Fünf Jahre Krisendienste Bayern: „Meilenstein mit bundesweiter Strahlkraft“
von Doris Kirchner

Fünf Jahre nach ihrer bayernweiten Einführung haben sich die Krisendienste Bayern fest in der psychosozialen Versorgungslandschaft etabliert. Seit dem Start im März 2021 ist die Nachfrage nach dem Hilfsangebot deutlich gestiegen. Gleichzeitig soll eine neue Kampagne dazu beitragen, bestehende Hemmschwellen bei der Inanspruchnahme weiter abzubauen.
Die Zahlen zeigen eine klare Entwicklung: Während im ersten Jahr nach der Einführung 53.899 Anrufe unter der Hotline 0800 655 3000 eingingen, verzeichneten die Krisendienste im Jahr 2025 bereits 109.147 Kontakte. Auch die mobilen Einsätze vor Ort nahmen deutlich zu: von 2.340 im Jahr 2021 auf 4.292 im Jahr 2025.
Wie Franz Löffler, Präsident des Bayerischen Bezirketags, vor der Presse darlegte, sei der Bedarf an schnell zugänglicher und niedrigschwelliger Hilfe in psychischen Krisen hoch. „Dass so viele Menschen Jahr für Jahr den Krisendiensten Bayern das Vertrauen schenken, zeigt, dass sich unser Aufwand und unser Engagement lohnen.“ Frühzeitige Unterstützung sei nach wie vor die beste Vorbeugung für schwere Krankheitsverläufe oder eine Zuspitzung von Krisen.
Auch Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach unterstrich die besondere Bedeutung des Angebots: „Psychische Krisen sind existentielle Notfälle. Wer Hilfe braucht, sollte keine Scheu haben, sich diese Hilfe auch zu suchen. Die Krisendienste können von jedem kontaktiert werden, auch von Angehörigen, Bezugspersonen und weiteren Personen aus dem Lebensumfeld von Betroffenen.“ „Fünf Jahre Krisendienste Bayern: Das ist ein Maßstab und Meilenstein mit bundesweiter Strahlkraft.“ Der Freistaat sei mit diesem Rund-um-die-Uhr-Angebot Vorreiter für psychische Krisenhilfe und für Prävention.
Nur Bayern deckt alle Regionen ab
Zwar existieren in anderen Regionen einzelne Krisendienste, jedoch gibt es ein flächendeckendes, jederzeit erreichbares Angebot für akute psychische Notlagen bislang nur im Freistaat. Die kostenfreie Hotline steht an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr zur Verfügung und kann auch von Angehörigen oder anderen Bezugspersonen genutzt werden.
Finanziert werden die Krisendienste gemeinschaftlich vom Freistaat Bayern und den Bezirken. Der Freistaat trägt die Kosten für die Leitstellen und hat hierfür in den vergangenen Jahren rund 67 Millionen Euro bereitgestellt. Für das Jahr 2026 sind weitere 11 Millionen Euro eingeplant. Die Bezirke finanzieren die mobilen Einsatzteams sowie zusätzliche Strukturen wie Netzwerkarbeit und wenden dafür jährlich rund 18 Millionen Euro auf.
Thema enttabuisieren
Um das Thema psychische Krisen weiter zu enttabuisieren und Menschen zu ermutigen, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen, starten die Krisendienste Bayern nun gemeinsam mit dem Verein Mutmachleute e.V. die bayernweite Kampagne „Mut in der Krise“. „Auch wenn heute viel offener über psychische Erkrankungen gesprochen wird, ist die Hemmschwelle für einen Anruf leider oft noch sehr hoch“, stellte Martin Guth, Sprecher der Leitstellenkonferenz der Krisendienste Bayern, klar. Persönliche Erfahrungsberichte sollen helfen, diese Barrieren abzubauen. Auch Tina Meffert vom Verein Mutmachleute e.V. verwies auf die Bedeutung der Kampagne. Hilfe anzunehmen sei kein Zeichen von Schwäche, sondern „ein mutiger und wichtiger erster Schritt“. Ziel sei es, Betroffenen zu zeigen, dass sie mit ihrer Situation nicht allein sind.
Unterstützung erhält die Kampagne auch von prominenter Seite: Der Extrembergsteiger Alexander Huber, der selbst eine psychische Krise erlebt hat, engagiert sich als „Mutmacher“. „Wenn die Psyche erkrankt, braucht man Unterstützung – genauso selbstverständlich wie bei einer körperlichen Erkrankung“, bemerkte Huber. Professionelle Hilfe könne entscheidend dazu beitragen, wieder an Stabilität zu gewinnen.
Neben der telefonischen Beratung bieten die Krisendienste auch mobile Einsätze direkt am Ort der Krise an. Zudem stehen Dolmetscherdienste in mehr als 120 Sprachen zur Verfügung, ebenso Angebote für gehörlose Menschen, etwa in Deutscher Gebärdensprache oder per Schriftverdolmetschung.