Sicher durch den Krisenfall Krisenfest und nachhaltig: Ein Holzbau für das kommunale Krisenmanagement

GZ Online, 14. März '26 | Umwelt & Lebensraum
von Michael von Hassel
Ralf Weikert
Ralf Weikert | Building@Controls GmbH

Kommunen müssen auch in Ausnahmesituationen handlungsfähig bleiben – etwa bei Stromausfällen, Naturereignissen oder anderen Krisenlagen. Wie sich organisatorische Krisenvorsorge mit nachhaltigem Bauen verbinden lässt, zeigt ein Beispiel aus der Oberpfalz: Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat ein eigenes Gebäude für das kommunale Krisenmanagement errichtet, das weitgehend autark betrieben werden kann. Beim Kongress „Bayerns beste kommunale Umweltbeispiele“ stellte Ralf Weikert von der Building@Controls GmbH das Projekt vor.

Infrastruktur für den Ernstfall

Das Gebäude wurde gezielt für die Arbeit eines Krisenstabs konzipiert. Ziel ist es, im Ereignisfall alle relevanten Kräfte schnell an einem Ort zusammenzuführen und ihnen eine sofort einsatzfähige Infrastruktur bereitzustellen. Arbeitsplätze sind vorbereitet, Netzwerke und technische Systeme stehen bereit, große Bildschirme ermöglichen die Lageübersicht. Organisationen wie Feuerwehr, Katastrophenschutz oder Verwaltung können kurzfristig anrücken und ihre Einsatzleitungen aufbauen.

Ein zentrales Planungsziel war die Funktionsfähigkeit auch bei Störungen der öffentlichen Versorgung. Das Gebäude kann bei Stromausfällen weiterbetrieben werden. Notstromsysteme, redundante Stromversorgung sowie batteriegepufferte Steuerungen sorgen dafür, dass zentrale Gebäudefunktionen stabil bleiben. Selbst bei Ausfall einzelner Anlagen ist ein Mindestbetrieb gesichert – ein entscheidender Faktor für Krisensituationen.

Holzbau mit regionalem Material

Neben der Krisenfestigkeit spielte auch Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Das Gebäude wurde vollständig in Holzbauweise errichtet – überwiegend mit Holz aus der Region. Massivholzstrukturen prägen die Konstruktion, kombiniert mit modernen architektonischen Elementen wie Sichtbeton und integrierter LED-Beleuchtung.

Auch energetisch wurde auf Effizienz geachtet. Photovoltaikmodule sind unauffällig in das Dach integriert. Zwei Luft-Wärmepumpen versorgen das Gebäude mit Wärme oder Kühlung. In Verbindung mit Deckensegeln können Räume im Winter beheizt und im Sommer gekühlt werden.

Intelligente Gebäudetechnik

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Gebäudesteuerung. Fensterkontakte verhindern beispielsweise Energieverluste: Wird ein Fenster geöffnet, stoppt automatisch die Heiz- oder Kühlleistung im Raum. Nutzer können ihre Raumtemperatur individuell anpassen oder Räume bei Abwesenheit temporär deaktivieren.

Über ein digitales Monitoring lassen sich Energieverbrauch und Anlagenzustände raumgenau nachvollziehen. Trenddaten ermöglichen es, technische Auffälligkeiten schnell zu erkennen und den Betrieb zu optimieren. Wartung und Kontrolle können weitgehend aus der Ferne erfolgen.

Auch Wetterprognosen werden in die Steuerung einbezogen. Über ein Funksystem erhält die Anlage Vorhersagedaten für mehrere Tage, wodurch das Gebäude frühzeitig auf Sonneneinstrahlung oder Temperaturänderungen reagieren kann. So lassen sich Heiz- und Kühlprozesse effizienter steuern.

Redundanz als Sicherheitsprinzip

Für den Krisenfall wurde bewusst auf redundante Systeme gesetzt. Neben den Wärmepumpen stehen zusätzliche elektrische Heizpatronen bereit, um im Notbetrieb zumindest eine Mindesttemperatur zu gewährleisten. Leckagesensoren schützen Technikräume vor Wasserschäden. Zudem können Anlagen bei Bedarf auch manuell gesteuert werden – ein wichtiger Aspekt, falls digitale Systeme einmal ausfallen.

Regelmäßige Tests gehören zum Betriebskonzept: In festen Abständen wird der Notfallbetrieb simuliert, etwa durch Abschalten der Stromversorgung. Dadurch kann der Betreiber sicherstellen, dass alle Systeme im Ernstfall funktionieren.

Modell für kommunale Vorsorge

Für Weikert zeigt das Projekt beispielhaft, wie Kommunen Krisenvorsorge und nachhaltige Bauweise miteinander verbinden können. Gerade angesichts wachsender Risiken – von Energieengpässen bis hin zu Extremereignissen – werde die Fähigkeit zur schnellen Koordination immer wichtiger.

Der Krisenmanagement-Bau des Landkreises Amberg-Sulzbach liefert dafür einen praktischen Ansatz: ein energieeffizientes Gebäude, das im Alltag Verwaltungsräume bietet und im Ernstfall zum leistungsfähigen Krisenstab wird. Für viele Kommunen könnte dieses Konzept ein Modell für zukünftige Infrastruktur sein.

Michael von Hassel

Michael von Hassel

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