Bayerische Sparkassen 2025: Stabiler Anker für die Region

GZ Ausgabe GZ-6-2026 vom 12. März '26 | Finanzen & Wirtschaft
von Doris Kirchner
Foto von zwei Personen
V.l. Vizepräsident Stefan Proßer und Matthias Dießl, Präsident des Sparkassenverbands Bayern. Bild: CH

Trotz des schwierigen Marktumfelds blicken die bayerischen Sparkassen auf ein solides Geschäftsjahr zurück. Sie verzeichnen eine robuste operative Geschäftsentwicklung, Einlagenvolumina und Kreditbestände bewegen sich weiterhin auf hohem Niveau. Die Sparkassen wachsen, ihre Bilanzsumme liegt inzwischen bei 268 Mrd. Euro. „Damit können sie ihre Rolle als Finanzierungspartner Nummer eins in den bayerischen Regionen weiterhin zuverlässig ausfüllen“, betonte Matthias Dießl, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, bei der Vorlage der Geschäftsergebnisse 2025 in München.

Auch im laufenden Jahr 2026 erwarten die bayerischen Sparkassen ein stabiles operatives Geschäft. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung, insbesondere des Anstiegs der Firmeninsolvenzen in Deutschland (höchster Wert seit 20 Jahren), dürften allerdings steigende Risikovorsorgen erforderlich werden.

Nach verhaltener Entwicklung in den beiden Vorjahren stieg das Kreditvolumen der bayerischen Sparkassen 2025 wieder deutlich an und erreichte 175,1 Mrd. Euro.

Mit einer Wachstumsrate von 1,9 Prozent im Bestand knüpft der Kreditbestand gut an das hohe Niveau der Vorjahre an. Infolge der Investitionszurückhaltung der Unternehmen zählt das Kreditjahr 2025 jedoch wie die Vorjahre zu den schwächeren der vergangenen Dekade. Das Kreditneugeschäft erholte sich 2025 weiter: Nach einem Einbruch um knapp ein Drittel in 2023 und einem nur leichten Anstieg in 2024 (+7,3 Prozent) konnten 2025 um 21,6 Prozent mehr Neukredite zugesagt werden. Die Darlehenszusagen an Unternehmen und Selbstständige, die über die Hälfte der Neukredite ausmachen, nahmen dabei um 17 Prozent zu (2024: + 0,2 Prozent), sie betrugen 16,4 Mrd. Euro. Im Neugeschäft mit privaten Kunden wurde ein Zuwachs von 26,2 Prozent erzielt (2024: +20,7 Prozent; 2023: -41,6 Prozent). Mehr als 90 Prozent daraus kommen aus dem wieder angelaufenen Geschäft mit Wohnungsbaudarlehen.

Die Trendwende von 2024 setzte das Immobiliengeschäft der bayerischen Sparkassen fort: 2025 wurden insgesamt 27,2 Prozent mehr Wohnungsbaufinanzierungen abgeschlossen als im Jahr zuvor. Der größte Teil davon fließt allerdings erneut nicht in den Neubau, sondern in den Erwerb und die Sanierung von Immobilien.

Keine wirksame Entlastung des Wohnungsmarkts

Die Darlehenszusagen für den Kauf bestehender Immobilien betrugen genauso wie 2024 noch das 3,5-fache der Zusagen für Neubaufinanzierungen. „Für eine wirksame Entlastung des Wohnungsmarkts reicht das noch nicht“, erläuterte Präsident Dießl. Zwar gebe es nach dreijähriger Talfahrt im Wohnungsbau erste Anzeichen für eine Trendwende, denn in Bayern wurden in den ersten drei Quartalen 2025 13,4 Prozent mehr Baugenehmigungen erteilt als im Vorjahr, dies aber ausgehend von einem niedrigen Niveau. Die Nachfrage bleibe aber größer als das Wohnraumangebot in Deutschland. „Finanzierungen wären verfügbar. Wichtig zur Senkung der Baunebenkosten wären jetzt Maßnahmen wie die Streichung der Grunderwerbssteuer beim Erstimmobilienkauf sowie die Lockerung so mancher Auflage und bürokratischer Vorschrift“, teilte der Verbandschef mit.

