„Tag der Archive“ 2026: Zwischen Erinnerung und Aufbruch

GZ Ausgabe GZ-7-2026 vom 26. März 2026 | Bildung & Betreuung
von Doris Kirchner
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Bundesweit öffneten Anfang März mehrere hundert Archive ihre Türen für die Öffentlichkeit. Anlass war der 13. „Tag der Archive“ unter dem Motto „Alte Heimat – neue Heimat“, initiiert vom VdA - Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. Gerade in Bayern, einem Landstrich, der wie kaum ein anderer von Migration, Tradition und Wandel geprägt war, entfaltete dieses Thema eine besondere Wirkung.

Besucherinnen und Besucher erhielten an einem Wochenende seltene Einblicke in sonst nicht zugängliche Magazine, historische Dokumente und moderne Archivarbeit. „Alte Heimat – neue Heimat“ beleuchtete unterschiedliche Formen von Heimatverlust und Neubeginn: von Migration und Flucht bis zu Umsiedlungen durch Bergbau, Tagebau oder tiefgreifenden Strukturwandel.

Archive machten sichtbar, wie Menschen zu verschiedenen Zeiten ihre Heimat verloren und neue Lebensorte fanden. Von den Briefen früherer Auswanderer nach Übersee bis hin zu Dokumenten des Ankommens in der Nachkriegszeit oder den Spuren moderner Stadtentwicklung: Die Besucher erwartete ein Mosaik aus menschlichen Schicksalen und gesellschaftlichen Umbrüchen.

In Regensburg etwa verbanden Ausstellungen historische Dokumente mit persönlichen Lebensgeschichten. Tagebücher und Zeitzeugenberichte machten die Erfahrungen von Flucht und Integration greifbar. Das Stadtarchiv Nürnberg beleuchtete die Zeit unmittelbar nach dem verheerenden Luftangriff auf die Norisstadt im Januar 1945 samt Wiederaufbau.

Quellen zur Familien- und Ortsgeschichte

Das Staatsarchiv Amberg präsentierte Quellen zur Familien- und Ortsgeschichte, die es den Besuchern ermöglichten, eigene Wurzeln zu erforschen. Auch kleinere Stadtarchive, etwa in Aschaffenburg, machten deutlich, wie wichtig lokale Geschichte für das Verständnis von Heimat ist. Stadtführungen und Archivpräsentationen zeigten auf, wie sich Bevölkerungsstrukturen veränderten und „Fremde“ mit der Zeit Teil der Gemeinschaft wurden.

In München wurden unterschiedliche Migrationsbewegungen beleuchtet – von den sogenannten Gastarbeitern der 1960er und 1970er-Jahre bis hin zu neueren Fluchtbewegungen. Dokumente, Interviews und Fotografien offenbarten, wie Menschen aus verschiedenen Kulturen in Bayern ankamen und das gesellschaftliche Leben mitgestalteten.

Ein besonders anschauliches Beispiel bot das Bayerische Landesluftbildzentrum in Neustadt an der Aisch. Dort konnten Besucher anhand historischer Luftaufnahmen nachvollziehen, wie sich Landschaften und Siedlungen im Laufe der Jahrzehnte veränderten. Wo früher militärische Anlagen existierten, entstanden Wohngebiete; landwirtschaftliche Flächen wichen Seenlandschaften wie dem Brombachsee. Heimat zeigte sich hier als etwas, das sich nicht nur emotional, sondern auch räumlich wandelte.

Auch das Archiv des Bayerischen Landtags öffnete seine Bestände und zeigte, wie politische Entscheidungen den Umgang mit Heimatverlust und Neubeginn beeinflussten. Debattenprotokolle aus der Nachkriegszeit verdeutlichten, wie intensiv über Wohnungsbau, Integration und soziale Unterstützung diskutiert wurde.

Bayerisches Wirtschaftsarchiv

Während das Bayerische Wirtschaftsarchiv, 1994 als Gemeinschaftseinrichtung aller bayerischen Industrie- und Handelskammern ins Leben gerufen, in München kunstvolle historische Urkunden zu Ehren von Beschäftigten und Unternehmen vorstellte, präsentierte sich der Historische Verein bayerischer Genossenschaften e.V. mit einer Sonderausstellung zum Thema „Das Internationale Jahr der Genossenschaften 2025“. Im Zentrum standen die historische Entwicklung und Verbreitung der genossenschaftlichen Idee von Europa in die Welt. Eine historische Dokumentation gab einen Einblick in die Arbeit internationaler Genossenschaften in den 1960er-Jahren.

Beim „Tag der Archive“ ermöglichten Online-Portale, historische Dokumente bequem von zu Hause aus einzusehen. Dadurch wurde Geschichte für ein breiteres Publikum unabhängig von Ort und Zeit zugänglich. Gerade jüngere Generationen fanden so einen neuen Zugang zu Themen wie Heimat und Identität.

Doris Kirchner

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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