Ein Weihnachtsabend im PresseClub München: „Weil Geben reicher macht“
von Redaktion

Wenn im PresseClub München die Lichter etwas wärmer scheinen, der Duft von Glühwein und Zimt vom Weihnachtsmarkt auf dem Marienplatz heraufzieht und doch vor allem von Hoffnung, Verantwortung und Dankbarkeit die Rede ist – dann passt das gut in eine Weihnachtsausgabe der Bayerischen GemeindeZeitung.
GZ-Chefredakteurin und Presseclub-Vorstandsmitglied Constanze von Hassel eröffnete den vorweihnachtlichen Nachmittag mit einer herzlichen Einladung zum Perspektivwechsel: Kommunale Verantwortung hier in Bayern, globale Verantwortung in Afrika – und dazwischen der Blick eines Fotojournalisten, der seit Jahrzehnten an den Schaltstellen der Weltpolitik unterwegs ist.An von Hassels Seite: Landrat Stefan Rößle, Initiator der Bildungsinitiative „1000 Schulen für unsere Welt“, und Daniel Biskup, einer der bedeutendsten deutschen Fotojournalisten, Chronist großer Umbrüche und feiner Momente.
Eine Entscheidung fürs Leben
Stefan Rößle nahm die Gäste mit auf seinem persönlichen Weg: vom Polizisten zur Kommunalpolitik, seit 2002 an der Spitze des Landkreises Donau-Ries – einziger bayerischer Landkreis, der schuldenfrei ist, in Bildung investiert und wirtschaftlich stark dasteht. Gerade diese Stabilität ist für ihn Ausgangspunkt, über den Tellerrand hinauszublicken.
Der Wendepunkt: ein Vortrag des Stiftungsgründers Rainer Meutsch. 50.000 Euro für eine voll funktionsfähige Schule in einem Entwicklungsland – im Kontrast zu einem 50-Millionen-Schulprojekt im eigenen Landkreis. Die Rechnung „eine Schule in Deutschland – 1.000 Schulen in Afrika“ ließ ihn nicht mehr los.
Die erste Schule finanzierte Rößle durch den Verkauf seines Hobby-Porsches. Aus dieser einen Entscheidung wurde ein Lebensprojekt: Inzwischen trägt er mit seiner Familie persönlich insgesamt zwölf Schulen mit – für jedes seiner Kinder, für seine Enkelkinder und für zwei Sternenkinder in der Familie. Die Projekte reichen von afrikanischen Ländern über Sri Lanka bis zu einer Bäckerei-Berufsschule in Rio de Janeiro.
Bildung als wirksamste Form der Hilfe
Im Mittelpunkt steht für ihn eine klare Überzeugung: Bildung ist der stärkste Hebel der Entwicklungszusammenarbeit. Sie eröffnet Mädchen und Jungen eine Perspektive, stabilisiert Familien, stärkt Eigenverantwortung, schützt Klima und Umwelt – und ist nicht zuletzt eine Investition in Frieden und Sicherheit.
Rößle spart dabei nicht mit Zahlen, aber er bleibt nicht bei ihnen stehen: Wer in Deutschland rund 3.000 Euro brutto im Monat verdient, gehört zu den oberen zehn Prozent weltweit – während Lehrerinnen und Lehrer in vielen Projektländern mit etwa 200 Euro im Monat auskommen müssen. Wohlstand, so seine Botschaft, bemisst sich nicht in Besitz, sondern in der Frage, was wir damit bewirken.
Mitmachen erwünscht
Getragen wird dieses Engagement vom Verein „1000 Schulen für unsere Welt“, den Rößle gegründet hat und dessen Ziel es ist, durch konkrete Bildungsprojekte nachhaltige Perspektiven zu schaffen. Kontaktadresse für den Verein ist 1000schulen@lra-donau-ries.de. Er richtet sich bewusst nicht nur an Kommunen oder Institutionen, sondern an alle, die Verantwortung teilen und Wirkung entfalten wollen. Auch politisch zieht Rößle eine klare Konsequenz für sich persönlich: Bei der kommenden Kommunalwahl tritt er nicht mehr an. Sein Einsatz für Bildung, Entwicklungszusammenarbeit und globale Verantwortung endet jedoch keineswegs mit dem Ausscheiden aus dem Amt. Im Gegenteil – er will sich künftig noch intensiver der Bildungsinitiative widmen, Projekte begleiten, Netzwerke knüpfen und das Bewusstsein für Bildung als Schlüssel zu Selbstbestimmung und Frieden weitertragen.
