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(GZ-4-2017)
Kommunale Praxis
Partizipationsstudie der HSS:
 
Modellland Bayern 
 

Studie der Hanns-Seidel-Stiftung zu Integration und Partizipation von Migranten

Auf einem bemerkenswert hohen Niveau befindet sich die Integration von Migranten in Bayern. Die überwiegende Mehrheit der Befragten fühlt sich hier sehr wohl, ist mit Wohnumfeld, Job, Zukunftsperspektiven und der herrschenden Lebensqualität überaus zufrieden und kommt mit Nachbarn und Kollegen ausgesprochen gut zurecht. Dies sind grundlegende Ergebnisse einer Repräsentativstudie, die Data4U im Auftrag der Hanns-Seidel-Stiftung durchgeführt hat. Die Untersuchung ist der erste umfassende Bericht zum Stand der Integration und politischen Partizipation von Migranten der 1. und 2. Generation in Bayern.

Etwa 70 Prozent der Migranten in Bayern sind aus dem Ausland zugewandert (1. Generation), entsprechend rund 30 Prozent hier geboren (2. Generation). Bei den Gruppen, die bereits länger im Land leben, wie Migranten aus der ehemaligen SU, der Türkei oder Griechenland ist dieses Verhältnis fast hälftig. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt bei über 20 Jahren.

Rückkehrpläne

Rund drei Viertel von ihnen planen im Land zu bleiben, nur knapp ein Fünftel beabsichtigt ins Herkunftsland zurück zu kehren. Am häufigsten planen Migranten aus der Türkei (36 %) und Italien (26 %) eine Rückkehr. Am seltensten möchten Migranten aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen SU, unter ihnen zahlreiche Spätaussiedler, zurückkehren (3%). Fast die Hälfte (45 %) besitzen inzwischen die deutsche (30 %) oder eine doppelte Staatsbürgerschaft (15 %).

Neben wirtschaftlicher Stärke, der daraus resultierenden geringen Arbeitslosigkeit sowie einer weitgehenden Abstinenz offener sozialer Konfliktfelder dürfte der Schlüssel für diese überaus positive Entwicklung in der ländlich geprägten Struktur des Freistaates zu finden sein. In ganz Bayern gibt es nur acht Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern, in denen weniger als 30 Prozent aller bayerischen Migranten wohnen. Entsprechend leben über 70 Prozent der Zuwanderer in kleineren Städten und Gemeinden. Dies verhindert eine integrationshemmende Ghettoisierung und Isolation, wie man sie in vielen Stadtteilen zahlreicher Großstädte innerhalb und außerhalb Deutschlands sonst oft vorfindet. Das Zusammenleben in kleineren Gemeinden fördert Kommunikation, gute Nachbarschaft und damit gegenseitiges Verständnis und Integration.

Isolation bzw. Ghettoisierung beklagen zehn Prozent der Befragten stark, auf weitere 15 Prozent trifft dies zumindest noch teilweise zu. Diskriminierung und offene Ausländerfeindlichkeit begegnen den Migranten in Bayern selten, aber immerhin ein knappes Viertel geben an, dass sie Erfahrungen mit Diskriminierungen zumindest hin und wieder (14 %) oder sogar oft (10 %) sammeln mussten. Etwa zehn Prozent sahen sich zumindest gelegentlich mit ausländerfeindlichen Beschimpfungen oder Übergriffen konfrontiert.

Dialog intensivieren

Knapp die Hälfte (47 %) stimmen dem Statement „habe wenig Interesse an der deutschen Politik und Gesellschaft“ zumindest teilweise zu. Ein distanziertes Verhältnis zum politischen Leben in Bayern zeigt auch die Bewertung der Parteienlandschaft. Zwischen 40 und über 60 Prozent der befragten Migranten konnten die abgefragten politischen Parteien programmatisch nicht einordnen. Bei denjenigen, die sich äußerten, ergab sich zumeist eine nur geringe Übereinstimmung mit den politischen Aussagen und Zielen der Parteien. Eine Intensivierung des Dialoges Politik/Migranten bzw. auch umgekehrt Migranten/Politik scheint dringend notwendig.

Eine Radikalisierung konnten die Meinungsforscher nicht feststellen: 38 % der Migranten tendieren zur politischen Mitte, der linke Flügel misst 16 %, der rechte Flügel 12 %. Über ein vollständiges Wahlrecht in Deutschland verfügen 44 Prozent besitzen das vollständige politische Wahlrecht, ein weiteres Fünftel (23 %) hat das kommunale Wahlrecht für EUAusländer inne. Weniger als die Hälfte aller Migranten (42 %) haben sich in der Vergangenheit an politischen Wahlen in Bayern aktiv beteiligt. Bezogen auf die Migranten mit Wahlrecht lag die Wahlbeteiligung in der Vergangenheit zwischen 50 und 60 Prozent.

Bei der Sonntagfrage (Landtagswahlen) würden unter Migranten die CSU mit 46 % und die SPD mit 26 % die mit Abstand größten Stimmanteile erzielen. Es folgen DIE LINKE (9 %), DIE GRÜNEN (8 %) sowie die AfD (6 %). Alle weiteren Parteien scheitern bei den Migranten an der 5-Prozent-Hürde. Fast die Hälfte (45 %) besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft, 30% eine doppelte Staatsbürgerschaft. Nur 4 % der Türkeistämmigen haben den Doppelpass.

Die Migranten in Bayern stufen sich in erster Linie als „umweltbewusst“ und „sozial“ ein. Am wenigsten würden sie sich selbst als „konservativ“ oder „sozialistisch“ bezeichnen. Die Begriffe „liberal“ und das in Deutschland eher belaste „national“ liegen im Mittelfeld.

Vor allem eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung, eine gute Aus- und Weiterbildung (ihrer Kinder) sowie der Bereich innere Sicherheit stellen für die Migranten in Bayern aktuell die wichtigsten sozialen und politischen Problemfelder dar. Der Bereich Wirtschaftspolitik/Wirtschaftswachstum besitzt für SUMigranten, Türken und Polen momentan die höchste Priorität. Bildung und der Ausbau von Bildungseinrichtungen (Schule, Hochschule...) für Rumänen, SUMigranten sowie Araber.

Beachtenswert ist, dass die Integration von Migranten in Gesellschaft und Arbeitsmarkt zwar wichtig, aber aktuell nicht das drängendste Problem der Migranten darstellt. Besonders Araber, Türken sowie Migranten aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien sehen hier einen hohen Handlungsbedarf. Der Umwelt- und Steuerpolitik wird aktuell die geringste Dringlichkeit zugemessen.

Christen in der Mehrheit

Über die Hälfte der in Bayern lebenden Migranten (53 %) sind Mitglied einer christlichen Religionsgemeinschaft. Es folgen Muslime (23 %) sowie Einwanderer, die keiner religiösen Gemeinschaft angehören (20 %). Für ein Drittel (33 %) ist Religion wichtig und spielt eine große Rolle für das eigene Leben.

Für Ursula Männle, Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, bringen die Ergebnisse neue Impulse für Politik und Gesellschaft: „Wir waren selbst überrascht über die hohe Akzeptanz des politischen Systems und der politischen Parteien durch Migranten. Es zeigt sich, dass die Integration in Bayern gut gelingen kann. Das gibt Zuversicht für die aktuellen Herausforderungen bei der Integration neuer Mitbürger!“

DK

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