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(GZ-03-2006
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700 Kommunen werden angeschrieben:
 
Post vom Amt - mal verständlich
 

Moderne Verwaltungssprache: Online-Wörterbuch und Hotline / „Ihre Rechte“ statt „Rechtsbehelfsbelehrung“

Alle deutschen Kommunen können mitmachen. Wer kennt das nicht: Ein Brief vom Amt, und auch beim dritten Lesen hat man noch immer die Hälfte nicht verstanden. Ein Online-Projekt der RUB-Sprachwissenschaftler vom Fachbereich Angewandte Linguistik um Prof. Dr. Hans- Rüdiger Fluck und Michaela Blaha soll helfen:


Alle deutschen Kommunen können sich ab sofort unter http://www.rub.de/idema anmelden und fünf Jahre lang auf die Hilfe der Forscher zählen. Sie formulieren in einem interdisziplinären Team Amtsdeutsch um, finden verständlichere, alternative Begriffe für unverständliche Wörter aus der Verwaltungssprache, und das alles auch noch rechtlich wasserdicht. „Es soll eineArt lernendes Online-Wörterbuch entstehen“, so Michaela Blaha.

 Außerdem ist ein Trainingsprogramm für Verwaltungsmitarbeiter geplant. Ursprung der Idee ist das Projekt „Bürgerfreundliche Verwaltungssprache“, das die RUB-Forscher in den Jahren 2000 und 2001 mit vier Bochumer Ämtern durchführten. Hier heißt es seitdem z.B. statt „Rechtsbehelfsbelehrung“ einfach „Ihre Rechte“ - bedeutet dasselbe, ist aber verständlicher. „Das Projekt hat so großen Anklang gefunden, dass wir noch heute Anfragen aus ganz Deutschland bekommen“, so Michaela Blaha. Diese Hilfegesuche so nebenbei zu bearbeiten ist unmöglich - Umformulierungen müssen nicht nur gefunden, sondern auch durch einen Juristen geprüft werden, bevor sie in amtliche Schreiben übernommen werden können. „Es ist z.B. rechtlich betrachtet etwas ganz anderes, ob da steht ‚Sie können Widerspruch einlegen’ oder ‚Sie können widersprechen’, erklärt Michaela Blaha. Um dem Bedarf begegnen zu können, ersannen die Spezialisten das Online-Angebot IDEMA (Internet-Dienst für eine moderne Amtssprache).

Kommunen, die sich dazu anmelden, nehmen für fünf Jahre am Projekt teil und zahlen je nach Größe für die gesamte Zeit einmalig zwischen 500 und 10.000 Euro. Dafür können sie sich jederzeit einloggen und ihre Fragen loswerden. Für einzelne Stichwörter schlägt das Online-Wörterbuch dann eine Alternative vor und verlinkt nach Möglichkeit auf ein entsprechendes Originaldokument. Die Grundlage ist aus dem Bochumer Projekt vorhanden, der Rest wächst mit der Zeit. Für schwierige Fragen ist eine Hotline geplant.

Die Forscher hoffen auf eine möglichst große Teilnehmerzahl. „Je mehr Städte und Gemeinden teilnehmen, desto reichhaltiger wird die Datenbank und desto schneller können auch Anfragen beantwortet werden“, so Blaha. Die Stadt Bochum ist schon als erste Teilnehmerin dabei. Derzeit werden 700 Kommunen angeschrieben. Jede Kommune aber kann sich auf der Projektseite http://www.rub.de/idema über das Projekt informieren und sich dort zu einer Teilnahme anmelden. Kontakt: Prof. Dr. Hans-Rüdiger Fluck und Michaela Blaha, Germanistisches Institut der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25099/-27016, eMail: idema@rub.de; http://www.ruhruni-bochum.de/idema

RED

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