Geben, so wurde an diesem Abend im PresseClub München deutlich, ist für Rößle keine Frage des Amtes – sondern eine Haltung fürs Leben.
„Chronist der Macht und des Wandels“
Eine zweite, ganz eigene Ebene präsentierte Daniel Biskup: Er erzählte von Begegnungen mit Michail Gorbatschow, Wladimir Putin, Helmut Kohl, Angela Merkel, Gerhard Schröder – und zugleich von ganz normalen Menschen in Zeiten großer politischer Umbrüche.
Biskup versteht sich als „Chronist der Macht und des Wandels“. Seine Bilder zeigen Staats- und Regierungschefs nicht nur in Inszenierungen, sondern in Momenten, in denen Geschichte sichtbar wird: Gorbatschow im Bonner Wasserwerk, Putin im Kremlbüro, Kohl auf dem Erfurter Domplatz, Merkel auf der Treppe des Kanzleramts und der Treppe des Weißen Hauses.
Gleichzeitig bleibt sein Blick geerdet: Bis heute reist er in ostdeutsche Kleinstädte, fotografiert schrumpfende Orte, leere Marktplätze, Häuser mit geschlossenen Rollläden – und macht sichtbar, warum sich viele Menschen „nicht gesehen“ fühlen. Zwischen den großen Namen und den kleinen Geschichten spannt sich eine Linie, die an diesem Abend oft spürbar war: Politik beginnt nicht in den Bildern der Weltpresse, sondern im Alltag vor Ort.
edition:schwaben
Vielleicht ist das der Grund, warum Biskup sich in jüngster Zeit vermehrt seiner Heimatregion widmet. Mit „edition:schwaben“ führt er erfolgreich ein besonders hochwertiges Regional- und Gesellschaftsmagazin, das sich den vielfältigen positiven Seiten Baye-
risch-Schwabens widmet. Politik und Kommunales, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft, Lebensart, Porträts sowie Reportagen aus Schwaben erreichen Entscheider aus Kommunen, Wirtschaft und Institutionen. https://www.edition-schwaben.de/
Natürlich plazierte Biskup in diesem wunderbaren Heft einen ausführlichen Bericht über die gemeinsame Afrika-Reise während der er zusammen mit Stefan Rößle zahlreiche Schulen besuchte und damit in ganz Schwaben das deutschlandweite Schulprojekt publik machte.
Wenn Geben mehr zurückgibt, als es kostet
Besonders still wurde es im Saal, als Stefan Rößle von den Momenten erzählte, die ihn selbst am stärksten berührt haben:
vom hohen Beamten, der privat eine Schule finanzierte und sagte, nur hier könne er in seinem Leben „einen grünen Haken“ setzen; von einer Familie, deren schwer erkrankte Mutter in einer Klinik auf dem Handy Grüße und Segenswünsche „ihrer“ Schulkinder aus Afrika erhielt; und von einer anonymen „Briefkastenspende“: 55.000 Euro in bar, mit dem Hinweis „für eine Schule in Afrika“, aus der später eine Schule in Liberia wurde.
Seine Moral zu all diesen Geschichten: „Man bekommt so viel mehr zurück, als man gibt.“ Im April 2026 endet Rößles Amtszeit als Landrat. Für eine weitere Wahlperiode wollte er nicht mehr kandidieren: „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“. Aber er wird natürlich weitermachen. Ab kommendem Jahr setzt er sich verstärkt für den Verein „1000 Schulen für unsere Welt“ ein. 320 Schulen hat er schon geschafft; wenn es 1000 werden sollen, liegt noch eine große Aufgabe vor ihm. Die Bayerische GemeindeZeitung wird ihren bisherigen Herausgeber dabei auch künftig gerne unterstützen.