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(GZ-18-2023 - 28. September)
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► Kommunale Energieversorgung:

 

„Die Wertschöpfung bleibt bei uns“

Der Landkreis Regensburg treibt mit Gründung der KERL Projekt GmbH
den Ausbau von Erneuerbaren Energien voran

 

Eine funktionierende Energieversorgung ist das A und O für den Erhalt von Arbeitsplätzen und damit auch von Wohlstand einer Region. Und am besten wird Energie – möglichst erneuerbar und umweltschonend – dort erzeugt, wo sie auch gebraucht wird. „So bleibt auch die Wertschöpfung des gesamten Produktions- und Erzeugungsprozesses dort, wo er entsteht“, erläutert Harald Hillebrand, Energiekoordinator des Landkreises Regensburg, die Strategie der Kommune im Gespräch mit der Bayerischen GemeindeZeitung.

Die Kerl eG v.l.: Aufsichtsrätin Barbara Wilhelm, Bürgermeisterin Gemeinde Pentling, stv. Aufsichtsratsvorsitzende Elisabeth Kerscher, Bürgermeisterin Gemeinde Wiesent, stv. Vorstandsvorsitzender Christian  Kiendl, Bürgermeister Markt Schierling, Vorstandsvorsitzende Tanja Schweiger, Landrätin Landkreis Regensburg, Aufsichtsrat Rudolf Graß, Bürgermeister Gemeinde Obertraubling, Aufsichtsratsvorsitzender Karl Söllner, Bürgermeister Gemeinde Brunn, Aufsichtsrat Josef Schindler, Bürgermeister Markt Regenstauf, Vorstand Max Kollmannsberger, Bürgermeister Gemeinde Tegernheim. Bild: Natascha Meier / LRA Regensburg
Die Kerl eG v.l.: Aufsichtsrätin Barbara Wilhelm, Bürgermeisterin Gemeinde Pentling, stv. Aufsichtsratsvorsitzende Elisabeth Kerscher, Bürgermeisterin Gemeinde Wiesent, stv. Vorstandsvorsitzender Christian Kiendl, Bürgermeister Markt Schierling, Vorstandsvorsitzende Tanja Schweiger, Landrätin Landkreis Regensburg, Aufsichtsrat Rudolf Graß, Bürgermeister Gemeinde Obertraubling, Aufsichtsratsvorsitzender Karl Söllner, Bürgermeister Gemeinde Brunn, Aufsichtsrat Josef Schindler, Bürgermeister Markt Regenstauf, Vorstand Max Kollmannsberger, Bürgermeister Gemeinde Tegernheim. Bild: Natascha Meier / LRA Regensburg

Dass das Thema Klimaschutz für den Landkreis Regensburg hohe Priorität hat, bestätigte der Regierungspräsident der Oberpfalz, Walter Jonas, bei der Ernennung des Landkreises zum Unterstützer im Team Energiewende Bayern: „Das Engagement im Bereich Klimaschutz startete schon vor zehn Jahren mit der Erstellung eines Energieentwicklungsplans und der Einstellung eines Klimaschutzmanagers. Dem folgte eine lange Liste erfolgreich umgesetzter Klimaschutzprojekte. Angefangen von der konsequenten Umsetzung von PV-Dachanlagen auf landkreiseigenen Liegenschaften, der alljährlich stattfindenden Klimaschutzwoche und dem kostenlosen Klimasparbuch.

Auch der Landkreis Regensburg bietet seinen Bürgerinnen und Bürgern als Informationstools ein Solarpotentialkataster und den Energie-Monitor. Im Bereich Verkehrswende gibt es das E-Carsharing-Angebot der KERL eG mit der Geschäftsführerin Maria Politzka, durch das der Landkreis, in Kooperation mit den jeweiligen Kommunen verteilt über das Landkreisgebiet inzwischen 14 E-Autos ausgeliehen werden können sowie ein Radverkehrskonzept, mit dem der Lückenschluss auf den Alltagswegen zwischen den Kommunen hergestellt werden soll.