Das Einlagevolumen bei den bayerischen Sparkassen wuchs 2025 um 6,2 Mrd. Euro (+3,0 Prozent) auf 209,6 Mrd. Euro. Vor allem die Sichteinlagen nahmen mit einer Steigerung um 8,4 Mrd. Euro deutlich zu (+6 Prozent; 2024: +1,9 Prozent). Spareinlagen hingegen wurden auch 2025 wieder reduziert (-1,6 Mrd. Euro), allerdings nicht mehr im selben Ausmaß wie in den Vorjahren.

Der Einlagenüberhang der bayerischen Sparkassen nahm auf nunmehr 34,5 Mrd. Euro zu. Damit erzielten sie auch im vierten Jahr nach der Zinswende wieder steigende Zinserträge. Nach einem Jahrzehnt der Null- bis Negativzinsen stabilisierte sich der Zinsüberschuss auf einem auskömmlichen Niveau (+2,5 Prozent).

Nicht ganz erreicht (-0,2 Prozent) wurde das 2024 erzielte Betriebsergebnis vor Bewertung (2,97 Mrd. Euro). Die immer noch gute Cost-Income-Ratio stieg leicht auf nunmehr 54,7 Prozent (2024: 53,0 Prozent). Die Kernkapitalquote sank infolge von geänderten Bewertungsvorschriften und erhöhter Kreditvergabe um 0,16 Prozentpunkte auf 16,27 Prozent. „Damit verfügen wir über eine stabile Kapitalquote, um die bayerischen Regionen gut mit Krediten zu versorgen“, stellte Dießl fest.

2025 setzte sich auch das Wachstum des Wertpapiergeschäfts fort: Der Umsatz nahm 2025 nochmals deutlich zu (+18,9 Prozent auf 43,5 Mrd. Euro). Gehandelt wurden vor allem Aktien, Optionsscheine und Investmentfonds (Nettoabsatz: +40,7 Prozent). Insgesamt stieg der Nettoabsatz von Wertpapieren an Private um 44,7 Prozent. Dem „zarten Pflänzchen der Wertpapierkultur“ bescheinigte der Vizepräsident des Bayerischen Sparkassenverbands Stefan Proßer eine gute Entwicklung. Angesichts der zunehmenden Notwendigkeit, privat für die Zukunft vorzusorgen, sei dies sehr erfreulich. „Der Trend geht dabei sogar zum Zweit- oder Drittdepot, die Kunden sind sehr agil.“

Insgesamt konnten die Kunden der bayerischen Sparkassen 2025 trotz hoher Lebenshaltungskosten wie schon 2024 9,5 Mrd. Euro an neuem Geldvermögen bilden, davon 7,4 Mrd. bei privaten Kunden (-8,2 Prozent). Dieser Wert liegt damit nach hohen Zuwächsen jetzt wieder auf dem Vor-Corona-Niveau. „Rein rechnerisch sind das im Durchschnitt 660 Euro je Konto bei den bayerischen Sparkassen; schon damit kommt man nicht weit, wenn man effektiv für die Zukunft vorsorgen will“, rechnete Dießl vor. „Hier bildet sich eine Gefahr für die Altersvorsorge ab. Umso wichtiger werden staatlich geförderte Instrumente.“

Im geplanten Altersvorsorgereformgesetz, das noch 2026 in Kraft treten soll, sieht der SVB-Chef gute Ansätze. Er begrüßte den Vorstoß für die Einführung der staatlich finanzierten „Frühstart-Rente“, die den Grundstein für eine private, kapitalgedeckte Altersvorsorge bereits im Kindesalter legen soll, sowie ein staatlich gefördertes reguläres Altersvorsorgedepot, das dafür sorgt, eine renditeorientierte, aktienbasierte private Vorsorge ohne strenge Beitragsgarantien zu etablieren. Proßer zufolge „brauchen wir unbedingt ein hocheffizientes Depot-Konstrukt. Dann kann das Altersvorsorgedepot zum starken Instrument für mehr Chancengerechtigkeit werden, ein frühzeitiger Vermögensaufbau möglich und die Altersvorsorge insgesamt nachhaltiger werden.“

