Kommunales Engagement für lebendige Gewässer Wiederbelebung der Kleinen Paar: Wie eine Gemeinde ihr Gewässer zurückholt

GZ Online, 14. März '26 | Umwelt & Lebensraum
von Michael von Hassel
Roman Pekis und Matthias Schlicker
Roman Pekis und Matthias Schlicker | Gemeinde Baar (Schwaben)

Wie können Kommunen mit begrenzten Mitteln ihre Gewässer ökologisch aufwerten – und gleichzeitig Bürgerinnen und Bürger einbinden? Die Gemeinde Baar (Schwaben) zeigt, wie das gelingen kann. Bürgermeister Roman Pekis stellte beim Kongress „Bayerns beste kommunale Umweltbeispiele“ im Rahmen der Landshuter Umweltmesse das Projekt zur Wiederbelebung der Kleinen Paar vor.

Ein begradigter Bach wird wieder lebendig

Die Kleine Paar war ursprünglich ein naturnahes Fließgewässer mit zahlreichen Mäandern. Im Zuge der Flurbereinigung wurde der Bach jedoch über Jahrzehnte begradigt, verbaut und ökologisch stark beeinträchtigt. Auf dem rund zehn Kilometer langen Gewässerabschnitt im Gemeindegebiet fanden sich 26 Bauwerke – darunter Sohlschwellen und Abstürze –, die die Durchgängigkeit für Fische und andere Wasserorganismen verhinderten.

Für die rund 1.300 Einwohner zählende Kommune bedeutete das eine Herausforderung. Baar ist finanziell eingeschränkt und verfügt nur über einen kleinen Bauhof. Gleichzeitig besteht für Gemeinden eine gesetzliche Pflicht zur Unterhaltung von Gewässern dritter Ordnung – und langfristig auch zur Umsetzung der Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung

Statt auf aufwendige Planungsverfahren zu setzen, entschied sich die Gemeinde für pragmatische Schritte. Viele Maßnahmen wurden in Eigenregie umgesetzt – mit einfachen Skizzen, fachlicher Unterstützung aus dem Wasserwirtschaftsbereich und großem ehrenamtlichem Engagement.

Ein Schwerpunkt lag auf der Verbesserung der Durchgängigkeit: Sohlschwellen wurden mit Wasserbausteinen und Kies aufgefüllt und so für Fische passierbar gemacht. Gleichzeitig entstanden kiesige Strukturen als Laichplätze. Auch die Gewässersohle wurde lokal aufgewertet, um verschlammte Bereiche wieder zu beleben.

Weitere Maßnahmen zielten auf eine naturnahe Gewässerentwicklung:

  • Abflachung von Ufern, um Hochwasser mehr Raum zu geben
  • Entwicklung von Gehölzstreifen als Puffer zwischen Landwirtschaft und Gewässer
  • Strukturierung des Bachbetts für unterschiedliche Strömungsbereiche

Die Maßnahmen zeigten schnell Wirkung. Bereits nach kurzer Zeit verbesserte sich die ökologische Qualität des Gewässers deutlich. Bei Untersuchungen wurde statt eines unzureichenden Zustands ein „guter Zustand“ festgestellt. Auch die Artenvielfalt nahm zu: Inzwischen wurden elf Fischarten nachgewiesen – zuvor waren es lediglich zwei.

Bürgerprojekt statt Behördenprojekt

Ein Schlüssel zum Erfolg war die konsequente Einbindung der Bevölkerung. Die Gemeinde informierte regelmäßig über Gemeindeblatt, Bürgerversammlungen und lokale Aktionen. Bei einem ersten Arbeitseinsatz standen rund 50 Helferinnen und Helfer gemeinsam im Bach – ausgestattet mit Schubkarren und Gummistiefeln.

Auch Spenden halfen beim Start: Bereits der erste Aufruf brachte rund 3.500 Euro ein. Damit konnte ein Gewässerabschnitt von etwa 300 Metern verbessert werden. Unterstützt wurde das Projekt zudem von örtlichen Vereinen, insbesondere dem Fischereiverein.

Heute ist die Kleine Paar wieder Teil des Dorflebens. Kinder spielen im Wasser, Spaziergänger halten sich am Bach auf, und Bürger melden Auffälligkeiten direkt an die Gemeinde.

Vorbild für andere Kommunen

Das Projekt hat inzwischen überregionale Aufmerksamkeit erlangt. Mehrere Auszeichnungen würdigen die Initiative, und zahlreiche Kommunen informieren sich vor Ort über den Ansatz.

Für Bürgermeister Pekis steht fest: Gewässerentwicklung muss nicht immer teuer sein. Entscheidend seien Engagement, Kooperation und der Mut, pragmatische Lösungen umzusetzen.

„Früher war der Bach für viele ein Abwasserkanal“, sagte Pekis. „Heute gehört er wieder zum Dorf.“

Mit weiteren Maßnahmen – etwa zusätzlichen Rückhalteräumen für Hochwasser und einer stärkeren Vernetzung mit Nachbarkommunen entlang der rund 26 Kilometer bis zur Donau – will die Gemeinde die Renaturierung der Kleinen Paar Schritt für Schritt fortsetzen.

Michael von Hassel

Michael von Hassel

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