und Datenanalyse. Während einige Landkreise bereits produktiv KI-Anwendungen einsetzen, befänden sich andere noch in der Erprobungsphase. Entscheidend für eine erfolgreiche Integration sei die Entwicklung pragmatischer Lösungen, die offene Fragen adressieren. Durch die Nutzung bestehender Plattformen, interkommunale Kooperationen und gezielte Pilotprojekte könnten personelle und finanzielle Ressourcen effizient genutzt werden. Rechtliche Fragestellungen, insbesondere zu Datenschutz und Transparenz, ließen sich durch klare Leitlinien und die Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörden bewältigen.
- KI-Anwendungen bieten in verschiedenen Verwaltungsbereichen konkrete Vorteile. Besonders in der Bürgerkommunikation, bei der Bearbeitung von Anträgen oder in der datenbasierten Unterstützung kommunaler Planungen entfalteten KI-Systeme ihre Stärken. Chatbots und virtuelle Assistenten erleichterten Bürgeranfragen und entlasteten Servicestellen, während KI-gestützte Prozessautomatisierung Routineaufgaben effizienter gestalte. Generative KI könne die Erstellung und Analyse von Texten unterstützen, was vor allem bei hohem Dokumentationsaufwand hilfreich sei. Datenanalysen und Vorhersagemodelle eröffneten neue Möglichkeiten für Verkehrssteuerung, Regional- und Stadtplanung sowie Katastrophenschutz. Vor allem der Aspekt der Personalentlastung sei relevant: Angesichts des Fachkräftemangels ermögliche KI den Mitarbeitern, sich auf wertschöpfende Tätigkeiten zu konzentrieren.
- Erfolgreicher KI-Einsatz hängt von organisatorischen und technischen Rahmenbedingungen ab. Verwaltungen, die klare Zuständigkeiten für KI-Projekte definieren und diese in bestehende Digitalisierungsstrategien einbetten, könnten ihre Innovationskraft besser nutzen. Zentral sei der Aufbau von Kompetenzen bei Mitarbeitern, etwa durch Schulungen und interkommunalen Erfahrungsaustausch. Technisch stehe dem Einsatz von KI nichts im Wege, wenn eine geeignete Infrastruktur vorhanden ist. Eine gezielte Datenstrategie helfe, vorhandene Verwaltungsdaten nutzbar zu machen und gleichzeitig Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen einzuhalten. Nicht jede Kommune müsse eigene Systeme aufbauen; datensouveräne Cloud-Plattformen oder gemeinsame Datenpools könnten kosteneffiziente und skalierbare Lösungen bieten.
- Politische und rechtliche Rahmenbedingungen müssen praxisnah gestaltet werden. Die EU-KI-Verordnung setze wichtige Standards für einen verantwortungsvollen Einsatz von KI. Ihre nationale Umsetzung in Deutschland müsse jedoch praxisnah und bürokratiearm erfolgen, um Kommunen nicht zu überlasten. Verwaltungen benötigen verständliche Leitlinien und gezielte Beratungsangebote, um neue rechtliche Anforderungen effizient umzusetzen. Gleichzeitig sollten Förderprogramme und Innovationsinfrastrukturen stärker auf die öffentliche Verwaltung ausgerichtet werden. Reallabore könnten helfen, neue Anwendungen unter realistischen Bedingungen zu testen und regulatorische Erkenntnisse zu gewinnen. Plattformlösungen wie der „Marktplatz der KI-Möglichkeiten“ bündelten erprobte, sichere KI-Anwendungen und erleichterten den interkommunalen Austausch.
Der Deutsche Landkreistag betont, dass KI Landkreise moderner, effizienter und resilienter machen kann, wenn die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Entscheidend sei, dass KI nicht als isolierte technologische Neuerung betrachtet werde, sondern als strategisches Instrument für Verwaltungsmodernisierung und Bürgerfreundlichkeit. Die kommenden Jahre werden darüber entscheiden, ob der Übergang von einzelnen Pilotprojekten hin zu einer strukturierten, nachhaltigen Integration gelingt. Landkreise, die frühzeitig klare Strukturen schaffen, KI gezielt in Verwaltungsprozesse einbinden und vorhandene Ressourcen intelligent nutzen, könnten die Vorteile der Technologie schnell und dauerhaft ausschöpfen.