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(GZ-5-2017)
Kommunale Praxis
Ministerin Aigner kündigt neue Förderprogramme an:
 
Bayerns Tourismus mehr als ein Aushängeschild
 

Die Branche betont ihre gesamtwirtschaftliche Bedeutung
Trotz Rekordzahlen auch Forderungen an die Politik

Bayern hat sich auch 2016 wieder als Tourismusstandort bestens behauptet. Der Freistaat war und ist das mit Abstand beliebteste Reiseziel in Deutschland. Zum fünften Mal in Folge, so berichtete Bayerns Tourismusministerin Ilse Aigner, die offiziell den Titel Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie führt, gab es Rekorde bei Gästeankünften und -übernachtungen. Damit es bei der schon langjährigen Aufwärtsentwicklung bleibt, will der Freistaat den Tourismus in den kommenden Jahren mit Sonderprogrammen fördern, teilte die Ministerin in der „Jahrespressekonferenz Tourismus“ mit.

Positive Bilanzen zogen bei dieser Gelegenheit auch die Bayern Marketing GmbH (by.TM), der Bayerische Heilbäderverband und der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA. Neben den Erfolgsmeldungen wurden aber auch Wünsche der Branche vor allem an die Politik geäußert.

Stabiler Wachstumskurs

Die Zahl der Gästeankünfte nahm im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 % auf 35,4 Mio. zu, die Zahl der Gästeübernachtungen stieg um 3,1 % auf 90,8 Mio., wodurch erstmals die Marke von 90 Mio. überschritten wurde. Dieses Ergebnis würdigte die Ministerin als „etwas ganz Besonders“. Der Tourismus, seit Jahren auf einem stabilen Wachstums-kurs, sei aber für Bayern nicht nur ein Aushängeschild, sondern auch ein bedeutender Wirtschafts-faktor, hob Aigner hervor. Reisende gäben nämlich jährlich mehr als 31 Mrd. Euro in Bayern aus. Über 560.000 Beschäftige lebten vollständig vom Tourismus. Der Freistaat trage 18,5 % zur touristischen Wertsschöpfung in Deutschland bei. Ganz wichtig sei, dass das Wachstum im Tourismus Stadt und Land zugute kommen.

Das hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich alle vier Tourismusregionen im Freistaat „sehr gut“ entwickelt haben. Franken hat bei den Ankünften sein bestes Jahresergebnis erzielt und dabei im 10-Jahres-Vergleich um 27,1 % auf 1,91 Mio. zugelegt. Zugleich stiegen die Übernachtungen um 19 % auf 3,22 Mio. In Ostbayern (Oberpfalz und Niederbayern) hat sich vor allem die Oberpfalz mit einem Plus von 5,1 % bei den Ankünften und von 5,9 % bei den Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr sehr positiv entwickelt, Niederbayern brachte es auf + 24 % bei den Ankünften und + 11,9 % bei den Übernachtun-gen. Insgesamt legten in Ostbayern im 10-Jahresvergleich die Ankünfte um 20,8 % auf gut 883.150 zu und die Übernachtungen um 3,5 % auf 583.749. Die dritte Region (das Allgäu und Bayerisch Schwaben) verzeichnete bei den Ankünften über die zehn Jahre hinweg ein Plus von 45,2 % auf 1,61 Mio. bei den Ankünften und von 23,7 % auf 2,98 Mio. bei den Übernachtungen. Oberbayern schnitt im 10-Jahres-Vergleich am besten ab mit 4,63 Mio. Ankünften (+ 40,1 %) und 7,77 Mio. Übernachtungen (+ 25,6 %).

Vielfältige Angebote

Das Wachstum im Bayerntourismus basiert, so Aigner, auf vielfältigen Angeboten. Der Städtetourismus nahm um 2,0 % bei Ankünften und 1,6 % bei den Übernachtungen zu. Überdurchschnittliche Zuwächse verzeichnete auch der Campingtourismus. Wichtige Beiträge lieferten die Hotellerie sowie die Vorsorge- und Reha-Kliniken. So gab es bei den Heilbädern ein Plus von 5,4 % bei den Ankünften und von 3,6 % bei den Übernachtungen. Dies beweise, dass Gesundheitstourismus im Trend liege.

Die Ministerin verschwieg nicht, dass die schrecklichen Terrorereignisse in München, Ans-bach und Würzburg Auswirkungen auf den Tourismus hatten. Es habe aber zum Glück nur kurz-fristige Rückgänge gegeben, die im Jahresverlauf kompensiert werden konnten. Festzuhalten bleibe aber, dass Sicherheit ein entscheidender Faktor in der Tourismuswirtschaft sei.

