Waldkraiburg: Neues Zentrum für Kreislaufwirtschaft & Recycling
von Doris Kirchner

Mit der feierlichen Eröffnung des Zentrums für Kreislaufwirtschaft und Recycling (ZKR) in Waldkraiburg baut die Technische Hochschule Rosenheim ihre Forschungs- und Transferaktivitäten im Bereich nachhaltiger Wirtschaft weiter aus. Laut Ministerpräsident Dr. Markus Söder setzt das neue Zentrum ein starkes Zeichen für Innovation, Umwelt und Wirtschaft.
Das ZKR soll künftig als Anlaufstelle für Unternehmen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum dienen, die ihre Produkte und Produktionsprozesse stärker an den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft ausrichten möchten. Ziel ist es, Materialien möglichst lange im Wirtschaftskreislauf zu halten, Ressourcen zu schonen und zugleich wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Der Forschungsschwerpunkt liegt zunächst auf Kunststoffen. In Zukunft sollen jedoch weitere Werkstoffgruppen in die Arbeit des Zentrums einbezogen werden, darunter Holz, Baustoffe und biobasierte Materialien. Damit will die Einrichtung langfristig verschiedene Industriebereiche unterstützen, die ihre Produktionsweisen nachhaltiger gestalten wollen.
Nach Angaben der Hochschule verfolgt das ZKR einen umfassenden Ansatz, der die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet. Dazu zählen nachhaltige Geschäftsmodelle, Produktgestaltung, Fertigung, Recyclingverfahren sowie Ökobilanzierungen und Wirtschaftlichkeitsanalysen. Auf diese Weise sollen bestehende lineare Wirtschaftsstrukturen schrittweise weiterentwickelt und geschlossene Materialkreisläufe ermöglicht werden.
Zentrumsleiter Johannes Eben sieht darin einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Sicherung von Wohlstand und Ressourcen. Die Kreislaufwirtschaft könne helfen, wirtschaftliche Stabilität mit ökologischer Verantwortung zu verbinden. Das ZKR wolle sich deshalb als zentraler Ansprechpartner für Unternehmen im deutschsprachigen Raum etablieren – von der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle bis zur technischen Umsetzung in Produktion und Recycling.
Praktische Anwendungen für Unternehmen
Auch Heinrich Köster, Präsident der Technischen Hochschule Rosenheim, betonte die Bedeutung des neuen Forschungszentrums. Nachhaltigkeit sei ein zentrales strategisches Handlungsfeld der Hochschule. Mit dem ZKR werde gezielt der Wissens- und Technologietransfer in die Wirtschaft gestärkt. Wissenschaftliche Forschung solle so direkt in praktische Anwendungen für Unternehmen überführt werden.
Der Aufbau des Zentrums wurde durch mehrere Partner ermöglicht. Die Hochschule investierte rund eine Million Euro aus Mitteln der bayerischen Hightech Agenda Bayern in Geräte und technische Infrastruktur. Zusätzlich steuerten Industriepartner Sachleistungen im Umfang von etwa einer weiteren Million Euro bei. Weitere Investitionen sind nach Angaben der Hochschule bereits geplant.
Eine wichtige Rolle spielt zudem der Zweckverband Hochschulcampus Mühldorf a. Inn – Waldkraiburg. Der Verband stellt der Hochschule die Räumlichkeiten für das Zentrum mietfrei zur Verfügung und unterstützt damit den strukturellen Ausbau des Hochschulstandorts in der Region.
Wichtiger Baustein für die regionale Entwicklung
Der Vorsitzende des Zweckverbands und Landrat des Landkreises Mühldorf am Inn, Max Heimerl, sieht in dem neuen Zentrum einen wichtigen Baustein für die regionale Entwicklung. Waldkraiburg und der Landkreis böten gute Voraussetzungen für die Verbindung von Wissenschaft, Wirtschaft und Innovation. Mit dem ZKR werde ein weiterer Impuls für nachhaltige Wertschöpfung und zukunftsorientierte Technologien gesetzt.
Derzeit arbeiten am Standort zwei Professoren sowie fünf wissenschaftliche Mitarbeiter. Zwei von ihnen streben eine Promotion im Bereich der Kreislaufwirtschaft an. Die Forschung soll eng mit der Industrie verzahnt sein.
Das Zentrum richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen ebenso wie an große Industrieunternehmen, Familienbetriebe und Start-ups. Im sogenannten Open-Lab-Modell können Firmen die Infrastruktur und wissenschaftliche Expertise des Zentrums für eigene Entwicklungsfragen nutzen. Dazu gehören etwa Projekte zur Nutzung von Recyclingmaterialien, zur Optimierung von Sortier- und Aufbereitungsprozessen oder zur
Entwicklung kreislauffähiger Produkte.
Bereits zur Eröffnung bestehen Kooperationen mit mehreren Industriepartnern, darunter die Kraiburg Gruppe und die NETZSCH Group. Darüber hinaus gibt es Zusammenarbeit mit Unternehmen und Forschungspartnern in Österreich und Südtirol. In den vergangenen Monaten wurden zudem zahlreiche Gespräche mit Unternehmen geführt und erste gemeinsame Entwicklungsprojekte vorbereitet.
Bekenntnis zum Standort BY
Ministerpräsident Söder zufolge wird im ZKR der gesamte Zyklus nachhaltiger Produktentwicklung gedacht: von recyclingfähigen Produkten über optimierte Produktionsprozesse bis hin zur Wiederverwertung von Materialien. Das Gemeinschaftsprojekt von Freistaat, Region und TH Rosenheim sei ein weiterer Leuchtturm der Hightech Agenda Bayern.
Zudem stelle das neue Logistikzentrum von ODU ein klares Bekenntnis zum Standort Bayern und zur Region dar, fuhr Söder fort: „Der Hersteller von hochpräziser und sicherer Verbindungstechnik hat 20 Millionen Euro investiert. Verbindungstechnik ist eine Schlüsseltechnologie. Sie steckt in Industrieautomaten und Medizintechnik genauso wie in der Sicherheits- und Verteidigungstechnik. Sie hat es sogar schon bis auf den Mars in den Mars-Rover geschafft. Forschung und Fortschritt gehen in Bayern Hand in Hand.“