Digitale Plattform macht Energieverbräuche sichtbar Kommunales Energiemanagement digital gedacht: Wie der Landkreis Ebersberg Verbräuche sichtbar macht

GZ Online, 12. März '26 | Umwelt & Lebensraum
von Michael von Hassel
Stefan Artl
Stefan Artl | Bachner Elektro GmbH & Co. KG

Steigende Energiepreise, knappe personelle Ressourcen und ehrgeizige Klimaziele setzen Kommunen unter Druck. Der Landkreis Ebersberg zeigt, wie eine digitale Energiemanagementplattform dabei helfen kann, Verbräuche transparenter zu machen, Einsparpotenziale zu erkennen und den Gebäudebetrieb effizienter zu steuern. Beim Kongress „Bayerns beste kommunale Umweltbeispiele“ auf der Landshuter Umweltmesse stellte Robert Maier vom Klimaschutzmanagement des Landratsamts Ebersberg das System als Praxisbericht vor.

Im Mittelpunkt steht eine kommunale digitale Energiemanagementplattform, in der die Verbräuche von Strom, Wärme und Wasser sowie Daten aus Photovoltaikanlagen zusammenlaufen. Ziel ist es, Ressourcenverluste frühzeitig zu erkennen und daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten. Denn für Maier ist klar: Energie aus erneuerbaren Quellen bleibt ein wertvolles Gut, das nicht verschwendet werden sollte.

Entstanden ist das Projekt aus der Liegenschaftsverwaltung des Landkreises. Von Beginn an waren verschiedene Stellen eingebunden: Hochbau und Liegenschaften, Bildung und IT, die Vergabestelle, die Informationssicherheitsbeauftragte sowie das interne Web-GIS-Team. Gefördert wurde das Vorhaben im Rahmen von „Kommunal? Digital!“ durch das Bayerische Staatsministerium für Digitales. Für Maier ist diese breite Abstimmung ein zentraler Erfolgsfaktor: Wer ein solches System einführt, müsse frühzeitig „mit den Nachbarn reden“, also alle betroffenen Fachbereiche an einen Tisch holen.

Der Nutzen der Plattform ist im Landkreis breit angelegt. Sie dient den Mitarbeitenden im Gebäudemanagement als Arbeitsinstrument, unterstützt Techniker und Hausmeister im laufenden Betrieb und liefert der Verwaltung Daten für Verbrauchsabrechnungen und Energieberichte. Auch Schulen können die Plattform für Bildungsprojekte nutzen. Darüber hinaus gibt es eine öffentliche Ansicht auf der Homepage des Landkreises, über die sich auch Bürgerinnen und Bürger informieren können. Nach Angaben Maiers wurde dieses Angebot im vergangenen Jahr rund 450-mal aufgerufen – für ein spezielles Fachthema kein schlechter Wert.

Besonders betonte Maier die Rolle der Hausmeister. Sie seien in kommunalen Gebäuden oft die entscheidenden Akteure, wenn es darum gehe, Auffälligkeiten vor Ort einzuordnen und schnell zu reagieren. Die Plattform alarmiert sie etwa bei ungewöhnlich hohem Wärme-, Strom- oder Wasserverbrauch. So können sie Heizungsanlagen nachjustieren, Laufzeiten überprüfen oder Störungen früh erkennen. Investitionen sind dafür nicht immer sofort nötig; häufig lassen sich schon durch betriebliche Optimierungen Effekte erzielen.

Als besonders wirkungsvoll schilderte Maier das Leckage-Monitoring beim Wasserverbrauch. Hier habe das System bereits gezeigt, dass sich potenzielle Schäden vermeiden lassen. Sein Beispiel aus dem eigenen Haus machte deutlich, wie praxisnah das Instrument arbeitet: Ein ungewöhnlicher Wasserverbrauch durch eine laufende Toilette wurde automatisch erkannt, der Hausmeister war bereits informiert. Gerade in größeren Gebäuden könne dies helfen, Schäden und Folgekosten zu begrenzen. Zusätzlich gebe es Signale, dass ein solches Monitoring sogar positive Effekte bei Versicherungsprämien haben könne.

Technisch setzt der Landkreis auf digitale Zählererfassung in den Gebäuden. Anders als im Einfamilienhaus gibt es in Schulen, Verwaltungsgebäuden oder anderen Liegenschaften meist zahlreiche einzelne Messstellen. Diese Daten werden über einen sogenannten Kommunal-Digital-Controller zusammengeführt und verschlüsselt an ein Portal übertragen. Dort stehen sie für Analyse, Benchmarking, Alarmierung und Visualisierung zur Verfügung. Funklösungen wurden laut Maier bewusst nicht weiterverfolgt, weil sich Kellerbereiche mit dicken Decken als störanfällig erwiesen hätten. Kabelgebundene Systeme seien robuster. Auch batteriebetriebene Lösungen hätten sich in der Praxis als unvorteilhaft erwiesen, weil der Wartungsaufwand zu hoch sei.

Aktuell sind im Landkreis 31 Liegenschaften eingebunden, ein Gebäude wurde aufgrund seines Alters, Denkmalschutzes und vergleichsweise geringen Verbrauchs bewusst außen vor gelassen. Maier rät Kommunen ausdrücklich davon ab, sofort alle Gebäude vollständig digitalisieren zu wollen. Sinnvoller sei es, mit ein oder zwei geeigneten Objekten zu beginnen, Erfahrungen zu sammeln und den Aufwand beherrschbar zu halten.

Die Kosten hängen stark vom Bestand und der vorhandenen Technik ab. Für ein Beispiel mit 15 Messstellen nannte Maier einmalige Aufwendungen im Bereich von rund 7.500 bis 35.500 Euro, hinzu kommen Verkabelungsarbeiten, Schulung und Softwareeinrichtung. Die laufenden Hostingkosten bezifferte er auf etwa 7.500 Euro pro Jahr. Eine belastbare Aussage zu den tatsächlichen Einsparungen im Landkreis Ebersberg sei nach gut einem Jahr stabilem Betrieb noch verfrüht. Vergleichsbeispiele aus anderen Kommunen zeigten aber, dass deutliche Reduktionen möglich seien.

Für Maier ist der größte Mehrwert deshalb nicht allein in einer schnellen Prozentzahl zu suchen. Entscheidend sei, dass Verbräuche erstmals systematisch sichtbar würden, dass man Abweichungen erkenne und Personal entlaste. Manuelle Zählerablesung, Excel-Übertragungen und fehleranfällige Routinen könnten reduziert werden – ein wichtiger Aspekt gerade in Zeiten knapper Personalressourcen. Das Beispiel Ebersberg zeigt damit vor allem eines: Digitales Energiemanagement ist kein Selbstzweck, sondern ein praktisches Werkzeug für mehr Transparenz, effizienteren Gebäudebetrieb und gezielteres kommunales Handeln.

Michael von Hassel

Michael von Hassel

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