Bayerischer Gemeindetag: 8. Bauamtsleiter- und Stadtbaumeistertagung in Gunzenhausen
von Doris Kirchner

Erneut fand im fränkischen Seenland die Jahresfachtagung der bayerischen Bauamtsleiter und Stadtbaumeister der Kommunalwerkstatt des Bayerischen Gemeindetags statt. Auch im Jahr 2025 bot die Veranstaltung ein breites Forum für den fachlichen Austausch zu aktuellen rechtlichen und strategischen Fragestellungen rund um die kommunale Bauverwaltung. Organisiert und moderiert wurde die Tagung von Matthias Simon, Direktor des Bayerischen Gemeindetags.
Referenten aus Ministerien, Fachbehörden, Kommunen, der Anwaltschaft, der Architektenschaft, der Wissenschaft sowie den kommunalen Spitzenverbänden standen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu den vielfältigen Herausforderungen der Bauämter von Städten und Gemeinden Rede und Antwort. Das Programm umfasste Themenfelder wie die Energiewende, Städtebauförderung, Planungsrecht, Rhetorik sowie nachhaltiges Planen und Bauen.
Über die rechtlichen Rahmenbedingungen und Praxisbeispiele zur Beteiligung von Gemeinden an Energiewendeprojekten informierte der Münchner Rechtsanwalt Dr. Max Peiffer. Der ebenfalls in der Landeshauptstadt tätige Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Dr. Hubert Bauriedl, stellte den „Gebäudetyp-E“ in der kommunalen Praxis vor. Neuerungen und Programme der Städtebauförderung in Bayern erläuterte Ingo Schötz, Referatsleiter im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr.
Mit architektonischen und baulichen Fragestellungen befassten sich unter anderem die Architekten Prof. Anne Beer von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg mit „Prinzipien integrativer Architektur“ sowie Prof. Arthur Schankula von der Technischen Hochschule Rosenheim mit dem Thema „Holzbau im öffentlichen Gebäudebereich“. Die Architekten Franz Balda aus Fürstenfeldbruck und Maik Böhmer aus Berlin referierten über den „Schulhausbau bzw. Schulerweiterungen im Zusammenhang mit dem Ganztagesanspruch“ sowie über moderne Ansätze der „Landschaftsplanung mit Bilbao- und Schwammstadt-Effekt“.
Hochwasser und Starkregen in der Bauleitplanung
Einen zentralen Schwerpunkt setzte der Vortrag von Dr. Peter Queitsch vom Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen. Er sprach über „Hochwasser und Starkregen in der Bauleitplanung“ und verdeutlichte anhand von Bildmaterial der Flutkatastrophe in Bad Münstereifel im Juli 2021 die erheblichen Gefahren durch Wasserextreme. Queitsch betonte, dass zeitweise trockene Gewässer in kurzer Zeit zu stark wasserführenden Bächen anwachsen können und Extremwettereignisse weiter zunehmen werden.
Vor diesem Hintergrund seien Kommunen verpflichtet, entsprechende Risiken in der Bauleitplanung zu berücksichtigen. Queitsch stellte die zulässigen Festsetzungen und deren Formulierungen dar und verwies auf einschlägige Gerichtsurteile. Auch machte er darauf aufmerksam, dass Verwaltungsgerichte Starkregenereignisse anders bewerten als Zivilgerichte. Für mögliche Haftungsfragen seien letztlich die Zivilgerichte zuständig, die in ihrer Rechtsprechung strenger urteilen. Abschließend empfahl Queitsch den Kommunen, Wassergefahren in der Bauleitplanung konsequent zu berücksichtigen.
Erstmals fand im Rahmen der Fachtagung eine Diskussionsrunde unter dem Titel „Digitalisierung, Personal, Komplexität. (Stadt)Bauamt 2030 – Was uns fordert, was sich gerade ändert und was jetzt zu tun ist“ statt. Moderiert wurde sie von Birgit Weichselgartner, Stadtbaumeisterin der Stadt Mühldorf am Inn. An der Diskussion beteiligten sich Michael Knappe, Stadtbaumeister von Rothenburg ob der Tauber, Elke Fischer, Stadtbaumeisterin von Erding, Andrea Tiefel, Amtsleiterin des Marktes Roßtal, sowie Daniel Stimpfle, Bauamtsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Ries mit neun Gemeinden.
Rothenburg ob der Tauber und Erding sind als Große Kreisstädte auch für Baugenehmigungen zuständig. Knappe berichtete über die besonderen Anforderungen des Denkmalschutzes in der historischen Altstadt von Rothenburg. Fischer schilderte die Herausforderungen bei der Gewinnung von qualifiziertem Fachpersonal nach der Erhebung Erdings zur Großen Kreisstadt im Jahr 2013. Stimpfle stellte dar, wie er als einzelner Bauamtsleiter das gesamte Aufgabenspektrum bewältigt. Tiefel erläuterte, wie sie ihr Bauamt digitalisierte, ein Projektmanagement-Tool einführte und Strategien entwickelte, um das Wissen ausscheidender Mitarbeiter zu sichern.
Begeleitende Ausstellung
Begleitend zur Tagung wurde die Wohnraum-Wanderausstellung „lebenswert – Alternativen zum Einfamilienhaus“ des Wessobrunner Kreises e. V. eröffnet. Die Ausstellung stellt die zunehmende Kritik am freistehenden Einfamilienhaus auf großen Grundstücken in den Mittelpunkt. Dieses Wohnmodell gilt aus Sicht der Initiatoren als wirtschaftlich und ökologisch problematisch.
Der Vorsitzende des Wessobrunner Kreises, Benedikt Sunder-Plassmann, führte die Besucher durch die Präsentation und stellte realisierte Beispiele alternativer Wohnformen vor. Unter dem Titel „Mit gutem Beispiel voran“ wurden zwölf Projekte gezeigt, darunter Hofhäuser am Ammersee in Greifenberg, das Mehrgenerationenwohnen Pallaufhof in Münsing sowie ein Mehrgenerationenhaus in Iffeldorf. Darüber hinaus bot die Ausstellung Anregungen zur Aufstockung, Nachverdichtung, Sanierung und Umnutzung bestehender Gebäude als Alternative zu Abriss und Neubau.
Das Thema wird ausführlich in der Publikation „lebenswert. Familientaugliche Wohnungen statt Einfamilienhäuser“ behandelt, die kostenlos als ePaper auf der Website des Wessobrunner Kreises abrufbar ist: https://www.wessobrunner-kreis.de/lebenswert/.