Sonderprogramme

Um auch für die Zukunft gut gewappnet zu sein, kündigte Aigner die Sonderprogramme „Premiumoffensive Tourismus“ und „Almwirtschaft und Berggasthöfe“ an. Das Herzstück im Bayerntourismus seien die mehr als 39.500 gastgewerblichen Betriebe, die einen Jahresumsatz von 15,8 Mrd. Euro erwirtschafteten und über 400.000 Menschen beschäftigten. Um sie bei Investitionen zur Qualitätssteigerung (Umbau, Modernisierung, Schaffung von Barrierefreiheit, Verbesserungen im Wellness- und Kinderspielbereich sowie bei der Informations- und Kommunikationstechnik) zu unterstützten, gibt es über 5 Jahre ein Förderprogramm. Im laufenden Jahr werden 5 Mio. Euro bereitgestellt, nächstes Jahr 10 Mio. Euro. Für die gewerblich betriebenen Almwirtschaften und Berggasthöfe stehen in diesem Jahr 500.000 Euro bereit. Außerdem sind nach Ramsau mit Schleching und Sachrang zwei weitere Bergsteigerdörfer ausgewählt, die heuer mit 90.000 Euro unterstützt werden sollen.

Germany Travel Mart

Besondern stolz ist man in Bayern darauf, dass es gelungen ist, in diesem Jahr den „Germany Travel Mart“ (GTM) nach Bayern zu holen, der von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) jährlich an wechselnden Orten veranstaltet wird. Dieses Mal gibt es vom 7. bis 9. Mai 2017 in Nürnberg die Möglichkeit, „Deutschland mit klarem Fokus auf Bayern weltweit zu präsentieren und zu vermarkten“. Gastgeber ist die  Bayern Tourismus Marketing GmbH.

Martin Spantig, Geschäftführer der Bayern Tourismus Marketing GmbH (by.TM) wies darauf hin, dass die UN-Generalversammlung das Jahr 2017 zum internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus erklärt habe. Dieses Prinzip sei schon lange fester Bestandteil der Marketingarbeit der by.TM unter der Dachmarke  „Bayern – traditionell anders“. Unter dem Anspruch Nachhaltigkeit setze man sich für bayerische Bräuche, Traditionen, Lebensweisen und Kulturlandschaften ein. Nicht umsonst sei Bayern die beliebteste Urlausdestination in Deutschland.

Über ein Plus von 5,4 % bei den Ankünften auf 5,4 Mio. und von 3,6 % bei den Übernachtungen auf 23,5 Mio. konnte Klaus Holetschek, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Heilbäder e.V., berichten. Unter den 12 Top-Destinationen Bayerns seien allein acht Heilbäder und Kurorte. Dies sei nicht zuletzt auch kräftigen  Investitionen und Innovationen zu verdanken. Im Berichtsjahr habe die Branche in ihre touristische Zukunft 100 Mio. Euro investiert, in den vergangenen drei Jahren mehr als 200 Mio. Euro für Sanierung und Erweiterung von Bädern und Anlagen, aber auch in Neubauten sowie in Rad- und Wanderwege. Als Investoren hob Holetschek besonders Bad Alexandersbad, Bad Staffelstein, Bad Tölz und Bad Reichenhall hervor. Vor erheblichen Investitionen stünden Obersdorf und Bad Griesbach wegen Thermensanierungen. Neue Angebote gebe es in Bad Aibling (Burnout-Prävention), Bad Bocklet (Ernährungsprävention), Bad Füssing (OnkotrainKur als onkologische Anschlussbehandlung) und Bad Hindelang (Allergiebehandlung).

Zusammen mit der Ludwig-Maximilians- Universität München entwickeln der Verband und der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienstleistungen ein Präventionsangebot für Pflegekräfte. Diese Maßnahme wird von der Staatsregierung gefördert. Die Heilbäder und Kurorte leiden noch immer unter dem Strukturwandel durch die Gesundheitsreform. Die Zahl der Kuren sei von ehemals 900.000  auf jetzt etwa 40.000 zurückgegangen.

Angela Inselkammer, neue Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOG) pries die Leistungsfähigkeit der bayerischen Hottelerie und Gastronomie. In den 39.500 gastgewerblichen  Betrieben arbeiten nach ihren Angaben über 400.000 Erwerbstätige, somit also jeder 20. Erwerbstätige in Bayern. Hinzu kommen 10.000 Azubis. Das bedeutet, dass jeder 10. Azubi in Bayern seine Ausbildung in dieser Branche findet, die insgesamt 16 Mrd. Euro im Jahr umsetzt. Davon fließen etwa 10 Mrd. Euro oder 60 % direkt den Vorleistungen zu, die dem Gastgewerbe zuzuordnen sind. Dazu zählte Inselkammer u.a. das Handwerk, Bäcker, Taxifahrer, Steuerberater, Marketingagenturen, Energieversorger und im besonderen Maße den Groß- und Einzelhandel. Von den erwähnten 10 Mrd. Euro wiederum wandern 30 % in die Löhne der Vorleis-tungsbetriebe, so dass „noch-mals 150.000 Menschen in Bayern letztlich ihr Auskommen durch die Hotel und Gaststättenbranche finden“.

Wo die Wirtschaft sterbe, sterbe auch irgendwann der Ort. Deshalb müsse man um den Erhalt der Wirtshauskultur kämpfen. Eine gute und berechtigte Möglichkeit sei, den Mehrwertsteuersatz zu reduzieren. Auf alle Lebensmittel sollte es einen einheitlichen Umsatzsteuersatz von 7 % geben. Auch sei dringend notwendig, die Bürokratie zurückzustutzen und das Arbeitszeitgesetz müsse der Lebenswirklichkeit angepasst werden. dhg.

dhg

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