Eine neue Chance zum Vermögensaufbau schaffen die Sparkassen 2026 mit dem neuen Sparkassen-Depot „S-Neo“ für das Smartphone. Die Sparkassen reagieren damit auf den deutlichen Trend hin zu mobilen Wertpapierangeboten. Mit „S-Neo“ wird ein zeitgemäßes Depot direkt in der App Sparkasse und damit eine moderne, kundenzentrierte Lösung für digitale Selbstentscheider geboten. Ebenfalls in die Sparkassen-App eingebunden wird 2026 „S-Krypto“, ein Bereich, in dem volljährige Selbstentscheider Krypto-Werte halten können. Kunden bewegen sich dann im gewohnten Umfeld der S-App und investieren innerhalb eines regulierten, verlässlichen Ökosystems statt auf intransparenten Handelsplattformen.

Wero & Digitaler Euro

Bereits seit Jahren beteiligen sich die Sparkassen an der European Payment Initiative und treiben die gemeinsame europäische Lösung mit voran: Der Bezahldienst Wero wurde als kontobasierte, datensichere und schnelle Alternative für europäische Bankkunden entwickelt, ist bereits seit 2024 im Einsatz und wird schrittweise erweitert. Er stärkt die digitale Souveränität und hält die Kontrolle und die Wertschöpfung in Europa. Das System zeichnet sich durch höchste Sicherheit, DSGVO Konformität und eine faire Preisstruktur aus. Inzwischen nutzen in Deutschland 6,7 Mio. Menschen Wero, in ganz Europa gibt es 51,6 Mio. registrierte Nutzer. Laut Vizepräsident Proßer „entwickelt sich die Zahl der Nutzer schnell. Mit der Möglichkeit zum Einsatz bei immer mehr Händlern dürfte die Bewegung jetzt rasch weiter an Fahrt aufnehmen. Denn wir haben mit Wero eine echte europäische Alternative: sicher, transparent und zu fairen Konditionen.“

Im Jahr 2029, dem geplanten Roll-out des Digitalen Euro, wird Wero bereits ein halbes Jahrzehnt Vorsprung haben, weshalb sich der Aufbau einer parallelen Zahlungsinfrastruktur erübrige, ergänzte Präsident Dießl. Die europäische Alternative sei bereits Realität. Er warnte, dass mit der von der EZB im Moment geplanten Ausgestaltung des Digitalen Euro außerdem generell erhebliche Risiken verbunden sein können. Mit dem Open-Funding z. B. würde nicht-europäischen Big Techs sogar ein besonders einfacher Zugang zu den europäischen Kundenschnittstellen gewährt. „Mit Blick auf die europäische Souveränität wäre das mehr als kontraproduktiv. Ein Digitaler Euro ohne Kontoanbindung konterkariert die Souveränitätsbestrebungen. Die europäischen Anbieter würden die regulatorische Last und hohe Umsetzungskosten tragen, während das eigentliche Ziel gar nicht erreicht wird“, so Dießl. „So würde auch das bewährte Geschäftsmodell der europäischen Banken geschwächt, das kann nicht das Ziel sein!“

Bayerischer Gründerpreis

Wie der SVB-Chef abschließend bemerkte, investierten die bayerischen Sparkassen ab 2026 auch wieder verstärkt in den Unternehmergeist in Bayern. „Sie legen den Bayerischen Gründerpreis neu auf, denn sie wissen: ‚Ideen brauchen Mut und Mut braucht Unterstützung‘“. Die Bewerbungsphase läuft bis zum 30.04.2026, Details unter www.bayerischer-gruenderpreis.de.

