Pfaffenhofen und Landkreis Regen: Erfahrungsaustausch zur Energiewende
von Doris Kirchner

Vertreter der Stadt Pfaffenhofen an der Ilm und des Landkreises Regen haben sich im Rahmen des Projekts Forum Synergiewende zu einem praxisnahen Austausch über kommunale Energie- und Wärmewende getroffen. Das Format bringt jeweils zwei Kommunen zusammen, die konkrete Themen und spezifische Fragestellungen diskutieren und somit von den Erfahrungen der anderen Kommune profitieren können. Ziel des Austauschs ist es, neue Impulse zu setzen, um Herausforderungen zu bewältigen und die Energiewende vor Ort voranzutreiben.
Nach der Begrüßung durch die Pfaffenhofener Gastgeber stellte sich das Teilnehmerfeld mit seinen unterschiedlichen beruflichen Hintergründen vor. Im Anschluss präsentierte die oberbayerische Stadt den aktuellen Stand der lokalen Energiewende sowie künftige Aktivitäten und Projekte. Dabei wurden zentrale Themenfelder von der Strom- über die Wärmeversorgung bis zu Mobilitätsansätzen beleuchtet. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf Beteiligungs- und Akzeptanzmaßnahmen sowie auf planerischen, regulatorischen und kommunikativen Herausforderungen, denen die Kommune begegnet und für die bereits Lösungen entwickelt wurden.
Strombedarf vollständig durch EE abgedeckt
Pfaffenhofen deckt seinen Strombedarf bereits vollständig aus Erneuerbaren Energien. Neben Biomasse tragen fünf Windenergieanlagen und eine hohe Photovoltaik-Dichte auf Gebäuden zur Versorgung bei. Der Bau des Windparks erforderte jedoch langwierige Genehmigungsverfahren und viel Engagement von Verwaltung und Bevölkerung, ehe die Anlagen 2024 fertiggestellt werden konnten. Angesichts des steigenden Stromverbrauchs, der sich bis 2035 durch die zunehmende Elektrifizierung von Verkehr und Wärme voraussichtlich verdoppeln wird, werden künftig weitere Anlagen notwendig sein.
Im Wärmebereich liegt Pfaffenhofen mit rund 40 Prozent erneuerbarer Wärme über dem bundesweiten Durchschnitt. Die Stadtwerke stellten den Ausbau der Wärmenetze vor, einschließlich verschiedener Technologien der Sektorenkopplung wie einer Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage, einer in Bau befindlichen Luftwärmepumpe sowie Forschungsprojekten zu Power-to-X-Anwendungen. Dabei wurden die Projektphasen von der ersten Konzeptentwicklung bis zur Umsetzung erläutert, ebenso die Herausforderungen bei Anschlussquoten, Photovoltaik- oder Gründachpflichten und die Notwendigkeit einer abgestimmten Öffentlichkeitsarbeit. Synergien mit anderen Projekten, etwa dem Straßenbau, ermöglichen eine effiziente Umsetzung und Einsparungen bei Zeit und Kosten.
Darüber hinaus teilte Pfaffenhofen Erfahrungen im Bereich Bürgerenergie. Die Energiegenossenschaft Bürgerenergie Pfaffenhofen ist seit 2012 aktiv, um Bürgerinnen und Bürger direkt an der Stromerzeugung zu beteiligen. Besonders bemerkenswert war die Beobachtung, dass die Mitgliederzahlen gerade dann anstiegen, wenn die Aktivitäten der Energiegenossenschaft zunächst auf Gegenwind stießen. Ausschlaggebend dafür war die aktive Auseinandersetzung mit Vorbehalten, Sorgen oder Fragen sowie eine transparente Kommunikation, die überzeugende Argumente und nachvollziehbare Vorteile darlegte.
„Reallabor der Energiewende“
Ein weiterer Programmpunkt war Pfaffenhofen als „Reallabor der Energiewende“. Dort werden Technologien unter realen Bedingungen getestet, um ihre Praxistauglichkeit zu prüfen. Ein Beispiel ist die Forschungsstation für Power-to-Gas-Anwendungen an der Kläranlage, die überschüssigen erneuerbaren Strom in speicherbare Energieträger umwandeln soll und Erkenntnisse zu möglichen Einsatzgebieten liefert.
Den Abschluss des Programms bildete ein Beitrag über die Energieberatung des Landkreises Regen, die sogenannte Energieroas. Die Kampagne bringt Beratung direkt zu Hauseigentümerinnen und -eigentümern, um die Sanierungsrate im Gebäudebereich zu erhöhen. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Postwurfsendungen wird auf das Angebot aufmerksam gemacht. Die neutrale Beratung wird gut angenommen und bereits umgesetzte Sanierungsmaßnahmen verdeutlichen den Erfolg der Initiative.
Prägende Rolle der Lokalpolitik
Während des gesamten Austauschs wurde die Rolle der Lokalpolitik für die Energiewende hervorgehoben. In Pfaffenhofen unterstützt sie die Arbeit vor Ort intensiv, etwa durch umfassende Öffentlichkeitsarbeit, Beratungsangebote und ein großes Klimaschutzteam. Auch der Landkreis Regen hat vor drei Jahren Stellen im Klimaschutzmanagement geschaffen, um den Ausbau Erneuerbarer Energien zu koordinieren. Die Gründung der Energiegesellschaft ARBERLAND Energie GmbH soll größere Projekte ermöglichen und die Bürger in die Umsetzung einbinden.
Kommunikationsstrategien
Mehrfach wurden Kommunikationsstrategien und Akzeptanzarbeit diskutiert. Klimaschutz und unabhängige Energieversorgung erscheinen vielen Bürgern zunächst abstrakt. Überzeugender seien Botschaften, die konkrete Vorteile der lokalen Energiewende sichtbar machten, etwa durch regionale Wertschöpfung und Effekte direkt vor Ort, hieß es. Abschließend nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, offene Fragen zu klären und Erfahrungen in kleineren Gesprächsrunden intensiv auszutauschen.