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(GZ-9-2017)
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► Maximilian Böltl / Erster Bürgermeister Kirchheim bei München:   
 
Das S-Bahn-Bündnis Ost
 

Bltl

Maximilian Böltl Erster Bürgermeister Kirchheim bei München

Wie wichtig ein belastbarer Personennah- und Güterverkehr für die Region München nicht nur heute, sondern auch in Zukunft ist, verdeutlichte Bündnissprecher und 1. Bürgermeister von Kirchheim, Maximilian Böltl. Steigende Anforderungen an Logistik und Wirtschaft sowie ein überproportionales Bevölkerungswachstum belasteten Straßen und Schienen. Dies sorge nicht nur für Unmut bei Pendlern und Anwohnern, sondern belaste auch die Umwelt. Die ganzheitliche Weiterentwicklung des Verkehrsnetzes in München und Umgebung sei ein wesentliches Thema des Bündnisses, wenn es um nachhaltige Entwicklung von Infrastruktur geht, so Böltl.

Seit Jahren erleben die Landkreise München, Erding und Ebersberg ein enormes Bevölkerungswachstum. Die S-Bahnhöfe sind schon heute an ihren Kapazitätsgrenzen. Ein vierspuriger Ausbau der Linie S2 macht nach Böltls Auffassung eine Taktverdichtung und Expressbahnen möglich und sorge so für eine Lösung der Mobilitäts- und Wohnungsherausforderung.

Aktuell wird der Münchner Osten mit der S2 in einer 20- bzw. 40 Minuten-Taktung befahren. Die zweispurigen Trassen werden dabei im Mischbetrieb genutzt. Das bedeutet, dass sowohl der Personenals auch der Güterverkehr über dieselben Gleise abgefertigt werden. Die Zuständigkeit für den Verkehr übernehmen damit sowohl der Bund (Güterverkehr) als auch der Freistaat Bayern (Schienenpersonenverkehr). Diese Taktung hat erhebliche Auswirkungen auf die Bevölkerung der anrainenden Gemeinden.

Die Situation, dass die S-Bahnstrecke im Münchner Osten bereits jetzt stark überlastet ist, verschärft sich Böltl zufolge in Zukunft nicht nur durch den prognostizierten Bevölkerungszuwachs rund um München weiter: „Andere Infrastrukturprojekte wie beispielsweise die 2. Stammstrecke, der Erdinger Ringschluss, die Ausbaustrecke ABS 38 München – Mühldorf – Freilassing und der Brenner-Basis-Tunnel werden den Straßen- und Schienenverkehr stärker belasten.“

Das S-Bahn-Bündnis Ost gründete sich 2015, um nachhaltig einen viergleisigen Ausbau der S-Bahnstrecke zwischen München Ost und Markt Schwaben sowie den Bau einer eigenen S-Bahnhaltestelle bei der Messe München voranzutreiben und umzusetzen. Initiatoren und Mitbegründer des Bündnisses sind die Gemeinden Ascheim, Kirchheim bei München, Poing, Markt Schwaben sowie die Landkreise München, Ebersberg und Erding, die Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern, die Handwerkskammer für München und Oberbayern und die Messe München.

Seit seiner Gründung hat das Bündnis zahlreiche politische Mandatsträger für seine Forderungen und als aktive Unterstützer für sich gewinnen können. Das S-Bahn-Bündnis Ost wird überparteilich von Politikern aus den betroffenen Stadtund Gemeinderäten, von Abgeordneten aus den Kreistagen, aus dem Landtag und Bundestag unterstützt. Auch aus der Bevölkerung kommt starke Zustimmung für die Forderungen und das Engagement des Bündnisses. Vereine wie Green City e. V. und Unternehmen aus der Region positionieren sich als Bündnispartner und werben aktiv.