Kreditinstitute mit einem öffentlichen Auftrag spielen auch eine besondere Rolle als nachhaltige Förderer der Gesellschaft: Neben Sponsoring und Spenden unterhielten die 55 bayerischen Sparkassen und der Sparkassenverband 2025 insgesamt 118 Stiftungen, mit denen sie soziale Zwecke, Umwelt, Kultur und Sport in ihren Geschäftsgebieten unterstützen. Das Engagement reicht von lokalen Sportvereinen über Kulturförderungen bis hin zu Wissenschafts- und Forschungsprojekten. 2025 stellten die Sparkassen insgesamt 64 Mio. Euro für gemeinnützige Zwecke und Einrichtungen bereit und stützen so die soziale Infrastruktur vor Ort. Als regionale Steuerzahler führen sie insgesamt voraussichtlich 754 Mio. Euro an gewinnabhängigen Steuern ab, darunter fast 1 Million Euro an Gewerbesteuern pro Tag, die die bayerischen Kommunen direkt stärken.

Gemeinsam mit Partnern forciert die Bayerische Sparkassenstiftung zudem die Gründung eines „Financial Life Parks (FLiP) Bayern“ in Fürth. Ausgehend davon, dass Finanzwissen häufig an den Schulen nicht ausreichend Aufmerksamkeit bekommt, aber eine überaus wichtige Alltagskompetenz ist, wird die Stiftung Ludwig-Erhard-Haus dabei unterstützt, eine solche Erlebniswelt in Räumlichkeiten der Sparkasse Fürth umzusetzen. Dort werden Themen wie Sparen, Investieren, Kredite und digitale Zahlungssysteme an interaktiven Stationen vermittelt. Die Eröffnung des FLiP Fürth soll bereits im Schuljahr 2026/27 erfolgen.

Der Verbandspräsident unterstrich die Bedeutung des Projekts auch vor dem Hintergrund des öffentlichen Auftrags der Sparkasse: „Finanzielle Bildung ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben, daher haben die Sparkassen den Auftrag, gerade die Jugend an Finanzthemen heranzuführen. Damit kann man gar nicht früh genug anfangen, deshalb unterstützen wir die Schulen bereits seit 50 Jahren über den Sparkassen-Schul-Service mit kostenfreien, didaktisch geprüften und werbefreien Materialien. Mit dem FLiP gibt die Bayerische Sparkassenstiftung jungen Menschen noch mehr Handwerkszeug, um ihre eigene wirtschaftliche Zukunft aktiv zu gestalten. Wir fördern damit auch die Generationen, die unser aller Zukunft gestalten – als Mitarbeitende, als Geschäftspartner und als politische Entscheidungsträger.“

Doris Kirchner

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

Ihre optimale Website-Nutzung

Diese Website verwendet Cookies und bindet externe Medien ein. Mit dem Klick auf „✓ Alles akzeptieren“ entscheiden Sie sich für eine optimale Web-Erfahrung und willigen ein, dass Ihnen externe Inhalte angezeigt werden können. Auf „Einstellungen“ erfahren Sie mehr darüber und können persönliche Präferenzen festlegen. Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Detailinformationen zu Cookies & externer Mediennutzung

Externe Medien sind z.B. Videos oder iFrames von anderen Plattformen, die auf dieser Website eingebunden werden. Bei den Cookies handelt es sich um anonymisierte Informationen über Ihren Besuch dieser Website, die die Nutzung für Sie angenehmer machen.

Damit die Website optimal funktioniert, müssen Sie Ihre aktive Zustimmung für die Verwendung dieser Cookies geben. Sie können hier Ihre persönlichen Einstellungen selbst festlegen.

Noch Fragen? Erfahren Sie mehr über Ihre Rechte als Nutzer in der Datenschutzerklärung und Impressum!

Ihre Cookie Einstellungen wurden gespeichert.