Der Landkreis lies für seine 41 Kommunen einen neuen Energienutzungsplan ausarbeiten, wodurch die Kommunen auf ihrem Weg hin zur Klimaneutralität unterstützt werden sollen. Der Landkreis Regensburg gehörte vor über zehn Jahren zu den Gründungsmitgliedern der Energieagentur Regensburg e. V. und unterstützt diese weiterhin. Zudem ist der Landkreis Regensburg der erste Landkreis unseres Regierungsbezirks, der am European Energy Award, einem strengen Zertifizierungsverfahren, teilgenommen hat.“

Mit dem Bayerischen Klimaschutzgesetz (BayKlimaG) wird den Landkreisen und Bezirken „erstmals die Befugnis erteilt, über den eigenen und örtlichen Bedarf hinaus, Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien zu errichten und zu betreiben. Durch den Wegfall der Beschränkungen können kommunale Allianzen hohe Investitionskosten und -risiken künftig gemeinsam schultern“, heißt es auf der Seite des Bayerischen Umweltministeriums.

Kommunale Energieerzeugung

Im Landkreis Regensburg ist diese Idee schon sehr weit vorangeschritten und geht mit der Gründung der KERL Projekt GmbH in die Umsetzung. Basis für die KERL Projekt GmbH ist die Kerl eG, eine Genossenschaft, in der bereits alle 41 Kommunen des Landkreises Mitglied waren und die sich bislang um das landkreisweite E-Carsharing gekümmert hat. Eine Genossenschaft, in der alle Landkreiskommunen bereits Mitglied sind, das ist ein Pfund, das man nicht mehr aus der Hand geben sollte“, sagt Hillebrand.

Mit der KERL Projekt GmbH nimmt der Landkreis Regensburg nun die Erzeugung Erneuerbarer Energien selbst in die Hand. Dafür wurden Maximilian Köckritz und Béla Szabó als Geschäftsführer der KERL Projekt GmbH verpflichtet. Die GmbH bildet den Überbau für diverse GmbH und Co. KGs, die sich aus den Stakeholdern vor Ort (Kommunen, Grundstückseigentümer, Genossenschaften) zusammensetzen, um bestimmte Projekte im Bereich Erneuerbare Energien voranzutreiben.

Die KERL Projekt GmbH erledigt zukünftig für die Kommunen Aufgaben wie die Flächensicherung für erneuerbare Energieanlagen, sie unterstützt bei Wärme- und EE-Projekten und schafft Grundlagen für die Planung, die Finanzierung, die Projektierung, den Bau und Betrieb von EE-Anlagen und Wärmenetzen, die dann gemeinsam mit regionalen Kooperationspartnern in den Standortkommunen umgesetzt werden. Dabei sollen den Bürgerinnen und Bürgern, finanzielle Beteiligungen (z.B. über Bürgergenossenschaften) ermöglicht werden.

Gute Grundlagen bereits geschaffen

Große Erleichterung in der Umsetzung verschafft dabei der Kommune, dass auf Instrumente wie den inzwischen fertiggestellten Digitalen Energienutzungsplan, das Solarpotenzialkataster und den Energiemonitor zurückgegriffen werden kann. Konkrete Handlungsmöglichkeiten für Energiesparmaßnahmen und die technischen Ausbaupotenziale für Erneuerbare Energien (Aufdach-Photovoltaik, Solarthermie, Freiflächen-Photovoltaik, Wind, Biogas, Wasserkraft, Umweltwärme und Biomasse/Holz) bis 2040 wurden bereits identifiziert.

Zusammenarbeit

Mit bestehenden Energiegenossenschaften (Bürger Energie Region Regensburg (BERR) eG, Jurenergie eG aus Neumarkt i.d. OPf., Neue Energien West (NEW) eG aus Grafenwöhr, BEN Bürgerenergie Niederbayern und der Bengel-KEH eG aus Kelheim) wurden Kooperationen vereinbart. „Wir arbeiten mit einem bestehenden Netzwerk zusammen, das über immense Erfahrung verfügt“, so Hillebrand. Diese Genossenschaften haben gemeinsam ca. 5.000 Mitglieder und sind in ca. 80 Kommunen vertreten. Deren bestehende Anlagen umfassen sieben Windanlagen mit 15 MW, 74 Dachanlagen mit 5,5 MW und 25 Freiflächen PV mit 69 MW. In konkreter Planung sind nun weitere sieben Windräder mit 40 MW und 13 Freiflächen PV-Anlagen mit 269 MW. „Gemeinsam kommen wir Schritt für Schritt voran“, sagt Hillebrand abschließend.

CH

 

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