37. DWA-Leistungsnachweis: Kommunale Kläranlagen auf hohem Niveau
von Doris Kirchner

Die kommunalen Kläranlagen in Deutschland arbeiten weiterhin mit hoher Zuverlässigkeit und Effizienz. Zu diesem Ergebnis kommt der 37. Leistungsnachweis der DWA. Die jährlich veröffentlichte Analyse dokumentiert die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Abwasserbehandlung und basiert in der aktuellen Ausgabe auf den Messdaten des Jahres 2024.
Von den bundesweit 8.891 kommunalen Abwasserbehandlungsanlagen mit einer Ausbaukapazität von 152,1 Millionen Einwohnerwerten beteiligten sich im vergangenen Jahr 4.882 Kläranlagen am Leistungsnachweis. Bezogen auf die Ausbaukapazität entspricht dies rund 80 Prozent. Die Auswertung stützt sich auf mehr als 3,6 Millionen Einzelmessungen aus der betrieblichen Selbstüberwachung, die als Jahresmittelwerte in die Bewertung einfließen. Die Ergebnisse gelten damit als repräsentativ für Deutschland.
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die sogenannte Nährstoffelimination. Ziel ist es, die Einträge von Stickstoff und Phosphor in Gewässer zu reduzieren und so einer Eutrophierung, d.h. einer Überdüngung mit nachfolgendem Algenwachstum und Sauerstoffmangel, vorzubeugen.
Die aktuellen Zahlen belegen eine hohe Reinigungsleistung: Die Phosphorkonzentration im Zulauf der Kläranlagen lag 2024 im Mittel bei 5,9 Milligramm pro Liter und wurde um 92,3 Prozent auf 0,46 Milligramm pro Liter im Ablauf gesenkt. Die Stickstofffracht verringerte sich von 43,6 Milligramm pro Liter um 82,1 Prozent auf 7,8 Milligramm pro Liter. Damit wurden sowohl die geltenden Grenzwerte als auch die vorgeschriebenen Mindestabbauraten sicher eingehalten.
Mit der Novellierung der europäischen Kommunalabwasserrichtlinie hat die EU die Anforderungen an den Nährstoffabbau deutlich verschärft. Künftig darf die Phosphorkonzentration im Ablauf maximal 0,7 Milligramm pro Liter betragen, bei sehr großen Anlagen mit mehr als 150.000 Einwohnerwerten 0,5 Milligramm pro Liter. Für Gesamtstickstoff gelten Grenzwerte von 10 Milligramm pro Liter ab 10.000 Einwohnerwerten bzw. 8 Milligramm pro Liter ab 150.000 Einwohnerwerten. Alternativ können vorgegebene Mindesteliminationsraten erfüllt werden. Die neuen Grenzwerte sind bis 2045 bundesweit einzuhalten.
Nach Angaben der DWA erreicht der Großteil der Anlagen diese verschärften Anforderungen im bundesweiten Mittel bereits heute. Allerdings zeigen die Detailauswertungen auch Unterschiede zwischen einzelnen Größenklassen. Während 84 Prozent der mittelgroßen Anlagen zwischen 10.000 und 150.000 Einwohnerwerten bereits heute entweder den künftigen Stickstoffgrenzwert von 10 Milligramm pro Liter unterschreiten oder die Mindestabbaurate von 80 Prozent erreichen, erfüllen zwölf Prozent derzeit weder das eine noch das andere Kriterium. Bei großen Anlagen mit mehr als 150.000 Einwohnerwerten hält etwa jede dritte Anlage weder die zukünftige Maximalkonzentration noch die Mindestabbaurate ein. Besonders herausfordernd sind hohe Stickstofffrachten im Zulauf. Anlagen mit mehr als 50 Milligramm pro Liter Stickstoff im Zulauf erreichen zwar meist die geforderte Abbaurate von 80 Prozent, überschreiten jedoch teilweise den künftigen Konzentrationsgrenzwert von 8 Milligramm pro Liter im Ablauf.
Die EU sieht vor, dass entweder der Konzentrationsgrenzwert oder die Mindestabbaurate eingehalten werden muss. Die DWA spricht sich für eine sogenannte 1:1-Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht aus, bei der diese Wahlmöglichkeit erhalten bleibt. Eine gleichzeitige Verpflichtung zur Einhaltung beider Kriterien würde nach Einschätzung des Verbandes zu deutlich höheren Investitionskosten führen, die letztlich über Abwassergebühren der Bürger zu tragen wären.
Die insgesamt positiven Ergebnisse führt die DWA auf langjährige Investitionen in Technik und Infrastruktur zurück. Moderne biologische und chemische Reinigungsverfahren, digitale Prozesssteuerungen und optimierte Betriebsführung sicherten eine stabile Ablaufqualität. Zudem werden Energieeffizienz und Eigenstromerzeugung durch die Nutzung von Faulgas aus der Schlammbehandlung zunehmend bedeutsam.
Gleichzeitig macht die Analyse deutlich, dass trotz des hohen Leistungsniveaus weiterer Handlungsbedarf besteht. Zu den künftigen Herausforderungen zählten unter anderem der Umgang mit Spurenstoffen wie Arzneimittelrückständen, Mikroplastik oder Industriechemikalien. Auch die Anpassung an den Klimawandel, etwa durch Starkregenereignisse und längere Trockenperioden, erfordere technische und organisatorische Weiterentwicklungen. Zudem stünden in einigen Regionen Sanierungen älterer Kanalnetze an, um Fremdwasseranteile zu reduzieren und die hydraulische Belastung der Anlagen zu senken.