Landespflegetage in Veitshöchheim: Impulse für nachhaltiges Stadtgrün
von Doris Kirchner

Mit großem Zuspruch aus der Branche sind die 58. Landespflegetage in den Mainfrankensälen in Veitshöchheim zu Ende gegangen. Unter dem Motto „Grün gedacht – smart gemacht“ diskutierten rund 660 Fachbesucher und mehr als 60 Aussteller aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze für den Garten- und Landschaftsbau sowie für die Entwicklung zukunftsfähiger urbaner Grünräume. Veranstalter waren der Verband ehemaliger Veitshöchheimer, das Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau (ISL) an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) sowie der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) Bayern.
Zum Auftakt zeigte sich LWG-Leiter Dr. Jörg Hirsche erfreut über die hohe Beteiligung. Er betonte, dass die Branche vor der Aufgabe stehe, ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Anforderungen miteinander zu verbinden. Innovation, Nachhaltigkeit und Effizienz müssten dabei stets mit einem menschengerechten Ansatz einhergehen. Mit Blick auf den Wandel im Umgang mit Ressourcen formulierte Hirsche: „Was gestern noch als Reststoff galt, kann morgen ein wertvoller Bestandteil nachhaltiger Stoffkreisläufe sein.“
Dietmar Lindner, Präsident des VGL Bayern, hob in seinem Grußwort die Leistungsfähigkeit der Landschaftsgärtner hervor. Als Beispiel nannte er die erfolgreiche Landesgartenschau in Furth im Wald. Gleichzeitig richtete er den Blick in die Zukunft und verwies auf die nächste Landesgartenschau 2027 in Bad Windsheim.
Fokus: Boden und Wassermanagement
Der fachliche Teil der Tagung war in zwei Themenschwerpunkte gegliedert. Am ersten Veranstaltungstag stand das „Gestalten mit Ressourcen und Pflanzen“ im Mittelpunkt. Dabei wurde insbesondere die Rolle des Bodens und des Wassermanagements für klimaresiliente Grünflächen in den Blick genommen.
Ralf Schäffner vom Planungsbüro arc.grün aus Kitzingen machte auf die Bedeutung geeigneter Standortbedingungen für Stadtbäume aufmerksam. Entscheidend seien vor allem ausreichend große, durchwurzelbare Bodenvolumina sowie eine gesicherte Wasserverfügbarkeit. Bäume könnten einen erheblichen Beitrag zur Klimaregulation leisten: Ein mittelgroßer Laubbaum verdunste jährlich bis zu 30.000 Liter Wasser und trage damit zur Abkühlung des städtischen Umfelds bei.
Mit der effizienten Nutzung von Wasser beschäftigte sich auch ein Forschungsprojekt der LWG. Nikolai Kendzia, Leiter des ISL, stellte das Projekt „GrünSpeichertBlau“ vor, in dem sogenannte Baumrigolen auf ihre Speicherfähigkeit untersucht werden. Ziel ist es, durch den Einsatz von Sensorik und die Auswertung von Wetter- und Bodenfeuchtedaten eine bedarfsgerechte Bewässerung zu ermöglichen. Dadurch könnten sowohl Wasser als auch Arbeitszeit eingespart werden.
Schwammstadt
Einen kritischen Blick auf aktuelle Entwicklungen warf Stefan Stevanovic von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Er stellte verschiedene Ansätze sogenannter Schwammstadtprojekte vor und plädierte für einfache, naturnahe Lösungen. Übertechnisierte Systeme seien häufig wartungsintensiv und anfällig. Dagegen hätten sich bodenbasierte Ansätze in der Praxis als robuster erwiesen, sofern der Boden entsprechend aufgebaut und dauerhaft funktionsfähig gehalten werde.
Weitere Vorträge beleuchteten die Verwendung von Substraten, die Bedeutung naturnaher Planung sowie neue Erkenntnisse zur Pflanzenverwendung. Landschaftsarchitektin Ingrid Gock sprach sich grundsätzlich für den Einsatz vorhandener Böden aus, die sich mit geeigneten Bodenhilfsstoffen anpassen ließen. Dies sei nicht nur nachhaltiger, sondern auch ressourcenschonender.
„Natur“ im Kontext
Einen wissenschaftlichen Blick auf die Gestaltung naturnaher Spiellandschaften lieferten Prof. Nora Huxmann und Patricia Werner von der Technischen Universität Dresden. Sie betonten die Bedeutung tragfähiger Pflegekonzepte und wiesen darauf hin, dass der Begriff „Natur“ stets im Kontext gesellschaftlicher und planerischer Zielsetzungen zu verstehen sei.
Mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Pflanzen befasste sich Theresa Edelmann vom Institut für Landschaftsbau und Sonderkulturen (ILS) in Veitshöchheim. Ihre Untersuchungen zeigten, dass rotlaubige Gehölze unter Stressbedingungen wie Hitze und Trockenheit Vorteile haben können. Eine gezielte Auswahl solcher Pflanzen könne zur Risikostreuung beitragen und die Artenvielfalt im urbanen Raum erhöhen.
Erhebliches Potenzial für den Klimaschutz
Auch Fragen der Kreislaufwirtschaft wurden thematisiert. Lennart Dittmer stellte ein Pilotprojekt zur Verwertung von Mähgut vor. Er kritisierte, dass die aktuelle rechtliche Einordnung häufig eine sinnvolle Nutzung verhindere. Dabei biete die Verwertung ein erhebliches Potenzial für den Klimaschutz.
Ökologische Vorteile
Betriebliche Themen sowie Innovationen rückten am zweiten Veranstaltungstag in den Fokus. Mit der Weiterentwicklung von Baustoffen und Bauweisen beschäftigte sich Gert Bischoff, Professor im Ruhestand der Fachhochschule Erfurt. Er stellte die Überarbeitung des Regelwerks für wassergebundene Wege vor und verwies auf deren ökologische Vorteile gegenüber versiegelten Flächen.
Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor
Die wirtschaftliche Perspektive beleuchtete Prof. Dr.-Ing. Heiko Meinen von der Hochschule Osnabrück. Er machte deutlich, dass Nachhaltigkeit zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor werde. Unternehmen seien gefordert, sich nicht nur an gesetzlichen Vorgaben zu orientieren, sondern ihre Strategien aktiv an veränderte Marktbedingungen anzupassen.