Um ihre parteiübergreifende Zustimmung zu signalisieren, trafen sich im vergangenen Jahr alle Abgeordneten aus den Gemeinden, Städten, den Landkreisen sowie von Bund und Land zu einer Mandatsträ- gerkonferenz. Mitglieder und Initiatoren einigten sich dabei auf ein gemeinsames Memorandum und formulierten folgende konkrete Forderungen:

  • Alle fahrplan- und signaltechnischen Möglichkeiten sollen ausgeschöpft werden, um das Fahrplanangebot auf der Bahnstrecke zwischen München Ost und Markt Schwaben zu verdichten.
  • Wir fordern weitere netzergänzende Maßnahmen auf der S 2-Ost zur Taktverdichtung.
  • Das Bayernpaket für barrierefreie Bahnhöfe soll zügig und aufwärts- kompatibel umgesetzt werden.
  • Alle notwendigen Schritte zur Umset- zung des viergleisigen Ausbaus der Bahnstrecke zwischen München Ost und Markt Schwaben sollen unver züglich angestoßen werden.
  • Die Messe München erhält einen eigenen S-Bahnhof und wird direkt an die S-Bahn Linie angeschlossen.

Laut Kirchheims Bürgermeister sind schon heute die Anreisemöglichkeiten bei Messegroßevents völlig überlastet. Mit der S-Bahnanbindung werde eine zusätzliche Anfahrtsmöglichkeit geschaffen und das Gesamtsystem entlastet.

Bisher sei ein zweimaliger Umstieg vom Flughafen zur Messe nötig. Ein wachsender Anteil an internationalen Ausstellern und Besuchern erfordere jedoch eine direkte Verbindung. Bereits heute mache das Messe-und Kongressgeschäft 10 Prozent des gesamten Fluggastaufkommens in München aus.

Parallel zum demographischen Wandel entwickelt sich der Münchner Osten auch wirtschaftlich weiter: In den nächsten zehn Jahren werden ca. 20.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Diese Arbeitnehmer nutzen ebenso den öffentlichen Nahverkehr. Unternehmen im Münchner Osten geben dem Projekt weiter Aufwind.

Die zusätzliche Verbindung zur Messe und die Optimierung der Taktung lassen laut Böltl verstärkt auf den öffentlichen Nahverkehr zurückgreifen. Dies habe weniger Verkehr auf den Straßen rund um die Messe zur Folge.

Für mehr Umweltschutz müsse der Verkehr konsequent von den Straßen auf die Schienen verlagert werden. Ein Ausbau der S2 zwischen München Ost und Markt Schwaben sorge für einen nachhaltigen Lärmschutz entlang der gesamten Strecke.

Der Streckenabschnitt zwischen München Ost und Markt Schwaben ist Böltl zufolge ein wesentlicher Bestandteil der transeuropäischen Güterverkehrsmagistrale Paris – München – Wien – Budapest. Steigende Ansprüche aus Wirtschaft und Logistik erforderten eine belastbare Infrastruktur auch auf der Strecke zwischen München Ost und Markt Schwaben.

Finanzierung sicherstellen

Der Bündnissprecher plädierte dafür, die Finanzierung des vierspurigen Ausbaus der S2 über den Bund mittels Aufnahme in den Bahnknoten München sicherzustellen. Die Bahnstrecke östlich von Markt Schwaben ist als Teilabschnitt der ABS 38 bereits Bestandteil des Bundesverkehrswegeplanes, der Ausbau zwischen München- Riem und Markt Schwaben noch nicht. Ein Gutachten des S-Bahn-Bündnis Ost zur Situation des Schienenverkehrs im Münchner Osten könne dafür die Basis schaffen. Es diene als Entscheidungsgrundlage für den Bund. Das Bündnis wird dabei auch vom Freistaat Bayern gestärkt: Er begrüßt das Engagement des S-Bahn-Bündnis Ost für den Ausbau der Schieneninfrastruktur und unterstützt das Gutachten. 

RED

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