Nachhaltig bauen heißt langfristig denken Die Beratungsstelle Energieeffizienz und Nachhaltigkeit der Bayerischen Architektenkammer unterstützt Kommunen und Bauherren
von Michael von Hassel

Beim Kongress „Bayerns beste kommunale Umweltbeispiele“ auf der Landshuter Umweltmesse stellte Markus Weinig von der Bayerischen Architektenkammer die Beratungsstelle Energieeffizienz und Nachhaltigkeit vor. Sein Vortrag zeigte: Die Gestaltung unserer gebauten Umwelt ist ein zentraler Hebel für Klimaschutz, Ressourcenschonung und lebenswerte Städte.
Bauwirtschaft als Schlüssel zum Klimaschutz
Die Bau- und Gebäudewirtschaft spielt beim Klimaschutz eine entscheidende Rolle. Weltweit entstehen rund 50 Prozent der Treibhausgasemissionen direkt oder indirekt im Zusammenhang mit Gebäuden und Bauprozessen – etwa durch Baustoffe, Bauarbeiten oder den Energieverbrauch im Gebäudebetrieb. Auch in Deutschland liegt der Anteil noch bei rund 40 bis 45 Prozent.
Hinzu kommt der enorme Ressourcenverbrauch: Rund 90 Prozent der inländisch eingesetzten Rohstoffe stehen in Zusammenhang mit der Bauwirtschaft. Gleichzeitig entstehen 55 Prozent des gesamten Abfallaufkommens in Deutschland durch Bau und Abbruch. Diese Zahlen verdeutlichen, warum nachhaltiges und kreislaufgerechtes Bauen zunehmend in den Fokus rückt.
Kommunen stehen vor komplexen Herausforderungen
Für Städte und Gemeinden bündeln sich viele dieser Fragen im Alltag kommunaler Planung. Neben klassischen Aufgaben wie Schulen, Bauhöfen oder kommunalen Liegenschaften gewinnen neue Themen an Bedeutung:
- Flächenverbrauch und Siedlungsentwicklung
- Energiewende und steigender Strombedarf
- Klimaanpassung durch Hitze- und Starkregenereignisse
- Schutz der Biodiversität
Der Flächenverbrauch bleibt hoch: Bayern hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 nur noch fünf Hektar Fläche pro Tag neu zu versiegeln – aktuell liegt der Wert noch etwa doppelt so hoch. Versiegelte Flächen wirken sich zudem direkt auf das Stadtklima aus: In dicht bebauten Innenstädten kann es nachts mehrere Grad wärmer sein als in Grünflächenbereichen.
Auch Starkregen wird zu einer wachsenden Herausforderung. Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Feuchtigkeit speichern – etwa sieben Prozent mehr pro Grad Erwärmung. Dadurch nehmen lokale Starkregenereignisse zu. Entscheidend ist dabei auch die Beschaffenheit der Oberfläche: Während ein gewachsener Waldboden große Wassermengen aufnehmen kann, fließt Niederschlag auf versiegelten Flächen fast vollständig ab.
Drei Prinzipien nachhaltiger Stadtentwicklung
Vor diesem Hintergrund gewinnt eine integrierte Planung an Bedeutung. Weinig nannte drei zentrale Prinzipien:
1. Nachhaltig bauen und planen
Im Mittelpunkt steht der Lebenszyklus eines Gebäudes. Statt nur Baukosten zu betrachten, müssen auch Betriebskosten, Umnutzungsmöglichkeiten und Rückbaubarkeit berücksichtigt werden. Ziel ist eine Bauweise, die langlebig ist und Ressourcen spart.
2. Naturnahe Prozesse integrieren
Grünflächen, Bäume oder durchlässige Böden wirken als natürliche Klimaanlagen. Sie kühlen Städte, speichern Wasser und fördern Biodiversität. Elemente wie begrünte Dächer, Fassaden oder Versickerungsflächen können diese Effekte gezielt verstärken.
3. Flächen effizient nutzen
Eine nachhaltige Entwicklung setzt auf multifunktionale Räume. Gebäude und Flächen können mehrere Nutzungen übernehmen – etwa Sportflächen auf Dächern, gemeinschaftlich genutzte Mobilitätsangebote oder flexible Gebäudestrukturen.
Beratungsangebot für Kommunen und Bürger
Um diese Ansätze in die Praxis zu bringen, hat die Bayerische Architektenkammer eine Beratungsstelle für Energieeffizienz und Nachhaltigkeit eingerichtet. Sie bietet eine kostenfreie Erstberatung für Kommunen, Bauherren und Bürger.
Das interdisziplinäre Team aus Architekten, Stadtplanern, Landschaftsarchitekten und Energieexperten unterstützt unter anderem bei Fragen zu:
- energetischer Sanierung
- nachhaltiger Planung
- Fördermöglichkeiten
- Klimaanpassung bei Gebäuden
- Begrünung und Flächenmanagement
Neben individuellen Beratungen stellt die Kammer Informationsmaterialien, Fachpublikationen, Online-Beiträge sowie eine Wanderausstellung mit beispielhaften Projekten zur Verfügung. Auch Vorträge und Informationsveranstaltungen für Kommunen gehören zum Angebot.
Nachhaltigkeit als Chance für bessere Lebensräume
Weinig betonte, dass nachhaltiges Bauen nicht allein technische Lösungen bedeutet. Entscheidend sei ein ganzheitlicher Blick auf Gebäude, Quartiere und Landschaft. Wer Energieeffizienz, Klimaanpassung und Nutzungsqualität zusammen denkt, schafft nicht nur resilientere Städte – sondern auch attraktivere Lebensräume.
Gerade Kommunen spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie entscheiden über Flächennutzung, Bauleitplanung und kommunale Gebäude. Unterstützungsangebote wie die Beratungsstelle der Bayerischen Architektenkammer können helfen, diese komplexen Aufgaben fachlich fundiert anzugehen.