Bayerische Nachhaltigkeitstagung in Bayreuth: Fachimpulse für resiliente Kommunen
von Doris Kirchner

Unter dem Motto „Dranbleiben! Mit positiver Kommunikation und wirksamen Instrumenten“ fand in Bayreuth die 9. Bayerische Nachhaltigkeitstagung statt. Rund 120 Teilnehmer aus ganz Bayern und darüber hinaus kamen zusammen, um sich über aktuelle Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung, Kommunikationsstrategien und kommunale Lösungsansätze auszutauschen. Hauptveranstalter waren das Zentrum für nachhaltige Kommunalentwicklung und RENN.Süd (Regionale Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien e. V.). Die Tagung knüpfte unmittelbar an die dritte oberfränkische Klimakonferenz RegioCOP an.
Ziel der Veranstaltung war es, Akteure aus Kommunen, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zu vernetzen, Erfahrungen zu teilen und neue Impulse für nachhaltige Entwicklung vor Ort zu gewinnen. Julia Stanger und Silke Timm vom Zentrum für nachhaltige Kommunalentwicklung eröffneten die Tagung mit der Frage, wie Nachhaltigkeit heute vermittelt werden kann und welche Instrumente notwendig sind, um wirksame Impulse in Politik und Gesellschaft zu setzen.
Poetry-Slammer Michael Jakob zeigte in einem Gedankenexperiment, wie stark Sprache und innere Bilder das Empfinden beeinflussen. Seine Botschaft: Nachhaltigkeitskommunikation sollte stärker positive Narrative betonen. Neben Diskussionen über Verzicht gebe es auch „Geschichten des Gewinns“, etwa mehr Lebensqualität durch Naturerlebnisse oder regionale Angebote.
Top-Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit
Bayreuths Oberbürgermeister Thomas Ebersberger betonte, dass „Umweltschutz und Nachhaltigkeit nach wie vor absolute Top-Themen“ seien, die sich mit wirtschaftlichen Interessen verbinden ließen. Prof. Dr. Manfred Miosga von der Universität Bayreuth blickte auf die Entwicklung der RegioCOP zurück, die sich zu einer Plattform für Austausch zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft entwickelt habe.
Die Keynote hielt der Berliner Journalist und Politikwissenschaftler Carel Mohn. Er analysierte die aufgeheizte Klimadebatte und verwies auf eine spürbare Gegenbewegung, die Fortschritte erschwere. Widerstände ließen sich nur verstehen, wenn psychologische Bedürfnisse wie Sicherheit, Autonomie oder Selbstwert berücksichtigt würden. Zudem verwies er auf das Phänomen der „pluralistischen Ignoranz“: Viele Menschen hielten ihr eigenes Engagement für ausreichend, zweifelten jedoch am Einsatz anderer.
Gesellschaftliche Akzeptanz
Mohn widersprach der Annahme, Klimaschutz schade der Wirtschaft. Viele Staaten und Unternehmen befänden sich bereits mitten in der Transformation. Entscheidend für gesellschaftliche Akzeptanz sei ein „magisches Viereck“: Maßnahmen müssten wirksam sein, als wirksam wahrgenommen werden, sozial gerecht gestaltet und persönlich nützlich erscheinen.
Wie vielfältig kommunale Nachhaltigkeitsarbeit sein kann, zeigte die anschließende Diskussion mit Praxisbeispielen. Philipp Abel vom Nachhaltigkeitsbüro der Stadt Fürth verwies auf die Bedeutung ausreichender personeller Kapazitäten. Lena Roth vom GreenCampus der Universität Bayreuth betonte die Rolle von Selbstfürsorge bei langfristigem Engagement. Jürgen Hennemann, Bürgermeister von Ebern, plädierte für eine konsequente Nutzung bestehender Planungsinstrumente und eine enge Orientierung kommunaler Entwicklungskonzepte an den Zielen der Agenda 2030.
Begleitend bot ein „Zukunftsmarkt“ Raum für Austausch. Landes- und Fachstellen präsentierten ihre Arbeit, ergänzt durch eine Ausstellung zum Fairen Handel in der Metropolregion Nürnberg. Workshops vertieften Themen wie nachhaltige öffentliche Beschaffung, kommunale Nachhaltigkeitsberichte, Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie verhaltenswissenschaftliche Ansätze wie „Nudging“ und „Boosting“. Ziel war es, konkrete Werkzeuge für die kommunale Praxis zu vermitteln.
In der Abschlussrunde würdigten viele Teilnehmer die offenen Austauschformate. Nachhaltige Entwicklung vor Ort gelinge dort, wo Menschen sich vernetzen und gemeinsam Lösungen entwickeln. Die Tagung habe nicht nur informiert, sondern auch motiviert.