Starkregenmanagement im ländlichen Raum Ökologische Starkregenrückhaltung in Waldthurn: Wasser wieder in die Fläche bringen

GZ Online, 14. März '26 | Umwelt & Lebensraum
von Michael von Hassel
Roman Pekis und Matthias Schlicker
Roman Pekis und Matthias Schlicker | Gemeinde Baar (Schwaben)

Starkregenereignisse nehmen zu – besonders in ländlich geprägten Regionen mit großflächiger Landwirtschaft kann das schnell zu Überflutungen führen. Der Markt Waldthurn im Landkreis Neustadt an der Waldnaab zeigt, wie sich mit einfachen, naturnahen Maßnahmen wirksamer Hochwasserschutz realisieren lässt. Bürgermeister Josef Beimler stellte das Projekt beim Kongress „Bayerns beste kommunale Umweltbeispiele“ auf der Landshuter Umweltmesse vor.

Die Flächengemeinde mit rund 2.000 Einwohnern und etwa 30 Quadratkilometern Fläche sah sich seit den 1990er Jahren zunehmend mit Starkregenproblemen konfrontiert. Durch Flurbereinigungen waren landwirtschaftliche Flächen zusammengelegt worden. Was für die Bewirtschaftung Vorteile brachte, führte jedoch dazu, dass bei Gewittern große Wassermengen gebündelt Richtung Ortslage abflossen. Rund 500 bis 600 Hektar Einzugsgebiet entwässern wie ein Trichter nach Waldthurn. Immer wieder wurden Straßen zu Vorflutern, Wasser schoss ungebremst in den Ort und überflutete Keller und Häuser.

Der Markt entschied sich bewusst gegen große technische Bauwerke und setzte stattdessen auf ein dezentrales, naturnahes System. „Ein großes Rückhaltebecken speichert Wasser nur kurzfristig. Wir wollten das Wasser möglichst in der Fläche halten“, erklärte Beimler.

Kern des Konzepts sind zahlreiche kleine Erdbecken, die überall dort angelegt wurden, wo Oberflächenwasser aus den Feldern austritt. Insgesamt entstanden entlang von rund zwei Kilometern etwa 15 solcher Rückhaltestrukturen. Die Becken sind miteinander verbunden und mit Überläufen ausgestattet, sodass sich das Wasser kaskadenartig verteilt. Entscheidend ist dabei, dass das Wasser abgefangen wird, bevor es auf Straßen gelangt. „Sobald die Straße zum Vorfluter wird, ist es zu spät“, so Beimler.

Zusätzlich wurden entlang gefährdeter Bereiche Erdwälle aufgeschüttet, um Siedlungen zu schützen und Wasser gezielt in die Rückhaltebereiche zu lenken. Die Maßnahmen zeigen Wirkung: Seit der Umsetzung Mitte der 2000er Jahre gelangte bei Starkregen kein Oberflächenwasser mehr in den Hauptort.

In einem weiteren Schritt entwickelte die Gemeinde das Konzept weiter. Ziel war nun, das Wasser nicht nur zurückzuhalten, sondern möglichst wieder in die Fläche zu versickern. Dazu wurde in der Ortschaft Lennesrieth ein alter Hohlweg als natürlicher Rückhalteraum genutzt. Durch Aufschüttung und einen gedrosselten Ablauf können dort rund 1.500 Kubikmeter Wasser zwischengespeichert werden. Nachgeschaltete Versickerungsmulden mit grobem Schotter ermöglichen zusätzlich eine Versickerung.

Parallel wurden Straßenquerungen durchlässiger gestaltet, Gräben wieder geöffnet und Wasser gezielt aus der Ortslage heraus in angrenzende Flächen umgeleitet. Ein wichtiger Schritt war auch die Renaturierung der Luhe: Durch den Erwerb angrenzender Flächen konnten Retentionsmulden geschaffen werden, in die der Fluss bei höherem Wasserstand ausweichen kann. Dadurch wird der Abfluss gedämpft und Hochwasserspitzen werden reduziert.

Die Umsetzung erforderte vor allem Überzeugungsarbeit bei den Landwirten, denn viele Maßnahmen betreffen direkt landwirtschaftliche Flächen. Skepsis gab es anfangs durchaus. Doch mit wachsender Erfahrung und sichtbaren Erfolgen wuchs auch die Akzeptanz. „Heute sehen viele, dass diese Lösungen funktionieren“, so Beimler.

Für den Bürgermeister war weniger die Finanzierung als vielmehr die Unsicherheit über die Wirksamkeit die größte Herausforderung: „Wir haben Maßnahmen umgesetzt, ohne genau zu wissen, ob sie funktionieren. Aber sie haben funktioniert.“

Das Beispiel Waldthurn zeigt, dass kommunaler Hochwasserschutz nicht zwangsläufig große technische Infrastruktur benötigt. Dezentrale, naturnahe Lösungen können nicht nur Überschwemmungen verhindern, sondern gleichzeitig ökologische Funktionen stärken und Wasser wieder in den natürlichen Kreislauf zurückführen. Gerade für ländliche Gemeinden mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten kann dieser Ansatz ein wirkungsvoller Weg sein.

Michael von Hassel

Michael von Hassel

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