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(GZ-17-2021)
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► Sachverständigenfortbildung von GAB und BVS:

 

Bodenschutz und Altlasten

 

In Kooperation mit dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) sowie dem Ingenieurtechnischen Verband für Altlastenmanagement und Flächenrecycling e. V. (ITVA), Regionalgruppe Bayern, veranstaltete die GAB gemeinsam mit der Bayerischen Verwaltungsschule (BVS) auch in diesem Jahr eine Fortbildung für Sachverständige. Das Online-Seminar informierte die Teilnehmer über neue Entwicklungen aus den Fachbehörden und half ihnen, durch Fallbeispiele aus der Praxis ihre Kenntnisse auszubauen.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen unter anderem Themen aus Randbereichen der Altlastenbearbeitung im Sachgebiet „Sanierung“ sowie Themen aus dem Sachgebiet „Historische Erkundung“ und Praxisbeispiele. Zudem wurde über Aktuelles und Neuerungen in Bezug auf die Themen Sachverständigen- und Untersuchungsstellen-Verordnung (VSU) und Mantelverordnung berichtet.

Mit der Bodenkundlichen Baubegleitung befasste sich Friedhelm Vieten vom Landesamt für Umwelt in Hof. Vieten zufolge geht es beim begleitenden Bodenschutz um die Minimierung der Verluste der gesetzlich geschützten Bodenfunktionen im Rahmen von Baumaßnahmen. Bauzeitlich in Anspruch genommene Böden und Bodenmaterialien sollen nach Bauabschluss wieder ihre natürlichen Bodenfunktionen erfüllen, insbesondere für Flächen mit Folgenutzungen wie Forst- und Landwirtschaft sowie Gartenbau.

Nach DIN 19639 erfolge dabei der Schutz des Bodens durch das Bodenschutzkonzept und bodenkundliche Baubegleitung in den Phasen der Planung, Projektierung, Ausschreibung und Ausführung inkl. Zwischenbewirtschaftung. Dabei bestünden die Aufgaben des bodenkundlichen Baubegleiters z. B. in der Ausführungsphase darin, die Fachbauleitung im Bereich Boden zu übernehmen, fachliches Bindeglied zwischen Behörde und Bauherr zu sein, die am Bau Beteiligten über erforderliche Maßnahmen des Bodenschutzes zu informieren, die Umsetzung des Bodenschutz-(management)-Konzepts zu begleiten und die gesamte Dokumentation zu übernehmen.

Über Herausforderungen, Möglichkeiten und Grenzen der Bodenwaschanlage Biburg im Hinblick auf aktuelle bayerische Bodensanierungsvorhaben berichtete Norbert Frischen, Umweltdienste Kedenburg, Entsorgungszentrum Biburg. Bei der Bodenwäsche in Biburg könnten aus belasteten Böden sowohl Feststoffbelastungen aus Sand und Kies durch Separation des Schlämmkorns in den Filterkuchen als auch lösliche Schadstoffe durch Auswaschen in das Prozesswasser und die anschließende umfangreiche Prozesswasserreinigung deutlich reduziert werden, informierte Frischen.

Böden könnten mit unterschiedlichen organischen und anorganischen Belastungen gereinigt werden. Vor der Wäsche von bisher nicht behandelten Kontaminationen seien zur Identifikation der am besten geeigneten Waschhilfsmittel Laborversuche erforderlich. Derzeit würden u. a. sehr intensiv Waschversuche von Böden mit PFC-Kontaminationen und PCB-Belastungen durchgeführt. Durch die künftig weiter steigenden Preise bei der Deponierung werde die Bodenwäsche für immer mehr belastete Böden wirtschaftlich relevant, prognostizierte Frischen.

LfU-Arbeitshilfe

Dr. Jürgen Kisskalt, LGA Institut für Umweltgeologie und Altlasten GmbH, Nürnberg, stellte die Arbeitshilfe des Bayerischen Landesamtes für Umwelt – Rückbau schadstoffbelasteter Bausubstanz vor. Laut Kisskalt hat sich in den vergangenen Jahren ein größeres Problembewusstsein hinsichtlich Entsorgung/Materialtrennung entwickelt, zudem ist ein besserer Arbeitsschutz vorhanden und auch der Rückbau wird immer öfter als Planungsaufgabe verstanden.

Dennoch sehe er erhebliche Verbesserungsmöglichkeiten darin, dass die Bauherrenverantwortung deutlicher werden müsse (z. B. Diskussion „Erkundungspflicht“), die Verbreitung und Kenntnisse der Regelwerke zu stärken sei, die Anwendung von Sanierungs-/Rückbau- und Entsorgungskonzepten als Standard auch als Behördenforderung gelten solle sowie systematisches, vergleichbares, vernünftig bezahltes Vorgehen bei der Schadstofferkundung und einheitlicher Bewertung wichtig sei.

Dr. Klaus Maslowski vom Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg schilderte im Anschluss Erfahrungen mit Historischen Erkundungen (HE). Zunächst hob er die Wichtigkeit einer gut durchgeführten HE hervor. Sie sei die Basis für alle nachfolgenden Überlegungen, Planungen und Schritte, bringe den Bearbeitern der anschließenden Orientierenden Untersuchung (OU) eine erhebliche Zeitersparnis und bedeute für die OU eine große Kostenersparnis. Oft, so Maslowski, würden die HEs nach seiner Erfahrung nur vom Schreibtisch aus erstellt werden. Deshalb fehlten dann Recherchen in Archiven, Ortsbegehungen, Befragungen von Zeitzeugen, Standortdaten und Informationen zur Geologie sowie Vorschläge für das weitere Vorgehen. Gerade z. B. für den Arbeitsschutz könnten die HEs wichtige Erkenntnisse für die Vorgaben des Arbeits-, Sicherheit- und Gesundheitsschutz-Plans (SiGe-Plan) in der OU liefern.

Geodaten im Blick

Einen ausführlichen Überblick über das Angebot von Geodaten und deren Weiterverarbeitung gaben die Referenten Monika Primus, LfU Hof, und Thomas Struller, LGA Institut für Umweltgeologie und Altlasten GmbH, Nürnberg. Mit Blick auf den Geodatenbestand des Bayerischen Landesamts für Umwelt wies Monika Primus darauf hin, dass es im LfU Basisdaten u. a. zu Geotopografie, Höhendaten, Luftbilder, Katasterdaten, Verwaltungsgrenzen und Historische Karten gebe. Zum Fachbestand des LfU gehörten Daten im Bereich Wasser, Geowissenschaften, Natur und weiteren Fachbereichen wie Altlasten.

Thomas Struller schilderte die Thematik aus Sicht eines Sachverständigen. Aus seiner Sicht sind die Daten der Kunden oft unzureichend, selten seien digital weiter verarbeitbare Informationen vorhanden und es gebe keine verlässlichen Daten für die Angebotsabgabe oder Projektbeginn. So müssten als Vorleistung zugängliche Informationen (Geodaten) zusammengestellt werden. Für die weitere Bearbeitung seien GIS-Systeme wie z. B. die Open Source Software QGIS sehr hilfreich.

Struller wünscht sich für die Zukunft, dass die Sachverständigen unter anderem weitreichenden Zugriff auf die Geodaten der Wasserwirtschaft (z.B. Bohrprofile, Analysenergebnisse) bekommen und es ein offenes „Datenformat“ oder Datenbankformat gibt, mit dem jede CAD- oder GIS-Software arbeiten kann.

DK

 

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