Vom Turnhallenbau zum energieeffizienten Treffpunkt Apfeldorf zeigt, wie ein Dorfgemeinschaftshaus zum Baustein kommunaler Energiewende werden kann

GZ Online, 14. März '26 | Umwelt & Lebensraum
von Michael von Hassel
Bürgermeister Gerhard Schmid
Bürgermeister Gerhard Schmid | Gemeinde Apfeldorf

Mit rund 1.200 Einwohnern gehört die oberbayerische Gemeinde Apfeldorf zu den kleineren Kommunen im Landkreis Landsberg am Lech. Dennoch zeigt sie, wie ambitionierte Projekte auch im ländlichen Raum umgesetzt werden können. Bürgermeister Gerhard Schmid stellte beim Kongress „Bayerns beste kommunale Umweltbeispiele“ ein Projekt vor, das beispielhaft für eine nachhaltige Dorfentwicklung steht: den Umbau einer alten Turnhalle zu einem modernen Dorfgemeinschaftshaus – eingebettet in ein umfassendes Energie- und Nutzungskonzept.

Aus der Turnhalle wird ein Dorfzentrum

Ausgangspunkt war eine typische Turnhalle aus den 1970er-Jahren, die über Jahrzehnte genutzt, jedoch nie energetisch saniert worden war. In der Gemeinde stand deshalb die Frage im Raum, wie mit dem Gebäude künftig umzugehen sei. Ein Neubau auf der grünen Wiese hätte sich technisch einfacher umsetzen lassen. Der Gemeinderat entschied sich jedoch bewusst dagegen.

„Wir wollten Flächen sparen und vorhandene Strukturen nutzen“, erläuterte Schmid. Statt eines zusätzlichen Gebäudes wurde daher der Bestand weiterentwickelt und zu einem Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. Der Prozess startete 2020 – mit intensiver Beteiligung der örtlichen Vereine. Für Schmid war klar: Ein solches Projekt kann nur funktionieren, wenn die Bevölkerung einbezogen wird. „Wir bauen das nicht nur als Gemeinde – wir bauen es für die Gemeinde.“

Heute dient das Gebäude als Treffpunkt für Vereine, Veranstaltungen und kulturelle Aktivitäten. Gleichzeitig stärkt es die Dorfmitte und schafft einen zentralen Ort für gemeinschaftliches Leben.

Energieverbund für mehrere kommunale Gebäude

Besonders bemerkenswert ist die Einbindung des Projekts in ein kommunales Energiesystem. Das Dorfgemeinschaftshaus bildet zusammen mit Grundschule, Kindergarten und Feuerwehrhaus ein energetisches Quartier. Alle Gebäude liegen in einem Umkreis von rund 200 Metern.

Die Wärmeversorgung erfolgt über Wärmepumpen, die mit lokal verfügbarem Oberflächenwasser betrieben werden. Dabei nutzt die Gemeinde eine historische Quelle und ein vorhandenes Speicherbecken – Infrastruktur, die zuvor ungenutzt blieb. „Wir haben einfach aus dem, was wir haben, etwas gemacht“, so Schmid.

Auch beim Strom verfolgt Apfeldorf einen innovativen Ansatz: Die kommunalen Gebäude sind über ein internes Stromkonzept miteinander verbunden. Photovoltaikanlagen auf den Dächern liefern Energie, die innerhalb des Quartiers verteilt wird. Der erzeugte Strom wird somit zunächst vor Ort genutzt – etwa für Schulbetrieb oder Wärmepumpen – bevor Überschüsse ins Netz eingespeist werden.

Schwammstadt-Prinzip für Außenanlagen

Parallel zum Gebäudeumbau wurden auch die Außenflächen neu gestaltet. Versiegelte Flächen werden schrittweise reduziert, wasserdurchlässige Beläge und Rasenfugenpflaster sorgen dafür, dass Niederschlagswasser vor Ort versickern kann. Ergänzend entstehen Rückhalte- und Stauraumsysteme, die Starkregenereignisse abpuffern.

Dieses sogenannte „Schwammstadt“-Prinzip soll verhindern, dass große Wassermengen direkt in Gewässer oder Kanalisation abgeleitet werden – ein Ansatz, der angesichts zunehmender Starkregenereignisse an Bedeutung gewinnt.

Förderung als wichtiger Baustein

Die Umsetzung eines solchen Projekts wäre für eine kleine Kommune allein kaum möglich gewesen. Schmid betonte die Bedeutung verschiedener Förderprogramme, darunter die Städtebauförderung sowie EU-Mittel aus dem EFRE-Programm.

Heute ist das Dorfgemeinschaftshaus fertiggestellt und wird intensiv genutzt. Für Apfeldorf ist es mehr als ein Gebäude: Es steht für eine Strategie, die Dorfentwicklung, Klimaschutz und Energieversorgung zusammendenkt.

Nachhaltigkeit als kommunale Aufgabe

Für Bürgermeister Schmid ist das Projekt Teil eines größeren Ansatzes. Neben Energie- und Infrastrukturmaßnahmen stehen künftig auch Themen wie Hochwasserschutz, sichere Trinkwasserversorgung sowie zusätzliche Baumpflanzungen im Ort auf der Agenda.

Sein Fazit: „Wenn man Projekte zusammendenkt, entsteht mehr als die Summe der einzelnen Teile.“

Apfeldorf zeigt damit beispielhaft, wie auch kleine Gemeinden nachhaltige Lösungen entwickeln können – pragmatisch, ortsbezogen und gemeinsam mit der Bürgerschaft.

Michael von Hassel

Michael von Hassel

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