Technik & Energieeffizienz Praxisbericht aus dem Bestand: Wärmepumpe richtig planen und betreiben
von Michael von Hassel

Beim Kongress „Bayerns beste kommunale Umweltbeispiele“ auf der Landshuter Umweltmesse stellte Dr. Herbert Jens einen ungewöhnlich praxisnahen Erfahrungsbericht vor: Der ehemalige Hochschuldozent installierte in seinem eigenen Wohnhaus eine Wärmepumpe – weitgehend in Eigenregie. Sein Ziel: zeigen, wie die Technik im Bestand funktioniert und worauf Hausbesitzer und kommunale Entscheider achten sollten.
Der 77-jährige Geisenhausener betonte gleich zu Beginn: „Ich rede nicht theoretisch über Wärmepumpen, sondern aus eigener Erfahrung.“ Nach einer Ausbildung als Elektroniker und vielen Jahren an der Hochschule habe er die Anlage selbst geplant und installiert. Sein Haus stammt aus den Jahren 1988/89 und ist ein typischer Bestandsbau mit Ziegelmauerwerk, Wärmeschutzverglasung, Dachbodendämmung sowie Fußbodenheizung im Erdgeschoss und Heizkörpern im Obergeschoss.
Planung beginnt mit der Heizlast
Entscheidend für die Auslegung einer Wärmepumpe ist laut Jens die Heizlastberechnung des Gebäudes. Sie bestimmt, welche Wärmemenge das Haus bei niedrigen Außentemperaturen benötigt. Nur mit einer solchen Berechnung könne ein Heizungsbauer seriös planen.
„Wenn niemand weiß, ob das Haus acht, zehn oder fünfzehn Kilowatt Heizleistung braucht, kann auch kein passendes Gerät ausgewählt werden“, erklärte Jens. Früher seien Heizungen häufig deutlich überdimensioniert worden – bei Wärmepumpen funktioniere dieses Vorgehen jedoch nicht.
Zusätzlich müsse die Heizlast raumweise berechnet werden. So lässt sich feststellen, ob vorhandene Heizkörper ausreichend groß sind oder ersetzt werden müssen. Größere Heizflächen ermöglichen niedrigere Vorlauftemperaturen – ein zentraler Faktor für die Effizienz der Wärmepumpe. Eine einfache Faustregel: Schon ein Kelvin weniger Vorlauftemperatur senkt den Stromverbrauch um rund 2,5 Prozent.
Luft-Wasser-Wärmepumpen dominieren
Jens konzentrierte sich in seinem Vortrag auf Luft-Wasser-Wärmepumpen, die laut seiner Einschätzung mehr als 90 Prozent der installierten Systeme ausmachen. Sie entziehen der Außenluft Wärme und übertragen diese auf das Heizungswasser.
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Bauformen:
- Monoblock-Geräte: Die gesamte Kältetechnik befindet sich im Außengerät. Die Verbindung ins Haus erfolgt über Heizungsleitungen mit Wasser.
- Splitgeräte: Verdichter und Kältekreislauf sind zwischen Innen- und Außeneinheit aufgeteilt.
Wenn möglich empfiehlt Jens die Monoblock-Variante. Sie ist einfacher zu installieren, da kein Kältetechniker für die Befüllung benötigt wird.
Pufferspeicher stabilisieren den Betrieb
Eine wichtige Rolle spielt der Pufferspeicher, der als Bindeglied zwischen Wärmepumpe und Heizsystem dient. Er speichert Wärme, verhindert häufiges Ein- und Ausschalten der Anlage und liefert Energie für die notwendige Abtauung des Wärmetauschers bei Frost.
Besonders bei Heizkörpern sei ein Pufferspeicher praktisch unverzichtbar. Bei Fußbodenheizungen könne zwar theoretisch darauf verzichtet werden, allerdings müsse dann ein ausreichender Volumenstrom im System gewährleistet bleiben.
Auch für mögliche Netzabschaltungen – etwa bei Wärmepumpentarifen – kann der Speicher laut Jens hilfreich sein, da er kurzfristige Unterbrechungen überbrückt.
Frischwasserstation statt klassischem Warmwasserspeicher
Für die Trinkwassererwärmung empfiehlt Jens eine Frischwasserstation. Dabei wird das Warmwasser nicht in einem Speicher bevorratet, sondern bei Bedarf im Durchflussprinzip erhitzt. Das reduziert hygienische Risiken, etwa durch Legionellen, und ermöglicht gleichzeitig hohe Temperaturen im Heizungs-Pufferspeicher.
Wirtschaftlichkeit: Effizienz entscheidet
Nach zwei Jahren Betrieb erreicht seine Anlage eine Jahresarbeitszahl von rund 4,1. Das bedeutet: Aus einer Kilowattstunde Strom werden im Durchschnitt mehr als vier Kilowattstunden Wärme.
Bei einem Strompreis von etwa 30 Cent pro Kilowattstunde ergeben sich laut Jens jährliche Heizkosten von rund 800 Euro. Selbst bei ungünstigerer Effizienz lägen sie noch deutlich unter den früheren Kosten fossiler Energieträger.
In seinem Fall reduziert eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher die Kosten zusätzlich deutlich. Ein Teil des Stroms für Wärmepumpe, Haushalt und Elektroauto stammt direkt vom eigenen Dach.
Fazit: Planung und Fachkenntnis sind entscheidend
Der Erfahrungsbericht von Dr. Herbert Jens zeigt: Wärmepumpen können auch in Bestandsgebäuden wirtschaftlich arbeiten – vorausgesetzt Planung und Auslegung stimmen.
Sein wichtigster Rat lautet deshalb: Hausbesitzer sollten sich intensiv mit der Technik beschäftigen und Referenzanlagen besichtigen. Wer mit Heizungsbauern „auf Augenhöhe“ über Heizlast, Vorlauftemperaturen und Hydraulik sprechen kann, vermeidet Planungsfehler und legt die Grundlage für einen effizienten Betrieb.
Für Kommunen und Gebäudeeigentümer liefert der Praxisbericht damit einen klaren Hinweis: Die Wärmepumpe ist keine einfache „Plug-and-Play“-Technologie, sondern ein System, dessen Erfolg maßgeblich von sorgfältiger Planung abhängt.